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Malawi: Afrika ruft

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Malawi

Afrika ruft


Von Julia Gabel, Blantyre / Zwischen den Pharmazeutischen Instituten der Universität Tübingen und der University of Malawi in Blantyre besteht eine Hochschulpartnerschaft. Seit einigen Monaten bin ich nun hier im südlichen Afrika, um an Unterrichtsveranstaltungen teilzunehmen und das Land kennen zu lernen. Ein Erfahrungsbericht.

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Zu Beginn meines Aufenthalts durfte ich gleich an einem Workshop zum Thema »Traditional and Complementary Medicine in Malawi« teilnehmen. Im Unterschied zu Deutschland sind pflanzliche Arzneimittel und traditionelle Therapierichtungen in Malawi nicht in das Gesundheitssystem integriert und werden somit nicht reguliert. 

 




Julia Gabel mit Kommilitonen an der University of Malawi in Blantyre.

Foto: Immanuel Mwekinda


Dadurch wird die Qualitätssicherung erschwert und die Patientensicherheit eventuell gefährdet. Sehr viele Malawis, vor allem aus ländlichen Gegenden, vertrauen eher den traditionellen Heilern als der Schulmedizin. Deshalb ist es wichtig, bei den Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind, mit einem solchen Workshop ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass auch diese traditionellen Medikamente bei den Patienten eine große Rolle spielen.

 

Nach diesen spannenden Einblicken in traditionelle Arzneimittel wollte ich natürlich auch das moderne Pharmaziestudium näher kennen lernen. Ich nehme an den hiesigen Vorlesungen teil, vor allem denen im vierten Studienjahr. In Malawi gibt es einen Bachelorstudiengang Pharmazie. Dieser besteht aus einem sogenanntem »Pre-Med«-Jahr, vier Jahren Pharmaziestudium und einem Jahr praktischer Ausbildung. Danach können die Studenten sich bei der Aufsichtsbehörde als Apotheker registrieren lassen. Bisher wird in Malawi noch kein Masterstudiengang im Fach Pharmazie angeboten, auch wenn das Interesse daran bei den Studierenden sehr groß ist.

 

Aufbau des Studiums

 

In dem »Pre-Med«-Jahr werden naturwissenschaftliche und medizinische Grundlagen gelehrt. Dabei haben die Pharmaziestudenten gemeinsam Unterricht mit Studenten aus anderen Studiengängen, zum Beispiel der Medizin. Im eigentlichen Pharmaziestudium werden dann im ersten Jahr Einführungen in die Pharmazie, Anatomie, Biochemie und Physiologie gegeben. Im zweiten Jahr werden vor allem Pharmazeutische Technologie, Pharmazeutische Chemie, Pharmakologie, Mikrobiologie und Pharmakognosie unterrichtet. Im dritten Jahr kommen »Medical Supplies Management«, Pharmazeutisches Recht, Theorie und Praxis von Forschung sowie Pharmazeutische Praxis hinzu. Im vierten Jahr wird zusätzlich noch Medizinische Chemie, Pharmakovigilanz und Klinische Pharmazie gelehrt. Das daran anschließende praktische Ausbildungsjahr ist in vier Abschnitte unterteilt. Mindestens sechs Monate müssen in einer Krankenhausapotheke verbracht werden, die übrige Zeit in der öffentlichen Apotheke, in der pharmazeutischen Industrie und in der staatlichen Arzneimittelversorgung.

 

Das Fach Pharmazeutische Praxis soll schon vor dem praktischen Ausbildungsjahr auf den Praxisalltag in der Apotheke vorbereiten, was ich persönlich sehr sinnvoll finde. Anhand von Fallbeispielen werden verschiedene Patientengruppen und die Behandlungsrichtlinien, die für diese Gruppen gelten, besprochen.

 

Hoher Stellenwert der Klinischen Pharmazie




Im Vwaza Marsh Wildlife Reserve leben zum Beispiel Elefanten.

