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Medikamentenmissbrauch: In Europa «Tür und Tor geöffnet»

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Medikamentenmissbrauch: In Europa «Tür und Tor geöffnet»
 


Sportler können sich im Internet ohne Arztbesuch rezeptpflichtige Medikamente auch auf dem EU-Binnenmarkt problemlos bestellen. In ihrem Bericht über diese kriminellen Praktiken stützt sich die ARD-Dopingredaktion auf Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Hochschule Kaiserslautern um den Pharmakologie-Professor Niels Eckstein. «Für Fachleute war das Ergebnis niederschmetternd: Medikamentenmissbrauch und Doping ist Tür und Tor geöffnet in Europa», heißt es in einem am gestrigen Mittwoch auf sportschau.de veröffentlichten Bericht «Dopingmittel frei Haus».

 

«Wer illegal in Deutschland an rezeptpflichtige Medikamente gelangen will, wird recht schnell online fündig, ohne vorher die verpflichtenden Arztkonsultationen vorgenommen zu haben und ein Rezept vorlegen zu können», wird in der Studie der Forschungsgruppe aus Pirmasens betont. «Er muss sich nicht einmal an dubiose Händler in Fernost wenden.» Nach einer «Pseudo-Befragung durch einen angeblichen Arzt, kann jeder ordern und erhalten, was er begehrt». Der Bestellvorgang laufe über verschiedene europäische Länder. «Es gibt eine ganze Menge Portale, URL, Homepages, wo sie solche Bestellungen tätigen können», erklärte Projektleiter Eckstein. Über eine Art Chatfenster werde man mit einem Arzt verbunden. Man könne allerdings «nicht nachvollziehen, ob das ein Arzt ist», sagte Eckstein der ARD-Dopingredaktion.

 

Bei der Laboruntersuchung der zugeschickten Substanzen haben die Forscher «sehr erstaunt festgestellt: Das sind Originalpräparate, qualitätsgesichert hergestellte Präparate.» Angaben des deutsche Zolls zufolge haben die Fahnder 2009 wegen illegalen Medikamentenimports 102 Strafverfahren eingeleitet. Sieben Jahre später waren es schon über ein dutzend Mal so viele. Die Ermittler stehen vor dem Problem, dass die Warenströme auf dem Postweg kaum zuverlässig kontrollierbar sind. «99,9 Prozent aller Dopingmittel werden im Hobbysport konsumiert», sagte der Mainzer Sportmediziner und Dopingexperte Perikles Simon.

 

13.09.2018 l dpa

Foto: Fotolia/BlueSkyImages

 

 

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