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AMTS: Verblisterer vermissen politisches Bekenntnis

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AMTS: Verblisterer vermissen politisches Bekenntnis
 


Das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Alten- und Pflegeheimen kommt im Koalitionsvertrag nach Ansicht von Kritikern zu kurz. Medikamente zu stellen gehöre in die Verantwortung von pharmazeutischen Spezialisten, betont der Bundesverband patientenindividueller Arzneimittelverblisterer (BPVAV). Ein entsprechendes politisches Bekenntnis zur flächendeckendeckenden Arzneiversorgung durch individuelle Blister fehle aber im aktuellen Vertragsentwurf der Koalitionäre.

 

Zwar wollen Union und SPD nach eigenen Angaben den Bereich Pflege entschieden verbessern. Die im Vertrag angekündigte «konzertierte Aktion Pflege» stellt aber zum Bedauern des BPVAV bislang keine Entlastung des Pflegepersonals in Aussicht, wenn es um die patientenindividuelle Bereitstellung von Medikamenten geht.

 

«Die patientenindividuelle Arzneimittelverblisterung muss zum Standard in der Heimversorgung werden», betont der BPAV-Vorsitzende Hans-Werner Holdermann. Bei den Herausforderungen, vor denen die Pflege aktuell stehe, sei die flächendeckende Einführung der BPAV am unkompliziertesten umzusetzen. Dazu fordert Holdermann den Gesetzgeber auf, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen. «Die lebenswichtige Dienstleistung der individuellen Verblisterung muss endlich Teil der Arzneimittelpreisverordnung werden.»

 

Insbesondere angesichts der sich zuletzt häufenden Fälle von vertauschten Arzneimitteln im Pflegebereich müsse die Politik endlich handeln, heißt es. Unlängst war bekannt geworden, dass Mitarbeiter von Pflegeheimen immer häufiger telefonische Hilfe bei Giftnotrufzentren suchen, weil sie Medikamente von Heimbewohnern falsch dosiert oder vertauscht hatten. Demnach gingen 2017 allein in Mitteldeutschland beim Giftinformationszentrum Erfurt rund 25.300 Anrufe ein – etwa 1000 mehr als im Jahr zuvor, davon waren laut BPAV allein 139 Anrufe von Mitarbeitern aus Alten-und Pflegeheimen.

 

Der Verband weist zudem darauf hin, dass jährlich rund 1,6 Millionen Menschen aufgrund von Fehlmedikationen und nicht festgestellten Wechselwirkungen stationär behandelt werden müssten. Diese Zahlen könnten drastisch sinken, wenn das individuelle Medikamentenstellen in Heimen konsequent umgesetzt würde, heißt es. Die Fehlerquote beim manuellen Stellen sei um das 10.000-fache höher als bei der professionellen und maschinellen Verblisterung. (et)

 

14.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Sport Moments

 

 

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