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Immunsuppression nach Herztransplantation

01.02.1999
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-PharmazieGovi-VerlagPHARMACON DAVOS

Immunsuppression nach Herztransplantation

Die erste erfolgreiche Herztransplantation im Menschen gelang Christian Barnard 1967 in Kapstadt. Zu einer ernst zu nehmenden Therapieoption habe sich die Herztransplantation jedoch erst nach Einführung des Immunsuppressivums Cyclosporin A zu Beginn der 80er Jahre entwickelt, berichtete Privatdozent Dr. Hans-Georg Olbrich aus Frankfurt am Main.

Die Anzahl jährlich durchgeführter Herztransplantationen stieg weltweit von weniger als 100 im Jahre 1980 auf fast 4000 im Jahre 1990, so Olbrich. Gewissermaßen als Ausdruck des dann einsetzenden Mangels an Spenderorganen bewegten sich die Herztransplantationszahlen seit 1990 auf einem Plateau ohne weiteren Zuwachs.

Olbrich, der einen Rückblick auf die Entwicklung der Immunsuppressiva gab, nannte als häufigste Ursachen für die terminale Herzinsuffizienz die dilatative Kardiomyopathie und das Endstadium der koronaren Herzkrankheit, die ischämische Kardiomyopathie. Jede dieser beiden Diagnosen stelle etwa die Hälfte der Indikationen zur Herztransplantation dar.

Seltenere Diagnosen seien Herzklappenerkrankungen, angeborene Herzfehler, die hypertrophische Kardiomyopathie, therapierefraktäre Angina pectoris, aktive Myokarditis, Sarkoidose und Amyloidose. Die Einjahresüberlebensrate nach Herztransplantationen betrage derzeit 80 Prozent. Nach 8,7 Jahren leben noch 50 Prozent der Transplantierten. Von den Patienten, die das erste postoperative Jahr überlebt haben, leben 50 Prozent noch nach 11,4 Jahren.

Haupttodesursachen während der ersten postoperativen Monate seien akute zelluläre Abstoßungsreaktionen und Infektionen als Folge der immunsuppressiven Therapie. Nach dem ersten postoperativen Jahr trete die Transplantatvaskulopathie, ein in der Regel als diffuse Gefäßsklerose imponierender chronischer Abstoßungsprozeß, als führende Todesursache in den Vordergrund.

Prävention gegen Abstoßungsreaktionen

Die immunsuppressive Therapie, sprich: Prävention gegen Abstoßungsreaktionen, basiere im allgemeinen auf der kombinierten Gabe von Cyclosporin A, Prednison und Azathioprin. An einer Reihe von Zentren werde darüber hinaus postoperativ eine immunsuppressive Induktionstherapie„ mit einem Antilymphozytenglobulin durchgeführt. Zudem setze eine zunehmende Zahl von Transplantationszentren neuere Immunsuppressiva ein: Zwischen zehn und fünfzehn Prozent der herztransplantierten Patienten erhalten derzeit statt Cyclosporin A Tacrolimus (FK 506) und an Stelle des Azathioprins die Substanz Mycophenolat Mofetil (RS 61443).

Olbrich schilderte die Wirkmechanismen der verschiedenen Medikamente. Er erläuterte, daß Tacrolimus und Mycophenolat Mofetil klinische Studien an leber- und nierentransplantierten und kürzlich auch an herztransplantierten Patienten durchlaufen haben. Der Wirkmechanismus von Tacrolimus entspreche weitgehend dem des Cyclosporin A. Mycophenolat Mofetil hemme wie Azathioprin die Purinsynthese, weise dabei jedoch eine wesentlich höhere Spezifität für Lymphozyten auf.

Mit dem Anti-Interleukin-2-Rezeptor-Antikörper BT563, der ebenfalls bereits in klinischen Studien geprüft wurde, stehe nun an Stelle eines Lymphozyten-Antikörpers ein weiterer Antikörper für die Induktion der Immunsuppression direkt nach Transplantation zur Verfügung. Weitere Substanzen wie Rapamycin, Leflunomid oder Deoxyspergualin befänden sich noch im Stadium der experimentellen Untersuchung.Top

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