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Kamikaze-Bahnen

EDITORIAL

 

Kamikaze-Bahnen


Wer in den vergangenen Wochen über die Hitze gestöhnt und dabei vielleicht realisiert hat, dass der Klimawandel realer zu sein scheint, als es manch einer nach wie vor wahrhaben will, der sollte den Beitrag ab Seite 30 in dieser Ausgabe lesen.

 

In jenem Artikel geht es um Strategien, die zwar nicht die Klima­entwicklung beeinflussen werden, die aber dringend nötig sind, um einer anderen sich anbahnenden Katastrophe die Stirn bieten zu können: Antibiotika-resistente Bakterien. Sie bereiten in letzter Zeit und in immer kürzeren Abständen immer mehr Schwierigkeiten. Denn einige Vertreter dieser unscheinbaren Organismen haben »gelernt«, mehr und mehr Antibiotika biologisch ganz schön alt aussehen zu lassen.

 

Beim Wetter wie bei den antibiotikaresistenten Bakterien geht es in der Endstrecke um Leben und Tod. In beiden Fällen ist der entscheidende Faktor, der bisher geradezu harmlose Systeme auf eine gefährliche Kamikaze-Bahn gesetzt hat, der Mensch. Denn die verheerende Wetterentwicklung und die wirklich bedrohliche Resistenzsituation bei den Bakterien haben einen anthropogenen Ursprung.

 

Wie man die Wetterkatastrophe hätte verhindern können, ist für nahezu jedermann zugänglich. Um zu verstehen, was man der Bedrohung durch Antibiotika-resistente Keime entgegensetzen könnte, ist biolo­gisches Grundwissen erforderlich. Denn die Strategien, über die in dieser Ausgabe berichtet wird, sind clever und resultieren aus einem tiefen biologischen Verständnis der Mechanismen, die bei der Interaktion zwischen Bakterium und dem infizierten Wirt dominieren.

 

Nicht mehr das Töten der Bakterien steht im Mittelpunkt der neuen Strategien, sondern die »Entwaffnung« der Bakterien, die einen geschwächten Patienten an den Rand des Überlebens bringen können. Antivirulenz-Strategien und gegebenenfalls Toxin-Neutralisation sollten auch bei Antibiotika-resistenten Bakterien greifen, um letztlich dem Immunsystem des Patienten die realistische Chance zu geben, die Ordnung wiederherzustellen. Einfach ist das allerdings alles nicht und es gilt dabei noch viele Fragen zu beantworten.

 



Beitrag erschienen in Ausgabe 32/2018

 

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