Pharmazeutische Zeitung online

Krebs: Heilung erst nach Angriff auf Tumorstammzellen

Eine Heilung von Krebs ist nur möglich, wenn die im Tumor befindlichen Krebsstammzellen vernichtet werden. Davon zeigten sich Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bei einer Pressekonferenz anlässlich des internationalen Kongresses «Cancer and Stem Cells» überzeugt. Rund 400 Experten aus aller Welt diskutieren, welche Rolle Krebsstammzellen bei verschiedenen Krebsarten spielen, wie sie Tumoren aufrechterhalten und Metastasen auslösen.

Krebsstammzellen gelten als die gefährlichsten Zellen in einem Tumor: Nicht nur, dass aus ihnen der Tumor hervorgeht, sie sorgen auch ständig für Nachschub an Krebszellen und erhalten so den Tumor am Leben. Ihre direkten Abkömmlinge sind es vermutlich auch, die den Tumor verlassen und an anderer Stelle im Körper die gefürchteten Metastasen bilden. Ausgerechnet diese Zellen sind relativ unempfindlich gegenüber herkömmlichen Chemo- oder Strahlentherapien. Deshalb stehen sie im Verdacht, für Rezidive nach scheinbar erfolgreicher Therapie verantwortlich zu sein. Einzelne überlebende Krebsstammzellen können bereits neue Tumoren bilden.

«Wir sind davon überzeugt, dass wir den Krebs nur besiegen können, wenn es uns gelingt, ihn an seiner Wurzel zu packen und die Krebsstammzellen zu vernichten», sagte Professor Dr. Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des DKFZ. Weltweit arbeiten Forscherteams an Möglichkeiten, diese Zellarten auszuschalten. Erste Untersuchungen an Tiermodellen seien bereits erfolgversprechend verlaufen.

So zum Beispiel die Untersuchung des Forschungsteams um Dr. Hai-Kun Liu vom DKFZ. Die Wissenschaftler identifizierten in Krebsstammzellen von Hirntumoren das Protein TLX als ein Schlüsselmolekül. Blockierten sie dieses Protein bei krebskranken Mäusen, verloren die Krebsstammzellen ihre Fähigkeit zur Selbsterneuerung, und die Tiere überlebten länger. Die Tumorgröße nahm allein durch das gezielte Ausschalten der Stammzellen ab. Da das Protein TLX auch in menschlichen Krebsstammzellen von Hirntumoren vorkommt, führt das Team um Liu in Kooperation mit dem Unternehmen Bayer derzeit ein Screening durch, um mögliche Wirkstoffe zur TLX-Blockade zu identifizieren.  (ch)

 

Mehr zum Thema Krebs und Zytostatika

 

01.10.2014 l PZ

Foto: Fotolia/freshidea