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IQWiG: Zusatznutzen am häufigsten bei Krebsmedikamenten

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IQWiG: Zusatznutzen am häufigsten bei Krebsmedikamenten
 


Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat seit Einführung der frühen Nutzenbewertung im Jahr 2011 mehr als 200 Dossiers zu neuen Arzneistoffen vorgelegt. Zum Jahreswechsel seien es genau 220 gewesen, teilte das Institut jetzt mit. Besonders häufig haben die IQWiG-Wissenschaftler neue Krebsmedikamente bewertet. Bei den Onkologika sei auch der Anteil der Wirkstoffe mit mindestens einem Ansatzpunkt für einen Zusatznutzen besonders hoch. Nur bei etwa 40 Prozent galt ein Zusatznutzen als nicht belegt oder der Nutzen wurde geringer eingestuft als bei der Vergleichstherapie. Besser schnitten laut IQWiG nur die neuen Hepatitis-C-Mittel ab.

«Vor allem für einige fortgeschrittene Krebserkrankungen mit bisher schlechter Prognose konnten wir klinisch bedeutsame Überlebensvorteile feststellen», erläutert Thomas Kaiser, Leiter des Ressorts Arzneimittelbewertung beim IQWiG. Zwar sei in einzelnen Indikationen die Datenlage sehr dünn und auch die neuen Krebsmedikamente hätten spürbare Nachteile wie schwere Nebenwirkungen auf das Immunsystem. «Aber der Zugewinn an Lebenszeit oder Lebensqualität wiegt in vielen Fällen schwerer», so Kaiser. Im Vergleich zu einigen Chemotherapien sieht das Nebenwirkungsprofil der neuen Onkologika dagegen besser aus.

Schlechter fiel die Bilanz bei den neuen Antidiabetika aus, von denen nur 20 Prozent einen Zusatznutzen attestiert bekamen. Bei den Wirkstoffen mit neurologischen und psychiatrischen Indikationen waren es sogar nur 10 Prozent. Zudem bedauert das IQWiG, dass es bei anderen schwerwiegenden und weit verbreiteten Erkrankungen wie Alzheimer keine Fortschritte gab.

Eine weitere Zahl aus der Bilanz: In 70 Prozent der Fälle schloss sich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der Bewertung des IQWiG an. Bei den restlichen Dossiers schätzte der G-BA den Zusatznutzen zur Hälfte höher, zur Hälfte niedriger ein. Diese Abweichungen ergaben sich vor allem aus neuen Informationen aus dem Stellungnahmeverfahren, das zwischen Veröffentlichung des IQWiG-Gutachtens und G-BA-Entscheid liegt.

Da das IQWiG mittlerweile immer häufiger Arzneistoffe aus demselben Indikationsgebiet bewerten muss, aber dabei nicht mit zuvor bewerteten Arzneistoffen vergleichen darf, würden die Ergebnisse für Ärzte, Apotheker und Patienten immer unübersichtlicher, bedauert das IQWiG. Hier wünscht sich das Institut die gesetzliche Möglichkeit, vergleichende Bewertungen durchführen zu können. (dh)

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofile in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

IQWiG: Direkte Vergleiche zwischen neuen Arzneien sinnvoll, Meldung vom 05.01.2018

 

19.01.2018 l PZ

Foto: Fotolia/lenetsnikolai

 

 

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