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Montelukast, Leukotrien-Antagonistgegen Asthma

24.08.1998
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Govi-Verlag

Montelukast, Leukotrien-Antagonist
gegen Asthma

Seit April dieses Jahres steht in der Bundesrepublik Deutschland mit Montelukast (Singulair®) der erste Leukotrien-Rezeptorantagonist zur Behandlung des Asthma bronchiale zur Verfügung. Er erhielt Ende 1997 im dezentralen EU-Verfahren die Zulassung. Damit wird das medikamentöse Asthma-Management erstmals seit rund 20 Jahren um eine neue Substanzklasse bereichert.

In anderen Ländern wie den USA stehen mit Zafirlukast (Accolate®), in Japan mit Pranlukast (Ultair®), weitere Leukotrien-Rezeptorantagonisten zur Verfügung. Weiterhin ist in den USA bereits der Leukotrien-Synthesehemmer/5-Lipoxygenaseinhibitor Zileuton (Zyflo®) im Handel. Daß Leukotriene eine Schlüsselrolle in der Pathophysiologie des Asthma spielen, ist schon seit langem bekannt. Sie werden von Entzündungszellen wie Mastzellen oder Eosinophilen sezerniert und sind die stärksten heute bekannte Bronchokonstriktoren. Mit der Einführung des Leukotrien-Rezeptorantagonisten Montelukast ist die medikamentöse Therapie des Asthma bronchiale erweitert worden.

Chemische Klassifikation

Montelukast (MK-0476),1-({(R)-m[(E)-2-(7-Chlorchinol-2-yl)vinyl]-a-[2-
(1-hydroxy-1-methylethyl)phenethyl]-benzylthio}methyl)cyclopropanessigsäure (IUPAC), ist in Deutschland der erste Vertreter einer neuen Substanzklasse, der Leukotrien-Rezeptorantagonisten. Strukturelle Ähnlichkeiten zu bisher verfügbaren Antiasthmatika bestehen nicht.

Indikationen und Anwendung

Singulair® ist indiziert als Zusatzbehandlung bei Patienten, die unter leichtem bis mittelgradigem chronischem Asthma (Schweregrad 2 und 3 in der vierstufigen Einteilung) leiden, das mit einem inhalierbaren Glucocorticoid nicht ausreichend behandelt und das durch die bedarfsweise Anwendung von kurzwirkenden ß2-Sympathomimetika nicht ausreichend unter Kontrolle gebracht werden kann.

Außerdem kann Montelukast zur Vorbeugung von Belastungsasthma eingesetzt werden, dessen überwiegende Komponente die durch körperliche Belastung ausgelöste Bronchokonstriktion darstellt. Die Dosierung für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren beträgt 10mg Montelukast (eine Filmtablette) täglich vor dem Schlafengehen. Die Filmtablette kann unabhängig von der Nahrungsaufnahme eingenommen werden.

Die Dosierung für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren beträgt 5mg (eine Kautablette) täglich vor dem Schlafengehen. Singulair® junior 5 mg sollte eine Stunde vor oder zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme eingenommen werden. Zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Montelukast bei Kindern unter 6 Jahren liegen bisher keine Erfahrungen vor.

Die Wirkung von Montelukast auf die Asthmasymptomatik setzt bereits nach einem Tag ein. Die Patienten sind zu instruieren, daß die Therapie mit Montelukast sowohl bei Beschwerdefreiheit als auch während einer Verschlechterung der Asthmasymptomatik fortzusetzen ist.

Bei älteren Patienten sind Dosisanpassungen nicht erforderlich. Auch bei Nierenfunktionsstörungen oder leichten bis mäßiggradigen Leberfunktionsstörungen müssen keine Dosisanpassungen vorgenommen werden. Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz liegen keine Erfahrungen vor.

Die Patienten sind anzuweisen, Montelukast nie zur Behandlung eines akuten Asthma-Anfalls einzusetzen. Von einem inhalativen oder oralen Glucocorticoid soll nicht ersatzweise auf Montelukast umgestellt werden. Es liegen derzeit keine hinreichenden Daten vor, die belegen, daß unter der zusätzlichen Therapie mit Montelukast orale Glucocorticoide eingespart werden könnten.

Wertende Zusammenfassung

Mit Montelukast wurde in Deutschland der erste Leukotrien-Rezeptorantagonist zur Add-on-Therapie des Asthma bronchiale eingeführt. Im Unterschied zu Zafirlukast, zweimal tägliche Applikation, muß Montelukast nur einmal täglich gegeben werden. Ein weiterer Vorteil ist, daß Erfahrungen bereits für Kinder ab sechs Jahren vorliegen, wohingegen Zafirlukast in den USA als Accolate® nur für Kinder ab 12 Jahren zugelassen wurde. Beide Substanzen werden auch in anderen Indikationen, wie zum Beispiel saisonaler oder perennialer allergischer Rhinitis untersucht. Zudem wurde die inhalative Applikation untersucht, die aber aufgrund des ohnehin geringen Nebenwirkungsrisikos wohl keine sinnvolle Alternative zur peroralen Gabe darstellt.

Die Erfahrungen mit den Leukotrien-Rezeptorantagonisten wie Montelukast sind in Deutschland noch begrenzt. Ihr Stellenwert in der Asthma-Therapie bedarf der weiteren Klärung. Sie werden wahrscheinlich inhalative Glucocorticoide nicht ersetzen können. Gegebenenfalls kann aber die Dosierung der inhalativen Glucocorticoide reduziert werden. Eine Einsparung oraler Glucocorticoide unter einer Therapie mit Montelukast ist nicht zu erwarten. Montelukast ist wirksam bei Asthma bezüglich Lungenfunktion und Symptomen, das Ausmaß der Wirksamkeit ist aber begrenzt. Die einmal abendliche Applikation ist vor allem für Kinder compliancefördernd. Ist der Patient beziehungsweise sind die Eltern nicht von der Notwendigkeit einer inhalativen Glucocorticoidtherapie zu überzeugen, bietet sich Montelukast als Ausweichmöglichkeit an.

PZ-Artikel von Martin Schulz, Eschborn
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