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Narben verlangen Geduld

TITEL

 
Dermatologie

Narben verlangen Geduld

von Gudrun Heyn, Berlin

 

Narben sind die lebenslang sichtbaren Folgen einer Hautreparatur. Sie gelten als hässlich, erinnern die Betroffenen an traumatische Erlebnisse und können die Beweglichkeit einschränken. Keine Therapie verwandelt eine Narbe in perfekte Haut zurück. Doch mit viel Geduld kann es gelingen, die Problemzone unauffälliger und beschwerdefreier zu machen.

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Eine pathologische Narbe unterscheidet sich in Größe, Form und Farbe deutlich von ihrer Umgebung. Besonders auffällig sind Keloide und hypertrophe Narben, die sich durch eine übermäßige Substanzvermehrung wulstartig über das normale Hautniveau erheben (»Wulstnarben«). Aber auch fehlende Substanz kann unschön aussehen. Atrophe Narben heißen die schüsselförmig eingesunkenen Dellen und die scharfkantig eingezogenen Löcher, zum Beispiel bei Ice-pick-Narben. Extrem unangenehm sind sklerotische Narben, da sie hart und unelastisch sind und zum Schrumpfen neigen (1). Durch ständiges Spannungsgefühl erinnern sie den Betroffenen immer wieder an die Narbenursache. Verlaufen solche Narben quer über ein Gelenk, leiden die Patienten nicht selten an Fehlstellungen und Unbeweglichkeit.

 

Im Idealfall sind Narben flach, blass und weich. Vor allem auf reife physiologische Narben trifft dies zu. Doch im frischen Zustand können sie sich rot, wulstartig und schmerzhaft über das Hautniveau erheben.

 

Schnelle Reparatur wichtig

 

Auf eine Gewebeverletzung reagiert der Körper mit komplexen Reparaturmechanismen, an denen auch das Immunsystem beteiligt ist. Innerhalb kürzester Zeit soll die Haut ihre Aufgabe als Schutzorgan gegen Hitze, Kälte, UV-Strahlung, Giftstoffe und Krankheitserreger wieder wahrnehmen können.

 

Eine intakte Haut schützt die Epidermis mit ihren Keratin produzierenden Keratinozyten vor äußeren Einflüssen. Während an der Epidermisoberfläche ständig verhornte abgestorbene Zellen abgeschilfert werden, wird in den unteren Schichten (Stachel- und Basalzellen) durch Zellteilung fortlaufend Zellnachschub produziert. Diese Zellen sorgen auch dafür, dass bei einer oberflächlichen Verletzung der Gewebeverlust schnell wieder ausgeglichen wird. Ebenfalls in der Basalschicht angesiedelt sind die Pigmentzellen, die mit ihrer Melaninproduktion Farbe in die Haut bringen und diese vor zu starker Sonneneinstrahlung schützen.

 

Die darunter liegende Dermis (Lederhaut, Corium) mit ihren Blutgefäßen, Schweißdrüsen und Sinneszellen ist für Stoffwechsel, Wärmeregulation und Reizwahrnehmung verantwortlich. Berührung, Druck, Vibration, Schmerz und Temperatur können so erfasst werden. Kommt es hier zu einer Verletzung, kann die verloren gegangene Substanz nur noch unvollkommen ersetzt werden (2). So manche Narbe fühlt sich daher taub an.

 

Die dritte Gewebeschicht, die Subcutis, dient vor allem als Bindeglied zur Muskulatur und Knochenhaut. Das lockere Bindegewebe enthält größere Blutgefäße, Nerven und je nach Ernährungszustand mehr oder weniger große Fettzellen.




Jedes Leben hinterlässt Spuren. Nicht immer erscheinen große Narben so unauffällig wie hier.
Foto: Ullrich Mies

Phasen der Wundheilung

 

Unabhängig von der Art der Verletzung verläuft der Heilungsprozess aller Wunden nach einem einheitlichen Schema. Selbst bei großen Gewebeverlusten, etwa bei tiefen Druckgeschwüren, starken Verbrennungen oder Hundebissen ist dies der Fall.

