Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Deutscher Ärztetag: Weg frei für die Online-Sprechstunde

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Deutscher Ärztetag

Weg frei für die Online-Sprechstunde


Von Anna Pannen / Ärzte wollen Patienten künftig auch ausschließlich aus der Ferne behandeln dürfen. So lautet ein Beschluss des Deutschen Ärztetags aus der vergangenen Woche. Auch fordern die Mediziner mehr Tempo bei E-Rezept und Co. Impfungen in Apotheken lehnen sie dagegen weiter strikt ab.

ANZEIGE


Wer nur eine Erkältung hat, muss in Zukunft unter Umständen nicht mehr in die Arztpraxis fahren, um behandelt zu werden. Der Deutsche Ärztetag hat vergangene Woche den Weg frei gemacht für sogenannte ausschließliche Fernbehandlungen. Zwar durften Mediziner Patienten auch bislang schon per Telefon oder Videochat beraten, allerdings nur, wenn sie diese zuvor wenigstens einmal persönlich in der Praxis gesehen hatten. Dieser notwendige Erstkontakt soll nun wegfallen.




Ärzte sollen künftig online beraten dürfen, ohne dass der Patient zuvor persönlich in der Praxis gewesen sein muss.

Foto: Shutterstock/ Agenturfotografin


Keine Callcenter

 

Patienten in ländlichen Regionen sollen durch Fernkonsultationen lange Anfahrtswege erspart werden, auch überfüllten Wartezimmern soll die Neuregelung entgegenwirken. Sie soll allerdings auch weiterhin eine Ausnahme bleiben. »Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt bleibt der Goldstandard ärztlichen Handelns«, sagte Josef Mischo, Mitglied des Vorstands der Bundesärztekammer. Auch soll, so betonten es die Delegierten, die Telemedizin bei den Ärzten selbst angesiedelt bleiben und nicht etwa in kommerziell betriebene Callcenter ausgelagert werden.

 

Fernbehandlungen sind eng verknüpft mit weiteren digitalen Anwendungen wie elektronischen Rezepten und der geplanten elektronischen Patientenakte. Die Delegierten des Ärztetags forderten, vor allem letztere müsse endlich auf den Weg gebracht und ein Rechtsanspruch der Patienten darauf etabliert werden. Es mache keinen Sinn, dass verschiedene Krankenkassen parallel Systeme entwickelten, bemängelten sie.

 

Ineffizient sei auch die derzeitige Praxis, Digitallösungen in vielen verschiedenen Testregionen zu erproben, so die Ärztevertreter weiter. Sie forderten auch, Heilberuflern wie Ärzten und Apothekern mehr Einfluss in der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) zu geben. Bislang halten die Vertreter der Krankenkassen die Hälfte aller Sitze.

 

Klar ablehnend stehen die Ärzte nach wie vor zum Impfrecht für Apotheker – das zementierten sie in einem Beschluss. Der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) hatte Ende April gefordert, Pharmazeuten sollten in der Offizin impfen dürfen. Für die Mediziner ist das undenkbar: Selbst Medizinische Fachangestellte dürften nur impfen, wenn sich ein Arzt in der Praxis befindet, heißt es im Beschluss. Schließlich könnten allergische Reaktionen oder Kreislaufstörungen infolge der Impfung nicht ausgeschlossen werden. Um sie zu beherrschen, genüge kein Tagesseminar als Weiterbildung. Nur Ärzte könnten außerdem einschätzen, ob und wie Patienten mit Autoimmun­erkrankungen oder Schwangere geimpft werden dürfen.

 

Mehr Studienplätze

 

Die Delegierten des Ärztetags sprachen sich auch für Personaluntergrenzen im Gesundheitswesen und mehr und besser finanzierte Studienplätze für Medizin aus. Außerdem forderten sie, sogenannte Arztsitze bevorzugt an selbstständige niedergelassene Ärzte zu vergeben. Wie viele Vertragsärzte in einer bestimmten Region sitzen, wird über die Bedarfsplanung geregelt. Immer häufiger kauften privatwirtschaftlich finanzierte Konzerne Arztsitze auf und gründeten medizinische Versorgungszentren, so die Delegierten. Dadurch konzentrierten sich medizinische Leistungen, Patienten hätten weniger Wahlmöglichkeiten. Das Gesundheitswesen dürfe jedoch »nicht zum profitzentrierten Gesundheitsmarkt werden«.

 

In Sachen Nutzenbewertung von Arzneimitteln sind die Ärzte ganz auf der Seite der Apotheker. Eine europaweit einheitliche Bewertung lehnen sie ab, da es zu einem »unkalkulierbaren Mittelmaß« führen würde. Außerdem schlagen die Ärzte vor, die in Deutschland gebräuchlichen Arzneimitteldatenbanken, die zum Beispiel zur Erstellung von Medikationsplänen benötigt werden, zu vereinheitlichen.

 

Das geplante Arztinformationssystem (AIS), mit dem sich Ärzte über die Ergebnisse von Nutzenbewertungen informieren sollen, begrüßten die Delegierten zwar. Es müsse aber sichergestellt werden, dass die dortigen Informationen unabhängig und verständlich seien. Das AIS solle nur der Information dienen und dürfe nicht von den Kassen zur Verordnungssteuerung missbraucht werden, erklärten sie. Informationen dürften auch nicht so dargestellt werden, dass sie »zu einer Medikationsumstellung animieren« obwohl diese medizinisch nicht notwendig ist. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 20/2018

 

Das könnte Sie auch interessieren

 




PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 




ARCHIV DER HEFT-PDF

 
PDF der Druckausgabe zum Download
 







DIREKT ZU