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Hormongesteuert: Vom PMS bis ins Klimakterium

Frauen, die in jungen Jahren am prämenstruellen Syndrom (PMS) leiden, haben meist auch Wechseljahrsbeschwerden. «Die hormonelle Dysreguation begleitet die Frau in ihrem Leben, und daran sollten Apotheker in der Beratung denken», sagte Apothekerin Margit Schlenk aus Nürnberg bei den 10. Bregenzer Grenzgesprächen.

 

Zu Beginn der Menopause, dem Zeitpunkt der «Eierstock-Erschöpfung», komme es zur relativen Estrogendominanz. Typische Beschwerden sind Brustspannen, Wassereinlagerungen, Magen-Darm-Probleme und Gereiztheit – «ähnlich wie bei PMS». Eine Adipositas verstärke die Estrogendominanz. Das Progesteron-Defizit führe zum starken Aufbau der Gebärmutterschleimhaut mit konsekutiv starken Blutungen und Zwischenblutungen. Mit fortschreitender Hormonumstellung komme es dann zum Estrogenmangel, auch im Wechsel mit Phasen der Dominanz, erklärte Schlenk. «Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und nächtliches Erwachen zwischen zwei und drei Uhr sind typische Anzeichen.»

 

Klar bezog Schlenk Stellung zur hormonellen Therapie: Estrogene und Gestagene sollten nur bei klarer Indikation, möglichst kurzfristig und in der niedrigsten wirksamen Dosis gegeben werden. Und dies nur, wenn andere Maßnahmen, zum Beispiel eine Phytotherapie mit Cimicifuga, nicht ausreichen. Auch die viel beworbenen Phytoestrogene aus Soja seien nicht unkritisch, da sie als hormonelle Disruptoren und antithyreoidal wirken. Günstiger sind Lignane, zum Beispiel aus Getreide, Beeren und Leinsamen. Mit zwei Esslöffeln geschrotetem Leinsamen täglich könne die Frau ihr Brustkrebsrisiko um 20 Prozent senken, berichtete Schlenk. Yamswurzel sei kein natürlicher Progesteron-Ersatz, da der menschliche Körper aus dem enthaltenen Diosgenin kein Progesteron bilden kann.

 

«Hormongesteuert» hieß das Thema des Kongresses, den traditionell die Bayerische Landesapothekerkammer (BLAK), die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, die Landesgeschäftsstelle Vorarlberg der Österreichischen Apothekerkammer und der Schweizerische Apothekerverband in Bregenz am Bodensee veranstalteten. «Diese Fortbildung soll Grenzen überschreiten – sowohl geografisch wie auch fachlich – und Grenzgebiete der Pharmazie und Medizin beleuchten», sagte BLAK-Vizepräsidentin Jutta Rewitzer, die gemeinsam mit Jürgen Rehak, Präsident der Landesgeschäftsstelle Vorarlberg, etwa 200 Kolleginnen und Kollegen im Vorarlberger Landestheater begrüßen konnte. (bmg)

 

06.07.2015 l PZ

Foto: Fotolia/Volker Witt