 

Zunächst sorgen immunkompetente Zellen dafür, dass eingedrungene Erreger abgewehrt und abgestorbene Gewebe und Zelltrümmer beseitigt werden. In der Granulationsphase sprosst ein frühes Granulationsgewebe aus Monozyten, Endothelzellen und Fibroblasten von den Rändern aus in das Wundareal ein. Als Leitstruktur dient dabei die provisorische Fibrinmatrix, die bei der Blutgerinnung entstanden ist (3). In den nächsten Tagen kommt es zur Neubildung von Blutgefäßen und Proliferation von Fibroblasten, die Kollagen bilden, das die Zellzwischenräume des neuen Gewebes auspolstert. Dagegen stehen Talg- und Schweißdrüsen sowie Haare nicht mehr auf dem Reparaturplan. Auch spezialisierte Hautzellen wie Pigmentzellen werden nun durch neues Bindegewebe ersetzt.

 

Ist die Wunde ausreichend ausgefüllt, überziehen Keratinozyten das noch unfertige Bindegewebe und die Wundheilung gilt als abgeschlossen. Umbauprozesse im Gewebe können sich jedoch noch bis zu einem Jahr nach der Epithelisierung hinziehen.


Problemlose Narben

 

Der Endzustand der Wundheilung und damit die Art einer Narbe werden wesentlich vom Ausmaß des Gewebeverlusts bestimmt. Wurden die Basalzellen der Epidermis nicht zerstört, ist das Ergebnis der Epithelisierung kaum von der umgebenden Haut zu unterscheiden. So heilen beispielsweise Schürfwunden in der Regel vollständig ab. Man spricht von regenerativer Wundheilung, wenn untergegangene Zellen durch gleichwertige Zellen ersetzt werden. Während Feten im Mutterleib dies bei sämtlichen Verletzungen können, ist die regenerative Wundheilung nach der Geburt auf oberflächliche Läsionen beschränkt.

 

Bei tieferen Wunden entstehen unauffällige schmale Narben nur noch dann, wenn der Heilungsprozess nicht länger als eine Woche dauert. Die primäre Wundheilung setzt glatte und eng aneinander liegende Wundflächen voraus.

 

Je langsamer, desto auffälliger

 

Große und tiefe Wunden, bei denen viel Hautsubstanz schnellstmöglich ausgeglichen werden muss, sind dagegen prädestiniert, pathologische Narben zu entwickeln. Wenn Granulationsgewebe aufgefüllt werden muss, sprechen die Spezialisten von einer sekundären Wundheilung, die viele Monate dauern kann. Wird der Heilungsverlauf zusätzlich verlangsamt oder ständig gestört, steigt das Risiko einer unschönen oder funktionell ungünstigen Narbe weiter an. Vor allem Infektionen haben daher großen Einfluss auf das Ergebnis der Wundheilung. Aber auch Durchblutungsstörungen, die Applikation von Medikamenten wie Zytostatika und Immunsuppressiva oder Erkrankungen wie Diabetes mellitus können pathologische Narben begünstigen.

 

Dabei ist es nicht gleichgültig, wo die Haut verletzt wird. So ist etwa über dem Brustkorb die Wahrscheinlichkeit für eine überschießende Narbenbildung per se erhöht (4). Herzoperationen bergen somit immer die Gefahr einer unschönen Hautzeichnung. Hinzu kommt, dass die Schnittführung nicht ideal an die Hautspannungslinien angepasst werden kann. Es entstehen zusätzliche Zug- und Scherkräfte, die das neu wachsende Gewebe beanspruchen und in unterschiedliche Richtungen sprossen lassen. Dieser Prozess endet meist in einer hervortretenden, geröteten und teilweise schmerzhaften Narbe (5).

 

Bei der Entstehung von Keloiden spielen außerdem genetische Faktoren eine Rolle. Hellhäutige und rothaarige Personen sind besonders betroffen. Zehnmal häufiger treten Keloide bei Menschen mit farbiger Haut auf. Da Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren besonders zu einer Keloidbildung neigen, vermutet man außerdem, dass Hormone das Geschehen beeinflussen.

