Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Telemedizin: Datenschutz und Vergütung im Fokus

NACHRICHTEN

 
Telemedizin: Datenschutz und Vergütung im Fokus
 


In Deutschland wird in diesem Jahr voraussichtlich die Telemedizin liberalisiert – und damit könnte dem deutschen Gesundheitswesen ein scharfer Wettbewerb zwischen Start-ups und großen IT-Konzernen wie Google bevorstehen. «Der Vorstand der Bundesärztekammer wird den Delegierten des Deutschen Ärztetags in Erfurt im Mai eine Öffnung des sogenannten Fernbehandlungsverbots vorschlagen», sagte Franz Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telemedizin der Bundesärztekammer. Den Prüfauftrag dazu hatte der Ärztetag im vergangenen Jahr erteilt.

 

Das Fernbehandlungsverbot besagt, dass Ärzte neue Patienten nur nach persönlichem Gespräch behandeln dürfen. Dementsprechend können Patienten sich nicht per Videosprechstunde von einem Arzt beraten lassen, bei dem sie zuvor noch nicht in Behandlung waren. Vorbild für eine Lockerung ist Baden-Württemberg. Dort hat die Landesärztekammer zwei Modellprojekte genehmigt, mit denen Ärzte auch unbekannte Patienten online beraten dürfen. Der Hintergrund: In vielen ländlichen Regionen nähert sich die Mehrheit der niedergelassenen Ärzte dem Pensionsalter, Telemedizin könnte ein geeignetes Mittel sein, die Auswirkungen des in wenigen Jahren zu erwartenden Ärztemangels abzumildern.

 

Eine offene Frage ist, ob und inwieweit die Patienten in Deutschland willig sind, Krankheits- und Gesundheitsdaten mit großen IT-Konzernen zu teilen: «Ein wichtiger Aspekt wird sein, wie die Patienten bei Plattformen von Internet-Anbietern das Thema Datenschutz in diesem besonders sensiblen Bereich beurteilen», sagte der Telemedizin-Experte Bartmann von der Bundesärztekammer. Schirmann geht fest davon aus, dass das Fernbehandlungsverbot gelockert wird, erwartet aber nicht, dass es künftig reine Online-Ärzte geben wird: «Videosprechstunden werden den traditionellen Arztbesuch ergänzen, aber nicht ersetzen.»

 

In der Bundesärztekammer teilt Bartmann diese Einschätzung: «Die Einschränkung der Fernbehandlung gilt ausschließlich für Patienten, die zuvor keinen physischen Kontakt mit einem Arzt hatten.» Deshalb sei auch kein sprunghafter Anstieg für Videosprechstunden nach Änderung der Berufsordnung zu erwarten. «Wichtiger als die abschließende Behandlung ist ohnehin die orientierende Beratung für Patienten.»

 

Neben dem Fernbehandlungsverbot gibt es ein zweites Hemmnis für die deutsche Telemedizin: Ärzte können zwar seit vergangenem Jahr Bestandspatienten auch per Videosprechstunde beraten, aber diese Möglichkeit hat wegen niedriger Vergütung bislang keinen großen Widerhall in der Ärzteschaft gefunden. «Seit Juli 2017 gibt es die Videosprechstunde als Kassenleistung, aber die Regelung hierzu bietet keinen Anreiz, sondern wirkt eher abschreckend», sagte Bartmann.

 

In der Politik ist die Kritik an der Vergütung angekommen. «Insgesamt ist damit zu rechnen, dass Patienten zunehmend auch ihren Arzt nach telemedizinischen Angeboten fragen», sagte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Für den Arzt könne die Telemedizin die Patientenbindung sogar stärken, für die Patienten ermögliche das größere Flexibilität. «Dies erfordert jedoch entsprechende Abrechnungsmöglichkeiten, für die ich mich auf Bundesebene weiterhin einsetzen werde», sagte Huml.

 

Mehr zum Thema E-Health

 

05.02.2018 l dpa

Foto: Fotolia/Weissblick

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

Weitere Nachrichten

 


Antikörper bei Migräne: Erenumab erhält US-Zulassung

Von den vier Antikörpern zur Reduktion von Migräneattacken, die sich derzeit in der Endphase der klinischen Entwicklung befinden, hat es...



Erkältungen: Neuer Ansatz gegen Rhinoviren

Ein synthetisches Molekül, das die Proliferation von Rhinoviren verhindert, haben Forscher des Imperial College in London entwickelt. Das...



Brexanolon: Neues Mittel gegen Baby-Blues

Ein neues Medikament gegen postpartale Depression steht in den USA in den Startlöchern zur Zulassung: Brexanolon, die synthetische Form des...