Foto: Julia Gabel


Bei dem Unterricht in Klinischer Pharmazie ist mir positiv aufgefallen, dass dieses Fach sehr ausführlich unterrichtet wird und dabei auch viel Zeit in der Krankenhausapotheke und auf den Stationen von Krankenhäusern verbracht wird. Die Studenten müssen beispielsweise Patienten zu deren Medikationsplan befragen und die erhaltenen Informationen mit der Verschreibung des Arztes abgleichen. Es geht dabei um die korrekte Behandlung typischer Krankheitsbilder, aber auch darum, welche Fehler bei den Medikamentenverschreibungen auftreten können. Auch im praktischen Ausbildungsjahr wird das Augenmerk auf den Medikationsplan gerichtet, wobei die Pharmaziepraktikanten auch eine sogenannte »Patient Journey« bearbeiten müssen, in der sie die Krankheitsgeschichte und den Medikationsplan eines Patienten analysieren und kritisch hinterfragen mit dem Ziel, den Medikationsplan zu optimieren.

 

Bedarfsplanung wichtig

 

Das Fach Medical Supplies Management behandelt alles rund um die Bedarfsplanung, Bestellung, Lagerung und Verteilung von Medikamenten sowie Finanzmanagement. In Malawi kommt es häufiger vor, dass eine Bestellung nicht ankommt oder die Medikamente nicht lieferbar sind. Deshalb ist längerfristige Planung und gutes »Medical Supplies Management« wichtig, um die Gesundheitsversorgung sichern zu können. Im Gespräch mit meinen malawischen Kommilitonen wurde deutlich, dass sie gerade dieses Fach sehr wichtig finden, da es später einen wichtigen Teil ihres Arbeitsalltags einnehmen wird.




Zusammen mit malawischen Pharmaziestudenten besichtigte Julia Gabel den Botanischen Garten in der Stadt Zomba. Dort werden viele in Malawi endemische Arten und lokale Heilpflanzen kultiviert und erhalten.

Foto: Daniel Männle


Besonders spannend für die Studenten im vierten Studienjahr ist die Durchführung einer eigenen Forschungsarbeit, die sich meist mit Fragen der pharmazeutischen Praxis in Krankenhäusern, ländlichen Gesundheitseinrichtungen oder öffentlichen Apotheken beschäftigt. Bei einem dieser Projekte durfte ich teilnehmen und bin mit meinen malawischen Kommilitonen in den ländlichen Distrikt Ntcheu gefahren, um Daten zur Qualität, Verfügbarkeit und Lagerung von Oxytocin in den staatlichen und kirchlichen Gesundheitseinrichtungen zu sammeln. Dabei unterstützten wir zwei Doktoranden bei ihren Arbeiten im Rahmen eines malawisch-deutschen Kooperationsprojektes.

 

Weniger Laborarbeit

 

Eine zentrale und positive Erfahrung für mich war, wie viel Wert im Pharmaziestudium in Malawi auf die berufspraktische Fächer und die Ausbildung in der Krankenhausapotheke und den Krankenhausstationen gelegt wird. Jedoch haben meine malawischen Kommilitonen auch bemängelt, dass es – ­im Gegensatz zum deutschen Pharmaziestudium – so wenige Laborpraktika gibt. Diese kommen unter anderem aufgrund fehlender Materialien und Gelder zu kurz. Andererseits finden die malawischen Studenten es positiv, dass sie nicht nur in naturwissenschaftlich-pharmazeutischen Fächern ausgebildet werden, sondern auch Fähigkeiten im Medical Supplies Management erwerben, die ihnen später die Möglichkeit geben, ihr Wissen in pharmazeutischen Unternehmen, Großhandlungen oder der eigenen Apotheke einzubringen.

 

Mein Aufenthalt hier ist insgesamt eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich bin beeindruckt, wie weit sich das Pharmazeutische Institut seit seiner Gründung im Jahr 2006 schon entwickelt hat, und bin sehr gespannt darauf, wie sich diese Entwicklung in der Zukunft fortsetzen wird. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2018

 

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