 

Gesichter der Narben

 

Keloide und hypertrophe Narben gehören zu den am weitesten verbreiteten pathologischen Narbenarten (7). Echte Keloide fallen als hellrote wulstartige Stränge auf, die sich krebsscherenförmig über die eigentlichen Wundränder hinaus verbreiten. Nur äußerst selten bilden sich die gutartigen Wucherungen spontan zurück. Jucken, Brennen, Rötungen und Schmerzen können typische Begleiter eines Keloids sein.




Hypertrophe Narben nach einer Karpaltunnel-OP
Foto: Merz Pharmaceuticals

Weniger häufig sind diese Symptome bei hypertrophen Narben. Diese unterscheiden sich vor allem durch ihr Wachstumsverhalten von den Keloiden. So zeigen hypertrophe Narben zwar auch eine überschießende Bildung von Bindegewebe, sie dehnen sich jedoch nicht tumorähnlich über das ursprüngliche Wundgebiet aus. An ihrer scharfen Begrenzung kann man sie daher gut erkennen. Außerdem entstehen sie schon während und bald nach der Wundheilung. Dagegen beginnt das unbegrenzte Wachstum der Keloide oft erst nach Monaten.

 

Hypertrophe Narben haben eine gute Prognose, denn innerhalb eines individuell unterschiedlichen Zeitraums zwischen einem halben und drei Jahren kann es zu einer langsamen spontanen Rückbildung kommen. Dabei wandeln sich unter anderem die Fibroblasten im Narbengewebe zu Fibrozyten um, die als inaktive Form kein Kollagen mehr produzieren. An der Rückbildung des Bindegewebes sind dann Kollagenasen maßgeblich beteiligt. Im ungünstigsten Fall führt ein solcher Rückbau zu einer verbreiterten atrophen Narbe, die unter dem Niveau der umgebenden Haut liegt (5). So können etwa aus wulstigen Brand- oder Aknenarben eingesunkene Hautstellen werden.




Atrophe Narben im Gesicht
Foto: Merz Pharmaceuticals

Primär sind atrophe Narben das Ergebnis schlecht heilender Wunden, bei denen ortsständige und einwandernde Zellen nicht in der Lage waren, in ausreichender Menge Bindegewebsfasern zu bilden. Häufig treten solche Narben direkt nach einer Akneperiode auf.

 

Da so manches vernarbte Hautareal weniger Kollagen und Wasser enthält als normale Haut, kann es sich schon aus diesem Grund nach innen ziehen. Mit der Schrumpfung verhärtet sich das Gewebe und sklerotische Narben entstehen. Insbesondere großflächig verbrühte oder verbrannte Haut ist davon betroffen.

 

Therapieziele

 

Die Ziele einer Narbentherapie können sehr unterschiedlich sein. Es gilt, Juckreiz, Rötungen und Schmerzen zu lindern, Narben weicher und elastischer zu machen, sie aufzupolstern, abzuschleifen oder kleiner werden zu lassen. Aus bewegungstechnischen Gründen kann es sogar sinnvoll sein, eine Narbe zu verlängern.

 

Es gibt kein Standardverfahren in der Narbentherapie. Auch den einzelnen Behandlungszielen können keine Methoden der ersten Wahl zugeordnet werden, denn zu viele Faktoren beeinflussen die Entwicklung und Rückbildung von Narben. Daher sind Beschaffenheit und Stadium einer Narbe entscheidend für die Auswahl einer geeigneten Behandlungsmethode.

 

Lokaltherapie für junge Narben

 

Schon früh kann man etwas für das spätere Erscheinungsbild eines Hautdefekts tun und auch aktuelle Beschwerden einer jungen Narbe lassen sich oft mit einfachen Maßnahmen lindern. Wenn keine Komplikation vorliegt, sollte bereits zwei bis drei Wochen nach einer Operation damit begonnen werden, das frische Gewebe mehrmals täglich unter mäßigem Druck mindestens fünf Minuten zu massieren (4). Dabei kommt es darauf an, die Narbe nicht quer, sondern nur in ihrem Längsverlauf zu bearbeiten.

