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Rauchzeichen

EDITORIAL

 
Rauchzeichen

Es gibt wohl kein anderes Produkt, das in den vergangenen Jahrzehnten einen so dramatischen Imageverlust hinnehmen musste, wie die Zigarette. Galt die lässig im Mundwinkel glimmende Kippe noch bis zur Jahrtausendwende als notwendiges Accessoire für coole Typen, wird sie heute vor ­allem mit Krebsgefahr, schlechter Haut und Kurzatmigkeit in Verbindung gebracht. Zumindest von gut ausgebildeten und wohlhabenden Menschen, muss man einschränkend hinzufügen. Denn eine aktuelle Studie hat gezeigt: In Deutschland qualmen vor allem die sozial Schwachen. Bei ihnen ist der Raucheranteil mehr als doppelt so hoch wie in der Oberschicht ­(lesen Sie dazu Tabakstudie: Vor allem sozial Schwache rauchen).

 

Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen für die Raucher sind ­bekanntlich enorm. Rauchen tötet. Das ist mittlerweile so eindeutig bewiesen, dass man sogar die Tabakkonzerne dazu zwingt, diesen Satz in Kombination mit schauderhaften Fotos von Raucherlungen oder Ähn­lichem auf die Packungen ihrer eigenen Produkte zu drucken. Es gilt der Ausspruch der ehemaligen Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Gro Harlem Brundtland: »Eine Zigarette ist das einzige Konsumprodukt, das bei bestimmungsgemäßer Anwendung den Konsumenten tötet.«

 

Und was unternimmt die deutsche Regierung, um die Bürger ihres Landes vor den Gefahren des Glimmstängels zu schützen? Leider herzlich ­wenig. Das liegt aber nicht an der Bundesdrogenbeauftragten. Ginge es nach der wackeren und konsequenten Marlene Mortler (CSU), wäre das Verbot von Außenwerbung für Tabak, das Deutschland als einziges EU-Land immer noch nicht eingeführt hat, schon längst ­beschlossen. Auch dürfte in Autos nicht mehr geraucht werden, wenn Kinder mitfahren. Bislang konnte sich Mortler mit ihren Plänen für einen besseren Nichtraucherschutz jedoch nicht durchsetzen – weil dem Vernehmen nach vor allem die Spitze der Unionsfraktion dagegen mauert.

 

Für eine so reiche Nation wie Deutschland ist es zudem beschämend, dass die Kosten für eine strukturierte Raucherentwöhnung nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Ohne diese Unterstützung, die eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Hilfe darstellt, schaffen es aber nur die wenigsten Raucher, der Zigarette auf Dauer zu entsagen. Hoffentlich bewegt die aktuelle Studie die Politik dazu, sich endlich mehr um die Raucher in Deutschland zu kümmern. Wir Apotheker sind auf jeden Fall bereit, unseren Beitrag in Form von kompetenter Beratung zur Raucherentwöhnung zu leisten.

 

Annette Mende

Redakteurin Pharmazie


 

 



Beitrag erschienen in Ausgabe 15/2018

 

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