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Krebs-Immuntherapie: Bei Frauen weniger effektiv

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Krebs-Immuntherapie: Bei Frauen weniger effektiv
 


Weibliche Krebspatienten profitieren weniger von einer Behandlung mit Immuntherapeutika als männliche. Einer aktuellen Studie im Fachjournal «The Lancet Oncology» zufolge ist der relative Überlebensvorteil bei Männern über alle Krebsarten doppelt so hoch wie bei Frauen. Verglichen mit konventionellen Krebstherapien hatten aber auch weibliche Patienten unter einer Immuntherapie eine höhere durchschnittliche Überlebenswahrscheinlichkeit. Es wäre daher falsch, ihnen aufgrund dieser Ergebnisse die Immuntherapie vorzuenthalten, warnen die Autoren um Dr. Fabio Conforti vom European Institute of Oncology in Mailand.

Antikörper, die Immun-Checkpoints blockieren, sind einer der wichtigsten Fortschritte der Krebstherapie in den vergangenen Jahren. Angriffspunkte sind vor allem das Cytotoxic T-Lymphocyte Protein 4 (CTLA-4) und der Programmed Death Receptor-1 (PD-1). Manche Patienten, etwa mit malignem Melanom oder nicht kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC), überleben unter Checkpoint-Inhibitoren sehr viel länger als unter herkömmlichen Therapien. Doch nicht alle Patienten profitieren gleichermaßen von den Arzneistoffen. Ein wichtiges Forschungsanliegen ist es deshalb, Patientencharakteristika zu identifizieren, die ein gutes beziehungsweise schlechtes Ansprechen auf Immuntherapeutika vorhersagen.

Das Geschlecht komme als Merkmal hierfür aus mehreren Gründen infrage, schreibt das Autorenteam. Zum einen bestünden immunologische Unterschiede zwischen Mann und Frau, was bei Wirkstoffen, die die Immunantwort auf eine Krebserkrankung modulieren, prinzipiell relevant sei. So fielen sowohl die angeborene als auch die erworbene Immunantwort bei Frauen heftiger aus als bei Männern, weshalb sich Tumoren bei Frauen stärker wandeln müssen, um dem Angriff des Immunsystems zu entgehen. Das könne die Empfindlichkeit gegenüber Checkpoint-Inhibitoren herabsetzen. Zudem sei ein hoher Mutationsgrad des Tumors, der meist mit einem besseren Therapieansprechen einhergeht, häufiger bei Männern zu finden als bei Frauen. Das könne unter anderem an geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen liegen, etwa dass Männer häufiger rauchen und Frauen besser auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten – beides Faktoren, die den Mutationsstatus beeinflussen.

Die Wissenschaftler nahmen sich daher die publizierten Daten zu den CTLA-4-Antagonisten Ipilimumab und Tremelimumab (in Deutschland nicht zugelassen) sowie zu den PD-1-Rezeptor-Antagonisten Nivolumab und Pembrolizumab vor und werteten sie im Rahmen einer Metaanalyse hinsichtlich Unterschieden zwischen Männern und Frauen aus. Es konnten 20 Studien mit Krebspatienten in fortgeschrittenen oder metastasierten Krankheitsstadien berücksichtigt werden. Die häufigsten Entitäten waren malignes Melanom (32 Prozent) und NSCLC (31 Prozent). Frauen waren in den Studien stark unterrepräsentiert: Lediglich ein Drittel (33 Prozent) der insgesamt 11.351 Teilnehmer war weiblich.

Alles in allem hatten Männer unter Checkpoint-Inhibition eine 28 Prozent höhere relative Überlebenswahrscheinlichkeit als unter anderen Therapien (Hazard Ratio für Tod 0,72). Bei Frauen betrug dieser Wert 14 Prozent (HR 0,86). Der Unterschied war statistisch signifikant. Auffällig war, dass bei Männern das Ausmaß des Überlebensvorteils stark von der Krebsart abhing, bei Frauen dagegen nicht. Möglicherweise wirkt sich das Geschlecht auf die Wirksamkeit der Anti-CTLA-4- oder -PD-1-Therapie so stark aus, dass andere Faktoren wie Tumorhistologie, Wirkstoff oder Behandlungsregime bei Frauen nur noch wenig ins Gewicht fallen, mutmaßen die Autoren.

«Die individuelle Prognose eines Patienten hängt von vielen Faktoren ab», betont Conforti. Immuntherapeutika stellten für einige Krebsarten weiterhin Standardmedikamente dar; mit ihnen seien oft sehr viel bessere Überlebensraten zu erreichen als mit anderen Wirkstoffen. «Die Behandlungsempfehlungen für Frauen sollten aufgrund unserer Ergebnisse nicht geändert werden. Wir müssen aber die zugrunde liegenden Mechanismen besser verstehen, um sicherzustellen, dass diese Medikamente bei beiden Geschlechtern optimal eingesetzt werden», so Conforti. Dazu müssten dringend mehr Frauen in entsprechende klinische Studien eingeschlossen werden. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass Ergebnisse aus Studien mit mehrheitlich männlichen Teilnehmern irrtümlich auf Frauen übertragen werden. (am)

DOI: 10.1016/S1470-2045(18)30261-4

 

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17.05.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Elnu

 

 

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