 

Unterstützend können milde Hautcremes, etwa Kindergesichtscremes, verwendet werden. Besonders geeignet sind Narbenkosmetika und topische Narbengele, um Symptome zu lindern und einer vermehrten Gewebebildung entgegenzuwirken.

 

Zur Prophylaxe und Behandlung hypertropher, keloidförmiger und bewegungseinschränkender Narben sowie bei Narbenschrumpfungen ist ein Gel mit den Bestandteilen Extractum Cepae, Allantoin und Heparin-Natrium zugelassen (Beispiel: Contractubex®). Es soll antiproliferativ, antiphlogistisch und glättend auf Narbengewebe wirken. Ein gelegentlicher Juckreiz wird als Zeichen des Gewebeumbaus gedeutet und stellt keinen Grund zum Therapieabbruch dar. Bis zu einem sichtbaren Ergebnis braucht man jedoch Geduld. Etwa ein halbes Jahr lang sollte das Gel mehrmals täglich leicht einmassiert werden. Auch ein Salbenverband über Nacht ist möglich.

 

Ein Narbengel aus der anthroposophischen Therapierichtung soll die strukturierenden Aufbaukräfte der Gewebebildung anregen (Beispiel: Wala Narben Gel®).

 

Zur Pflege von Narben sind zahlreiche Kosmetika erhältlich. Zubereitungen mit Allium cepa, Allantoin, Nachtkerzenöl, Panthenol und Chondroitin-Hyaluronsäurekomplex sollen das Bindegewebswachstum hemmen, Hautreizungen entgegenwirken, die Feuchtigkeit erhöhen und die Geschmeidigkeit verbessern (Beispiel: Mederma®). Nach Fallberichten sollen sich bei regelmäßiger Massage Spannung, Schmerz und Juckreiz zurückbilden und die Narbenoptik verbessern. Cremes mit Heparin, Campher und Harnstoff (Beispiel: Kelofibrase®) oder mit N-Acetyl-D-Glucosamin, Prolinoleat, Glucopeptiden und Asiatsäure (Beispiel: Terproline®) sollen den Feuchtigkeitshaushalt der Haut verbessern und Narben elastischer machen. Das Kosmetikum mit Asiatsäure wird außerdem in Kliniken bei Schwerstverbrannten eingesetzt (1). In einer Pilotstudie wurden verbrennungsbedingte hypertrophe Narben nach zehnmonatiger Anwendung unauffälliger (8).

 

Zu beachten ist, dass die topischen Zubereitungen nicht bei allen Patienten gleich gut helfen. Für jeden Patienten muss das richtige Mittel gefunden werden (4).

 

Folien bremsen Wucherungen

 

Nach chirurgischen Eingriffen, verletzungsbedingten Wunden oder Verbrennungen werden auch topisches Silikongel sowie Silikon- und Polyurethanfolien eingesetzt, um einer überschießenden Narbenbildung vorzubeugen. Die Prophylaxe kann beginnen, sobald sich die Haut über dem Wundareal geschlossen hat und als intakte Oberfläche präsentiert.

 

Alle Silikon- oder Polyurethanprodukte bilden über der Narbe einen luftdurchlässigen, aber wasserundurchlässigen Schutzfilm. Hierdurch wird vor allem die Hydratation der neuen Haut positiv beeinflusst. Während gesunde Haut etwa 8,5 g/m2 Wasserdampf pro Stunde abgibt, erreichen hypertrophe Narben auf Grund ihrer Bindegewebsstruktur nur Werte um 4,5 g/m2 (1). Durch die Okklusion steigen Hautfeuchtigkeit und -temperatur deutlich an, das Narbengewebe wird weicher und elastischer. Außerdem werden physiologische Umbauprozesse im Gewebe gefördert. So soll Silikon das Risiko für Keloide oder hypertrophe Narben halbieren sowie Juckreiz und Schmerzen lindern.

