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Nortriptylin hilft bei der Entwöhnung

18.01.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

Nortriptylin hilft bei der Entwöhnung

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Raucher können sich mit dem Antidepressivum Nortriptylin erfolgreicher entwöhnen, berichten amerikanische Wissenschaftler. Bisher konnten sich nur wenige Raucher langfristig den Tabakkonsum abgewöhnen. Mit einigen Antidepressiva wie Doxepin, Nortriptylin und Moclobemid konnte in kleineren Untersuchungen aber bereits ein Zusammenhang zwischen Rauchverhalten und dem Auftreten von Depressionen gezeigt werden

Die Forscher des Denver Veterans Affairs Medical Center im US-Bundesstaat Colorado versuchten deshalb in einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie den Effekt von Nortriptylin bei der Entwöhnung von Rauchern zu verifizieren und herauszufinden, inwieweit der Wirkstoff in der Lage ist, Entzugssymptome zu unterdrücken.

Sie wählten den Arzneistoff Nortriptylin (Nortrilen®), der auch von älteren Personen gut vertragen wird und dessen therapeutischer Effekt gut mit den Plasmakonzentrationen korreliert. 214 Probanden im Alter zwischen 18 und 70 Jahren, die täglich 10 oder mehr Zigaretten rauchten und keine Anzeichen einer Depression zeigten, entweder Placebo oder Nortriptylin. Ab dem zehnten Tag vor dem Absetzen erhielten die Studienteilnehmer jeden Abend vor dem Schlafengehen 25 mg des Antidepressivums. Anschließend wurde die Dosis individuell bis auf 75 mg täglich oder bis zur maximalen, verträglichen Dosierung erhöht. Das Verhalten der Probanden wurde in zwei Gruppen- und zwölf Einzelsitzungen dokumentiert. Mögliche Entzugssymptome wurden mit Hilfe eines Tagebuches erfaßt. Eine Rauchentwöhnung wurde mittels einer selbst-dokumentierte Abstinenz, einer Kohlenmonoxid-Konzentration in der Atemluft unter 9 ppm und eines Nikotinspiegels im Urin über sechs Monate unter 50 ng/ml definiert.

In der Verum-Gruppe zeigte sich ab dem achten Tag nach Absetzen des Tabakkonsums eine geringgradige, jedoch signifikante Reduktion schwerer Entzugssymptome wie Ängstlichkeit, Anspannung, Konzentrationsstörungen, Ruhelosigkeit und Ungeduld. Nach sechs Monaten waren 15 von 108 Probanden der Verum- und 3 von 106 Probanden der Placebo-Gruppe (P=0,003) abstinent(14 versus 3 Prozent). Unter Nortriptylin traten gehäuft Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit (64 Prozent) und Geschmacksstörungen (20 Prozent) auf.

Nortriptylin beeinflußt die kurzfristige Entzugsrate von Rauchern positiv, schlußfolgern die Wissenschaftler. Zudem konnten die Entzugssymptome signifikant verringert werden.Top

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