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Clomipramin könnte bei MS helfen

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Clomipramin könnte bei MS helfen


Von Annette Mende / Das trizyklische Anti­depressivum Clomipramin könnte einen neuen Ansatz zur Behandlung der progredienten Multiplen Sklerose (MS) ­darstellen. Hierfür sprechen experimentelle Daten, die ein Autorenteam um Dr. Simon Faissner von der Ruhr-Universität Bochum im Fachjournal »Nature Communications« vorstellt (DOI: 10.1038/s41467-017-02119-6).

 

Die Wissenschaftler hatten 249 generisch verfügbare Arzneistoffe, die derzeit nicht zur Behandlung von MS-Patienten zugelassen sind, auf eine mögliche Wirkung gegen MS-spezifische Pathomechanismen getestet. Clomipramin war der aussichtsreichste Kandidat, der auch in einem ersten Versuch mit MS-Modell-Mäusen vielversprechend abschnitt.




Die Diagnose MS wird per Magnetresonanztomografie gesichert. Bei 10 bis 15 Prozent der Patienten liegt bereits zu Krankheitsbeginn die progrediente Form vor.

Foto: dpa


Momentan gebe es keinen Arzneistoff, der die Treiber der progredienten MS – eine Eisen-vermittelte Neurotoxizität, Lymphozyten-Aktivierung und oxidativen Stress – gleichzeitig hemme, schreiben die Forscher. Clomipramin erfüllte in Zellkultur diese Anforderung: Das Antidepressivum verhinderte die nervenschädigende Eisen-Akkumula­tion, reduzierte die T-Zell-Proliferation, senkte den oxidativen Stress und hemmte darüber hinaus auch die Aktivität von B-Lymphozyten. Bei Mäusen mit experimenteller Autoimmun-Enzephalitis, einem Modell für MS, besserte die orale Gabe von Clomipramin sowohl in akuten als auch in chronischen Krankheitsphasen die klinischen Symptome.

 

Blick in die Pipeline

 

Während bei der schubförmig verlaufenden MS in den vergangenen Jahren einige neue Therapieoptionen auf den Markt kamen, sind Ärzte bei der progredienten Form der Erkrankung, die linear verläuft, derzeit noch relativ machtlos. Hoffnungen ruhen auf dem Anti-CD-20-Antikörper Ocrelizumab, der kürzlich in der Europäischen Union zur Zulassung empfohlen wurde. Ocrelizumab ist zur Behandlung der primär progredienten MS vorgesehen, von der etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten betroffen sind.

 

Weit in der klinischen Entwicklung fortgeschritten ist der Sphingosin-1-Phosphat-Modulator Siponimod. Die Mehrheit der MS-Kranken leidet zunächst an der schubförmigen Form der Erkrankung, die bei vielen jedoch nach durchschnittlich 15 bis 20 Jahren in eine progrediente übergeht. Gegen diese sekundäre progrediente MS könnte – eine Zulassung vorausgesetzt – Siponimod zum Einsatz kommen. Auch Clomipramin sollte aus Sicht der Autoren weiter auf seine Wirksamkeit bei progredienter MS untersucht werden. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/02/2018

 

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