 

Topisches Silikongel etwa aus Polysiloxan und Siliciumdioxid (Beispiel: Dermatix®) lässt sich mit Ausnahme von Schleimhäuten und Augenpartien an allen Körperstellen einsetzen. Auch stark beanspruchte Körperstellen wie Gelenke, Schultern und Rücken können auf Grund der Elastizität und Dehnbarkeit des Produkts behandelt werden. Das Gel wird zweimal täglich dünn auf die gereinigte Narbe aufgetragen. Nach wenigen Minuten verfestigt es sich, so dass keine weitere Fixierung notwendig ist. Mindestens zwei Monate sollte die Behandlung dauern. Bei besonders ausgeprägten Narben kann jedoch eine sehr viel längere Anwendung notwendig sein.

 

Auch Silikonfolien werden bei jungen, zur Wucherung neigenden Narben eingesetzt. Verbände aus Polyurethanfolie, Vliesstoff und Silikonbeschichtung sind selbstklebend und hautfarben in verschiedenen Größen erhältlich (Beispiel Mepiform®). Bis zu sieben Tage kann eine Folie verwendet werden, denn zum täglichen Waschen lässt sie sich abnehmen und wieder anbringen. Optimalerweise werden Silikonverbände 24 Stunden am Tag getragen. Nach zwei bis sechs Monaten ist in der Regel eine Verbesserung des Hautbildes zu erwarten.






Erfolg einer Silikonbehandlung: ein auf dem Brustbein liegendes Keloid vor, während und nach der Therapie mit einer Silikonfolie (von links)
Fotos: Abteilung für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, Fachklinik Hornheide, Universität Münster


Wenig auffällig sind auch transparente Pads aus hypoallergenem elastischen Polyurethan, die Umbauprozesse im Narbengewebe durch ein optimales Temperaturniveau positiv beeinflussen sollen (Beispiel: Hansaplast Narben Reduktion). Bereits nach acht Wochen regelmäßiger Anwendung (mindestens zwölf Stunden am Tag) sollen erhabene, wulstige und gerötete Narben deutlich flacher, weicher und heller werden.

 

Allergische Hautreaktionen sind bei den Silikon- und Polyurethanprodukten so gut wie unbekannt. Reizungen treten vor allem dann auf, wenn das betroffene Hautareal nicht regelmäßig sauber gehalten wird. Topische Narbengele und -kosmetika sowie Silikonprodukte (Beispiel Novagel®) werden auch zur Pflege älterer Narben angewandt.

 

Hilfe bei atrophen Narben

 

Akne- oder Unfallnarben können unter Vollnarkose chirurgisch der umgebenden Haut angeglichen werden. Besonders die so genannten »Ice-pick-scars« lassen sich durch Dermabrasion verschönern. Dabei handelt es sich um eine Art operatives Peeling, bei dem scharf abfallende Narbenränder meist mit hochtourigen Schleifgeräten, weniger häufig manuell so abgeschliffen werden, dass das Licht keine harten Schatten mehr wirft. Als unerwünschte Wirkung sind Pigmentstörungen möglich. Die Patienten sollten außerdem wissen, dass die Haut mehrere Monate lang gerötet sein kann. Die lange Abheilungsphase ist auch der Grund, weshalb eine Dermabrasion bei Kindern meist nicht angewandt wird.

 

Eine ähnliche Wirkung hat ein mitteltiefes chemisches Peeling. Dazu wird vor allem 30-prozentige Trichloressigsäure verwendet. Auch Vitamin-A-Säure-Derivate, Glykolsäure und die Kombination von 5-Fluorouracil und Glykolsäure eignen sich zum Abschälen der Haut.

 

Außerdem werden gepulste CO2-Laser oder Erbium:YAG-Laser zum Abtragen äußerer Hautschichten eingesetzt. Da sich mit einem Laser die Verschorfungstiefe gut steuern lässt, bevorzugen manche Ärzte dieses Verfahren. Andere fürchten die Schmerzhaftigkeit, die häufig zum Abbruch der notwendigen längerfristigen Anwendung führt. Besonders effektiv soll die Entfernung von Aknenarben durch spezielle chirurgische Methoden, zum Beispiel Punchbiopsien, sein. Es können jedoch unschöne Ringnarben zurückbleiben.

