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House of Pharma: Medizin schlägt Ökonomie

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House of Pharma: Medizin schlägt Ökonomie
 


Maßgeschneiderte Arzneimittel zu bezahlbaren Preisen – das ist ein Traum für Gesundheitsökonomen. Vermutlich wird dies auch noch eine Weile ein Traum bleiben. Die medizinischen Erfolge der vergangenen Jahre waren teuer, konstatierten die Teilnehmer der Jahrestagung des House of Pharma am Dienstag an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.


In einer von Zeit-Redakteurin Claudia Wüstenhagen moderierten Diskussionsrunde durfte das Lob auf den medizinischen Fortschritt natürlich nicht fehlen. Die personalisierte Medizin biete heute Therapiemöglichkeiten, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen seien, sagte Dr. Stefan Simianer, stellvertretender Entwicklungschef von Abbvie Deutschland. Ähnlich sieht es  Dr. Dorothee Brakmann aus der Geschäftsleitung von Janssen Deutschland.

Das zentrale Problem ist, dass der medizinische Fortschritt fast immer von den Kosten überholt wird. Die Hersteller gehen für die Entwicklung immer stärker ins Risiko. An sechsstellige Preise personalisierter Medikamente  haben sich die meisten Gesundheitsökonomen bereits gewöhnt. Siebenstellige Jahrestherapiekosten sind jedoch auch bereits nicht mehr Utopie, sagte der Gesundheitsökonom Professor Dr. Michael Schlander vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Neue Medikamente seien zwar immer wirksamer als ihre Vorgänger, manche versprächen auch ewige Heilung versprächen. Die Therapiekosten seien jedoch wegen der langen Therapiedauer oft kaum abzuschätzen.

Die höchsten Kosten verursachen laut Schlander die Krebsmedikamente. Sie machen rund 20 Prozent der Arzneimittelkosten aus. Von einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen könne man in Deutschland jedoch nicht reden. Es gebe zwar Länder, die mit ihren Ressourcen effizienter umgingen. Insgesamt seien Kosten und Nutzen jedoch in einer vernünftigen Balance.

Eine Option für mehr Kosteneffizienz sieht Brakmann in anderen Abrechnungsmodellen. Eine Möglichkeit sei dabei das Konzept Pay for Performance. Wenn die eingesetzten Arzneimittel nicht oder nur bedingt wirken, muss der Hersteller einen Rabatt geben. Für dieses Modell machte sich wenig überraschend der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der IKK-Classic, Kai Swoboda, stark. Allerdings ist es nicht ausreichend, bei einer hochpreisigen Therapie nur die Arzneimittelkosten zu berücksichtigen. Bei vielen Erkrankungen treiben zusätzliche Behandlungen die Kosten in die Höhe. Finanziell nicht einfach zu bewerten sind auch Faktoren wie die Lebensqualität oder Lebensverlängerung.

Das Ergebnis der Diskussionsrunde war durchwachsen: Unbestritten blieb, dass der medizinische Fortschritt in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt hat. Das gilt vor allem für die personalisierte Medizin und hier insbesondere für Onkologika. Zudem lassen sich Krankheiten immer früher behandeln oder heilen. Die Vertreter der pharmazeutischen Industrie hoben auf diese Erfolge ab. Sie sehen auch Möglichkeiten, die Kosten für neue Medikamente reduzieren zu können. Der IKK-Vize Swoboda hat Zweifel daran. In den kommenden zehn Jahren werde sich die ökonomische Situation im Gesundheitswesen nicht maßgeblich verändern, sagte er. Positiver sahen die Industrievertreter Brakmann und Simianer die Zukunft. Sie rechnen mit einer Verbesserung. (dr)

 

12.09.2018 l PZ

Foto: Fotolia/JJ'Studio

 

 

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