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Reiche Bescherung

PHARMAZIE

 

Reiche Bescherung


Von Brigitte M. Gensthaler, Kerstin A. Gräfe und Annette Mende / Mit drei neuen Arzneistoffen, die im Monat Dezember neu auf den Markt kamen, hat sich das Jahr 2017 verabschiedet. Alle drei haben Innovationspotenzial und erweitern die Therapieoptionen bei Neurodermitis, Psoriasis und Ovarialkarzinom.

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Neurodermitis ist eine häufige Haut­erkrankung, die sich meist schon während der ersten Lebensmonate manifestiert. In Deutschland leiden circa 13 Prozent aller Kinder zumindest zeitweilig an Neurodermitis. Bis zum frühen Erwachsenenalter sind etwa 60 Prozent der erkrankten Kinder symptomfrei. Andere Bezeichnungen für die Neurodermitis sind atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem.



 

Es handelt sich um eine chronische oder chronisch-rezidivierende, nicht ansteckende Hauterkrankung, deren Leitsymptom ein starker, oft fast unerträglicher Juckreiz ist. Bei kleinen Kindern zwischen null und zwei Jahren sind meist das Gesicht, die behaarte Kopfhaut und die Streckseiten der Extremi­täten betroffen. Später finden sich häufig Ekzeme in den Gelenk­beugen sowie bei Erwachsenen auch Hand­ekzeme oder die sogenannte Prurigo-Form mit stark juckenden Knötchen und Knoten. Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der vorhandenen Symptome. Neben einer topischen Basistherapie mit feuchtigkeitsspendenden Pflegemitteln kommt die topische Anwendung von Glucocortico­iden oder Calcineurin-Inhibitoren infrage. Auch systemische Immunsuppressiva wie Ciclosporin können zum Einsatz kommen.

 

Dupilumab

Mit dem monoklonalen Antikörper Dupilu­mab (Dupixent® 300 mg Injek­tionslösung in einer Fertigspritze, Sanofi Genzyme) steht nun erstmals ein Immuntherapeutikum zur Verfügung, das gezielt in den Pathomechanismus der Neurodermitis eingreift. Dupilumab blockiert die α-Untereinheit des Interleukin (IL)-4-Rezeptors, die sowohl Teil des IL-4- als auch des IL-13-Rezeptors ist. Deshalb werden durch Dupilumab sowohl der IL-4- als auch der IL-13-Signalweg gehemmt. Diese beiden Zytokine, die im Normalfall nur bei einer Para­siteninfektion vermehrt ausgeschüttet werden, sind bei Neurodermitis-Patienten im Überfluss vorhanden.




Viele Kinder leiden vorübergehend an Neurodermitis. Dupilumab ist zunächst nicht bei Kindern zugelassen, der Hersteller strebt dies jedoch an.

Foto: Fotolia/Luis Louro


Dupixent ist zugelassen zur Therapie von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis, die für eine systemische Therapie infrage kommen. Es kann als Mono­therapie oder in Kombination mit topischen Corticosteroiden gegeben werden. Topische Calcineurin-­Inhibitoren können ebenfalls angewendet werden, sollten aber auf Problemzonen wie das Gesicht, den Hals, Hautfalten und die Genitalregion ­beschränkt werden. Neben der jetzt zugelassenen Indikation strebt Sanofi Genzyme die Zulassung von Dupilumab im pädiatrischen Bereich an. Zudem laufen Studien mit dem Antikörper in anderen Indikationen wie persistierendes unkontrolliertes Asthma und Nasenpolypen.

 

Die Fertigspritzen werden alle zwei Wochen als subkutane Injektion in den Oberschenkel, den Oberarm oder das Abdomen verabreicht. Dabei ist ein Umkreis von 5 cm rund um den Bauchnabel auszusparen, ebenso wie empfindliche, verletzte oder vernarbte Haut sowie Hautstellen mit blauen Flecken. Die Dosierung beträgt einmalig 600 mg (also zwei Spritzen) und danach jeweils 300 mg pro Injektion. Nach entsprechender Schulung können der Patient oder ein Betreuer das Medikament selbst verabreichen. Wurde eine Dosis versäumt, ist sie schnellstmöglich nachzuholen. Danach soll die Behandlung zum nächsten geplanten Anwendungszeitpunkt regulär fortgesetzt werden.

 

Da Dupilumab die Immunreaktion dämpft, mit der der Körper normalerweise auf einen Wurmbefall reagiert, muss eine vorliegende Helminthose zunächst behandelt werden, bevor eine Therapie mit Dupilumab eingeleitet wird. Infiziert sich der Patient während der Therapie mit Dupilumab mit Würmern und spricht dann nicht auf eine antiparasitäre Behandlung an, muss Dupilumab ausgesetzt werden, bis der Wurmbefall ausgeheilt ist. ­Besondere Sorgfalt ist auch bei ­Patienten mit vorbestehendem Asthma geboten. Sie dürfen, wenn sie mit Dupilumab behandelt werden, ihre Asthma-Medikation nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt verändern oder absetzen.