 

Bei schüsselförmig eingesunkenen Narben hat sich die Unterspritzung mit Biomaterialien bewährt. In der Regel werden die Füllsubstanzen wie Kollagen, Hyaluronsäure oder Eigenfett gut vertragen. Da sie vom Körper abgebaut werden, muss die Behandlung immer wieder wiederholt werden.

 

Kampf dem Wachstum

 

Derzeit gibt es noch keine Methode, mit der man jedes Keloid und jede hypertrophe Narbe zufriedenstellend behandeln kann (6). Etablierte Verfahren sind die Anwendung von Corticosteroiden, Kryochirurgie, Drucktherapie, Radiatio und chirurgische Methoden. Dabei ist zu beachten, dass Keloide auf Grund ihrer Wachstumstendenz insgesamt eine schlechte Prognose haben und oft nur durch mehrere Methoden erfolgreich behandelt werden können (Tabelle).


Etablierte, ungenügend belegte und gelegentlich angewandte Therapieverfahren bei pathologischen Narben; aus (6)

Status Therapieverfahren 
etabliert Corticosteroide, Radiatio, Kryochirurgie, Druck, chirurgische Verfahren 
ungenügend verifiziert oder fragliche Wirkung topisches Silikongel und -folien, Laser, Interferon-γ und -α, Externa 
aus Einzelfallberichten Calciumantagonisten, Pentoxifyllin, Colchicin, Vitamin E, Zink, intraläsionales Bleomycin und 5-Fluorouracil 

Um wucherndes Gewebe abzubauen, gehört die intraläsionale Glucocorticoid-Applikation zu den wichtigsten Therapieoptionen der Dermatologen. Dazu wird vor allem zehnprozentige Triamcinolon-Kristallsuspension in die Narbe injiziert. Gegenüber dem früher angewandten Triamcinolonacetonid haben die Mikrokristalle den Vorteil, dass unerwünschte Wirkungen wie Hautnekrosen oder Erblindungen (bei versehentlicher intraarterieller Injektion in ein Kopfgefäß) nicht mehr auftreten (9). Außerdem verzichten viele Ärzte darauf, die Suspension mit Lidocain zu verdünnen, da Lokalanästhetika die Kinetik des Steroids deutlich vermindern.

 

Steroide können die Bildung von Granulationsgewebe vollständig unterdrücken. Sie hemmen die Transkription der mRNA, die für die Kollagenproduktion in den Fibroblasten verantwortlich ist. Auch die Synthese weiterer Matrixkomponenten, etwa der Hyaluronsäure, wird eingeschränkt. Außerdem hemmen Corticosteroide die Synthese von Alpha2-Makroglobulin, einem Inhibitor der Kollagenase. So wird der Abbau von Kollagen gesteigert und die Matrix nimmt ab.

 

Am meisten profitieren Patienten mit aktiven, hellroten hypertrophen Narben von der Therapie. Etwas geringer sprechen Menschen mit Keloiden und Brandnarben an, während Aknepatienten kaum auf die Infiltration reagieren. Dabei wird so viel von der Steroid-Injektionslösung in die Narbe eingebracht, bis sich eine weiße Hautfärbung einstellt. Dies wird anfangs nach zwei Wochen, danach alle drei Wochen wiederholt, bis die Narbe flacher wird. Dann ist Vorsicht geboten. Jede weitere Injektion birgt die Gefahr, dass die behandelten Bereiche später zu stark ausdünnen. Die meisten Kinderherzchirurgen lehnen daher eine Narbentherapie mit Corticoiden ab (4).

