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Schmuggelskandal: Um diese Medikamente geht es

Schmuggelskandal: Um diese Medikamente geht esIm Fall der über die brandenburgische Firma Lunapharm in Umlauf gebrachten, vermutlich gestohlenen Krebsmedikamente ist nun bekannt geworden, um welche Präparate es sich handelt. Einem Bericht des «Tagesspiegels» zufolge waren das Adcetris, Afinitor, Alimta, Herceptin, Mabthera, Neulasta, Tracleer, Vectibix, Velcade und Xgeva. Bestimmte Chargen dieser Präparate, die in den Jahren 2016 und 2017 an mehrere Großlieferanten sowie mindestens 15 Einzelapotheken in Deutschland ausgeliefert worden seien, habe das brandenburgische Gesundheitsministerium am Dienstagabend zurückgerufen.
 
Die genannten Medikamente sollen aus Klinikapotheken in Griechenland gestohlen und dann illegal nach Deutschland importiert worden sein. Dabei sollen notwendige Transportbedingungen wie die Kühlkettenpflicht nicht eingehalten worden sein, sodass die Qualität der Medikamente und in der Folge möglicherweise auch die Wirksamkeit gelitten haben könnten. Ob, beziehungsweise wie stark, die Präparate beeinträchtigt waren, ist jedoch heute kaum noch nachvollziehbar, da sie höchstwahrscheinlich mittlerweile verbraucht sind.
 
Über den Skandal hatte zuerst das ARD-Magazin «Kontraste» berichtet. Demnach informierte die griechische Aufsichtsbehörde bereits 2016 das brandenburgische Gesundheitsministerium über den Fall. Das Land Brandenburg ist zuständig, weil der involvierte Pharmahändler Lunapharm seinen Sitz in Mahlow hat. Die Behörde in Potsdam habe jedoch zögerlich bis gar nicht reagiert.
 
Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Die Linke) hat unterdessen Fehler im Umgang mit dem Fall eingeräumt und sich bei den Betroffenen entschuldigt: «Das tut mir aufrichtig leid. Ich will, dass alle Fakten auf den Tisch kommen und die Geschehnisse lückenlos aufgeklärt werden», sagte sie. Um Betroffenen eine direkte Möglichkeit zu geben, kompetente Informationen zu bekommen, habe sie sich dazu entschieden, eine telefonische Hotline einzurichten. Diese ist ab heute täglich zwischen 10 und 16 Uhr unter der Nummer 0331 8665020 erreichbar.
 
Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom späten Freitagnachmittag gibt es erste personelle Konsequenzen im brandenburgischen Gesundheitsministerium: Gegen einen Mitarbeiter des zuständigen Fachbereichs Arzneimittelaufsicht sei Strafanzeige erstattet worden, habe das Ministerium am Freitag mitgeteilt. Ihm sei die Führung der Dienstgeschäfte untersagt worden. Der bisherige Referatsleiter wurde mit einer anderen Aufgabe betraut, heißt es weiter. Zudem wurden Zuständigkeiten im Ministerium neu geordnet. Eine Task Force sei eingerichtet worden, um die Vorwürfe aufzuklären. (am)
 
20.07.2018 l PZ
Foto: Fotolia/M&S Fotodesign


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