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Pharmazeutische Betreuung - der praktischeEinstieg

25.05.1998
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Govi-Verlag

Pharmazeutische Betreuung - der praktische Einstieg

Angeregt durch Verlauf und Diskussionen des zweiten Pharmaceutical-Care-Symposiums der ABDA am 22. und 23. November 1997 in Frankfurt am Main ist es sinnvoll, auf der Grundlage der bisher vorliegenden Ansätze und ersten Erfahrungen ein Ad-hoc-Programm zur Einführung von Pharmaceutical Care vorzuschlagen. Diese Programm soll es interessierten Apothekerinnen und Apothekern ermöglichen, unmittelbar in die Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung einzusteigen.

Das Vorhandensein eines separaten Beratungsplatzes oder –raums wird vorausgesetzt. Die entsprechende, neuartige Patientendatei-Software für die Datenkassen sowie ein Textprogramm erleichtern die Abläufe. Als Einsteig bietet sich die Beratung interessierter, einzelner Patienten an. Anläßlich der Neuverordnung beispielsweise eines ß-Blockers, werden durch das einführende Gespräch zwischen Apotheker und Patient die Grundlagen gelegt, die Arzneimitteltherapie optimal umzusetzen. Dabei sollte sowohl das Wissen des Patienten bezüglich seiner Arzneimittelanwendung berücksichtigt werden, als auch seine Einstellungen und Erwartungen integriert werden. Nur wenn er ausreichend informiert ist und das pharmazeutische Personal auf seine ganz persönliche Situation und Sichtweise eingeht, wird der Patient motiviert sein, das Medikament sicher anzuwenden und sich als aktiver Partner für die eigene Gesundheit einzusetzen.

Einschätzung des Verständnisses und der Motivation

Die Motivation des Patienten sollte als Voraussetzung für die sachgerechte Arzneimitteltherapie vom Apotheker eingeschätzt werden, um bereits im Vorfeld Barrieren oder fehlerhafte Sichtweisen beim Patienten abzubauen. Dabei ergeben sich vor allem bei chronisch Kranken verschiedene Ansatzpunkte:
  • Schätzt der Patient seine Erkrankung richtig ein? Ist ihm bewußt, daß es sich unter Umständen um eine ernste Erkrankung handelt, auch wenn er zur Zeit wenig Beschwerden hat? Sieht er sich selbst als Kranker oder hat er aus seiner Sicht nur eine vorübergehende Gesundheitsstörung?
  • Wie bewertet der Patient die verschriebene Medikation? Glaubt er, daß das Arzneimittel seine Erkrankung lindern oder heilen kann? Welche Erwartungen verknüpft er mit seinem Arzneimittel?
  • Sieht der Patient sich in der Lage, dem Therapieschema zu folgen? Braucht er dabei die Unterstützung anderer Personen? Glaubt der Patient, daß er selbst am Erfolg der Therapie mitwirken kann?

Die eigenen Erfahrungen des Patienten spielen bei einer Therapie eine besondere Rolle. Die "Bewertung" seines Arzneimittels beruht auch auf seiner allgemeinen Einstellung zu Arzneimitteln.

Vermittlung notwendiger Arzneimittelinformationen


Es werden die notwendigen Informationen zur Wirkung, Anwendung und zu etwaigen Risiken und Nebenwirkungen des Medikaments sowie gegebenenfalls zur Aufbewahrung unter Nutzung wirkstoffbezogener Beratungsempfehlungen vermittelt. Dabei sollte zunächst erfragt werden, welche Informationen der Patient bereits vom Arzt erhalten hat und ob Behandlungsziele mit dem Arzt vereinbart wurden. Die Informationsweitergabe ist nur dann sinnvoll, wenn der Apotheker sich bemüht, festzustellen, ob der Patient diese verstanden hat. Daher sollte am Ende der Beratung die Bitte an den Patienten stehen, wichtige Informationen noch einmal mit eigene Worten zu wiederholen.

Unterstützung des Patienten


Der Patient wir bei seiner Therapie durch sie Erstellung einer individualisierten, schriftlichen Patienteninformation unterstützt, die die mündliche Informationsvermittlung ergänzt. Es wir eine Datei für den Patienten erstellt sowie eine erste Terminvereinbarung getroffen. Das einführende Beratungsgespräch kann nur dann in die Pharmazeutische Betreuung übergeleitet werden, wenn weitere Termine mit dem Patienten folgen. Dabei sollte eine langfristige Perspektive entwickelt werden, die eine sinnvolle Unterstützung der Arzneimitteltherapie ermöglicht. Diesen Ansatz stellen wir Ihnen im zweiten Teil in einer der nächsten Ausgaben der PZ vor.

PZ-Artikel von Joachim Framm, Wismar, Frank Verheyen, Martin Schulz, Eschborn

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