 

Auch die Kryochirurgie kann das Erscheinungsbild bei hypertrophen Narben und Keloiden verbessern. Die Behandlung erfordert viel Geduld, denn die Narbe wird in vierwöchigem Abstand immer wieder mit flüssigem Stickstoff eingefroren (Kryokontakt- oder Spraykryotherapie), bis die Hautoberfläche plan ist. Eine Oberflächenanalgesie, etwa mit Lidocain-/Prilocain-Salbe, sowie die anschließende desinfizierende Wundbehandlung sind wichtig. Die Patienten müssen sich auf eine Abheilungszeit von bis zu vier Wochen einstellen. Bei Keloiden wird eine Kombination mit Corticosteroiden empfohlen (11).

 

Eine Drucktherapie mittels Druckverband oder Kompressionswäsche ist besonders bei großflächigen Arealen von Vorteil. Daher wird sie vor allem bei Verbrennungsnarben angewandt. Sie sollte mindestens vier bis zwölf Monate dauern, wobei man die Therapie täglich nur für etwa eine halbe Stunde unterbrechen darf. Bei etwa 85 Prozent der Patienten flachen die wuchernde Narben ab (1). Außerdem werden Juckreiz und Schmerz gelindert. Nach einem chirurgischen Eingriff am Herzen sind die Verbände jedoch kontraindiziert, da sie den Brustkorb zu sehr einengen.

 

Versagen alle anderen Behandlungsmethoden, kann eine Strahlentherapie versucht werden. Da die Empfindlichkeit der Keloide gegenüber den Röntgenstrahlen mit zunehmendem Narbenalter stark abnimmt, ist die Bestrahlung bei mehr als sechs Monate alte Narben nicht mehr sinnvoll. Wesentlich besser sind die Erfolgsaussichten in der Rezidivprophylaxe nach einer Exzision.

 

Auf Grund der hohen Rezidivrate von bis zu 60 Prozent sollte die chirurgische Entfernung (Exzision) eines Keloids nur erfolgen, wenn konservative Therapieversuche keinen Erfolg gebracht haben. Mittel der ersten Wahl ist die operative Behandlung jedoch, wenn kräftige Narbenzüge über einem Gelenk liegen oder eine ausgereifte Narbe zum Schrumpfen neigt. Eine besondere Schnitttechnik ermöglicht beispielsweise die Gewinnung eines Z-förmigen Hautlappens über der Narbe. Dieser wird so umgelagert, dass die sklerotische Narbe verlängert und die Beweglichkeit des betroffenen Körperareals verbessert wird.

 

Zu den Therapieformen mit fraglicher Wirkung gehört die Anwendung von Interferonen. Sowohl Interferon-α als auch -γ können in vitro die Kollagen-Synthese reduzieren. Doch ihre Effektivität in vivo wird nicht einheitlich bewertet (6, 9).

 

Unter der Rubrik anekdotische Berichte führt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft in der Leitlinie zur Behandlung hypertropher Narben und Keloide (6) verschiedene Substanzen auf, die im Einzelfall günstig wirken sollen (Tabelle). Diese gelten bei vielen Ärzten als letzte Möglichkeit, wenn kein anderes Verfahren zum gewünschten Erfolg geführt hat. Neuerdings wird diskutiert, ob der Immunresponsemodifier Imiquimod möglicherweise die Rezidivrate von Keloiden erheblich senken kann (9). Mit der Therapie sollte unmittelbar nach der chirurgischen Entfernung der Narbe begonnen werden. Doch hier sind noch weitere Studien notwendig. Um Keloide geschmeidiger zu machen und ihr Wachstum zu bremsen, wird auch topische Retinsäurelösung (0,025 bis 0,05 Prozent) als Option angesehen. Die Anwendungsdauer beträgt mindestens 22 Monate. Außerdem wird von Erfolgen mit Methotrexat berichtet.

 

Mit Narben leben

 

Bei der täglichen Pflege verlangen pathologische Narben etwas mehr Aufmerksamkeit als normale Haut. Nur eine dünne Epithelschicht schirmt das faserreiche, aber zell- und gefäßarme Bindegewebe der Narbe von der Außenwelt ab. So können chemische Substanzen viel leichter eindringen und das Gewebe reizen. Daher sollten möglichst unparfümierte Pflegeprodukte und Kosmetika verwendet werden.