Denosumab: Erhöhtes Krebsrisiko beobachtet

Unter dem Antikörper Denosumab (Xgeva® 120 mg Injektionslösung) sind in klinischen Studien bei Patienten mit fortgeschrittenen...

 
 

Dolutegravir: Erhöhtes Risiko für Neuralrohrdefekte
HIV-positive Frauen mit Kinderwunsch sollten den Integrase-Inhibitor Dolutegravir nicht einnehmen. Zudem sollten Frauen unter der...

Rx-Versandverbot: Politik zeigt sich eher pessimistisch
Die Diskussion um das von der Regierung im Koalitionsvertrag angedachte Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel dauert an,...

Ebola im Kongo: WHO sieht «sehr hohes Risiko»
Nach dem Auftauchen eines Ebola-Falls in der nordkongolesischen Millionenstadt Mbandaka hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre...

Impfstoffe: AOK scheitert an Vergabekammer
Die Impfstoffvereinbarung der AOK-Nordost ist gescheitert. Laut Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat die zweite...

Immunabwehr: Universal-Antikörper entdeckt
Antikörper sind sehr spezifische Moleküle. Umso überraschender ist der Befund von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum...

Höhere Pflegebeiträge in Sicht
Die Beitragszahler zur Pflegeversicherung in Deutschland müssen sich auf höhere Beiträge einstellen und zwar auf mindestens 0,2...

Demenz: Auch Ältere profitieren von Ginkgo
Über-80-Jährige Alzheimer-Patienten profitieren gleichermaßen von einer Behandlung mit Donepezil oder mit Ginkgo-Spezialextrakt EGb...

Wetter und Kreislaufprobleme: Ernst nehmen und vorbeugen
Viele chronisch kranke Menschen haben das Gefühl, dass das Wetter ihre Symptome beeinflusst. Das sei durchaus ernst zu nehmen, betonte der...

Aidshilfe: Verschreibungspflicht von Naloxon aufheben
Angesichts von 707 Opioid-Toten im vergangenen Jahr in Deutschland fordert die Deutsche Aidshilfe (DAH), für das Antidot Naloxon die...

Cannabis: TK will mehr Studien und weniger Emotionen
Für die positiven Wirkungen von medizinischem Cannabis gibt es zu wenige Belege, außerdem haben die Deutschen ein falsches Bild von dem...

Pflegeversicherung erwartet deutlich mehr Ausgaben
Auf die Pflegeversicherung kommen in diesem Jahr voraussichtlich Mehrausgaben von rund zwei Milliarden Euro zu. Gründe seien eine...

Cannabidiol: Wirksamkeit bei Epilepsie erneut belegt
Eine Studie mit Kindern und Erwachsenen, die am Lennox-Gastaut-Syndrom leiden, hat erneut gezeigt, dass Cannabidiol bei dieser schweren...

AVWL: CDU-Abgeordnete will Preisbindung «für alle»
Die Arzneimittelpreisbindung in Deutschland soll «für alle gelten». Das machte die CDU-Bundestagsabgeordnete Sybille Benning (Foto) jetzt...

ABDA-Imagekampagne: Silber für die PR
Die ABDA hat für ihre Imagekampagne erneut einen Preis bekommen. Beim 19....

Buse führt Versandapotheker für weitere zwei Jahre
Christian Buse (Foto) bleibt an der Spitze des Bundesverbands Deutscher Versandapotheker (BVDVA). Vor dem BVDVA-Kongress, der heute und...

Dritter Ebola-Fall im Kongo: Virus erreicht Großstadt
Im Kongo ist ein dritter Fall des gefährlichen Ebola-Virus bestätigt worden. Dabei handelt es sich erstmals um einen Patienten in einer...

Depression in den Wechseljahren: Schilddrüse checken lassen
Deutsche Forscher haben einen starken Zusammenhang zwischen Depressionen und Angsterkrankungen mit einer chronischen Erkrankung der...

WHO veröffentlicht Liste unverzichtbarer Diagnostikverfahren
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erstmals einen Katalog von Diagnose-Instrumenten veröffentlicht, mit deren Hilfe sich die...

Westerfellhaus: Prämie soll Pflegenotstand eindämmen
Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, schlägt nach einem Medienbericht eine Prämienregelung vor, um...

USA: Mehr Spenderorgane durch Drogenkrise
Durch die verheerende Opioid-Epidemie ist die Menge der verfügbaren Spenderorgane in den USA unerwartet gestiegen: Die Zahl der...

Krebs-Immuntherapie: Bei Frauen weniger effektiv
Weibliche Krebspatienten profitieren weniger von einer Behandlung mit Immuntherapeutika als männliche. Einer aktuellen Studie im...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 



ARCHIV DER HEFT-PDF

 
PDF der Druckausgabe zum Download
 









DIREKT ZU