 

Da der neuen Haut in der Regel Pigmentzellen zur Melaninproduktion fehlen, muss sie außerdem vor Sonneneinstrahlung geschützt werden. Sonnenschutzmittel oder Sunblocker gehören daher zum Pflegeprogramm. Auch vor extremer Kälte sollten insbesondere junge Narben bewahrt werden, denn nur ein optimales Temperaturniveau wirkt sich positiv auf die Umbildungsprozesse in einer Narbe aus.

 

Um Narben zu kaschieren, gibt es eine spezielle Schminktechnik. Für die Camouflage sind Produkte wie Abdeckcremes und Abdeckstifte erhältlich. Die Farben lassen sich optimal mischen, sind stark abdeckend, wasserabweisend und hitzebeständig.

 

Wenn eine Narbe jedoch nicht nur überschminkt, sondern Aussehen und Funktion physiologisch verbessert werden sollen, brauchen Therapeuten und Patienten viel Geduld. Meist dauert die Behandlung viele Monate und oft sind kombinierte Verfahren erfolgreicher als nur eine einzige Methode.


Literatur

  1. Carls, J., Narbentherapie. Medizinische Hochschule Hannover, www.akademie-fuer-handrehabilitation.de/downloads.pdf (2005).
  2. Konrad, H., Wollina, U., Narbenmanagement ­ zwischen Wunsch und Wirklichkeit. hautnah dermatologie, Nr. 4 (2004) 188-191.
  3. Smola, H., et al., Wundheilung und Wundheilungsstörungen. Dt. Ärzteblatt Nr. 43 (2001) A2802-A2407.
  4. Stützle, H., Die Operationsnarbe. Herzblatt Nr. 4 (2004) 1-5.
  5. Rabbels, J., Klinische und experimentelle Untersuchungen zur Abheilung von Spalthautentnahmestellen. Diss. Eberhard-Karls-Universität Tübingen 2004.
  6. Koller, J., Sebastian, G., Therapie pathologischer Narben. AWMF-Leitlinie Nr. 013/030, Leitlinien der DDG. AWMF-online (2001).
  7. Heyn, G., Narbenbehandlung mit Silikon. Pharm. Ztg. 148, Nr. 40 (2003) 40-41.
  8. De Santis, P., Pilotstudie zur Wirkung von Synchroline Terproline auf verbrennungsbedingte hypertrophe Narben. 71 Congresso Nazionale S.I.D.E.V., 1996.
  9. Worret, W., Vogt, H., Narbentherapie in der Dermatologie. Dtsch. Ärztebl. Nr. 42 (2004) A2819-2824.
  10. Joppich, I., Narben ­ Keloide. AWMF-Leitlinie Nr. 006/115, Leitlinien der Dt. Ges. f. Kinderchirurgie. AWMF-online (2002).
  11. Gollnick, H., Akne und ihre Subtypen, AWMF-Leitlinie Nr. 013/017, Leitlinien der DDG. AWMF-online (1998).

Die Autorin

Gudrun Heyn war im Anschluss an ihr Geologiestudium als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Freien Universität Berlin tätig und untersuchte toxische Einflüsse aus Grundwässern. Nach der Promotion arbeitete sie in verschiedenen Forschungseinrichtungen, darunter am Kernforschungszentrum Karlsruhe und beim Niedersächsischen Landesamt für Bodenforschung. Sie hatte Lehraufträge an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Freien Universität Berlin. In Fachpublikationen veröffentlichte sie Ergebnisse eigener Forschungen. Seit ihrer Ausbildung als Journalistin ist Dr. Heyn als freie Wissenschaftsjournalistin in Berlin tätig und schreibt für Fachzeitschriften über aktuelle Themen aus Medizin und Pharmazie.

 

 

Anschrift der Verfasserin:

Dr. Gudrun Heyn

Ferbitzer Weg 33 B

13591 Berlin

gheyn(at)gmx.de


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Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2006

 

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