 

Keine Lebendimpfungen

 

Aufgrund der immunmodulierenden Wirkung von Dupilumab sollte der Patient unter der Therapie keine Lebendimpfung erhalten. Impfungen mit inaktivierten oder Totimpfstoffen sind kein Problem. Während der Schwangerschaft darf das neue Arzneimittel nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen das potenzielle Risiko für das ungeborene Kind überwiegt. Handelt es sich bei der Patientin um eine stillende Mutter, ist eine Entscheidung zu treffen, ob das Stillen oder die Dupixent-Behandlung unter­brochen werden soll. Dabei müssen sowohl der Vorteil des Stillens für das Baby als auch der Nutzen der Therapie für die Mutter berücksichtigt werden.


IGA und PASI

Der Investigator’s Global Assessment-Score (IGA) erfasst den Zustand einer Hauterkrankung in Zahlen. Mit ihm wird auf einer Skala von 0 bis 5 festgelegt, wie schwer zum Beispiel eine Schuppenflechte ist. Dabei gilt: Je niedriger, desto besser. Ein IGA 0 bedeutet erscheinungsfrei, ein IGA 5 deutlich erhabene Psoriasis-Stellen.

 

Der Psoriasis Area Severity Index (PASI) bestimmt den Schweregrad der Schuppenflechte. Rötung, Verdickung, Schuppung und die Ausdehnung der von Psoriasis betroffenen Hautfläche fließen als Bewertungsparameter ein. Eine PASI 90-Reduk­tion entspricht einer Symptomverbesserung der Haut um 90 Prozent gegenüber dem Ausgangswert.


Ausschlaggebend für die Zulassung von Dupixent waren die Ergebnisse der drei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studien SOLO 1 und SOLO 2 sowie CHRONOS, an denen 671, 708 beziehungsweise 740 Pa­tienten teilnahmen. SOLO 1 und SOLO 2 liefen jeweils über 16 Wochen, CHRONOS über 52 Wochen. In allen drei Studien erhielten die Patienten entweder einmalig 600 mg und dann alle zwei Wochen 300 mg Dupilumab, einmalig 600 mg und dann jede Woche 300 mg Dupilumab oder Placebo. In der CHRONOS-Studie wurden zusätzlich topische Corticosteroide gegeben, topische Calcineurin-­Inhibitoren waren erlaubt.

 

Um den Schweregrad der Neurodermitis zu ermitteln, wurden verschiedene Scores herangezogen: Investigator’s Global Assessment (IGA), Eczema Area and Severity Index (EASI) und Body Surface Area (BSA). Patienten wurden eingeschlossen, wenn sie zu Beginn mindestens einen IGA von 3, einen EASI von 16 und eine BSA von 10 Prozent aufwiesen, was einer mittelschweren bis schweren Erkrankung entspricht. In allen drei Studien war der zusammengesetzte Endpunkt der Anteil der Patienten, bei denen sich der IGA-Wert bis Woche 16 um mindestens zwei Punkte auf dann IGA 0 oder 1 besserte (erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut), sowie der Anteil der Patienten, deren EASI-Wert sich innerhalb dieses Zeitraums um mindestens 75 Prozent besserte (EASI-75).




Charakteristisch für die Schuppenflechte sind punktförmige bis handtellergroße schuppende Hautstellen, die häufig stark jucken.

Foto: Shutterstock/sattahipbeach


Dieser Endpunkt wurde in allen drei Studien signifikant häufiger unter ­Dupixent erreicht als unter Placebo. Im Einzelnen lauteten die Ergebnisse nach 16 Wochen, jeweils für SOLO 1, SOLO 2 und CHRONOS: IGA 0 oder 1 37,9 Prozent, 36,1 Prozent und 38,7 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich, 10,3 Prozent, 8,5 Prozent und 12,4 Prozent unter Placebo; EASI-75 51,3 Prozent, 44,2 Prozent und 68,9 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich, 14,7 Prozent, 11,9 Prozent und 23,2 Prozent unter Placebo. In der CHRONOS-Studie wurden zudem noch folgende Ergebnisse nach 52 Wochen erzielt: IGA 0 oder 1 36,0 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich und 12,5 Prozent unter Placebo; EASI-75 65,2 Prozent unter Dupilumab zweiwöchentlich und 21,6 Prozent unter Placebo. Die Ergebnisse unter dem wöchent­lichen Dosisintervall waren nicht entscheidend besser als die unter dem zweiwöchentlichen. In einer Erweiterungsstudie wurde zudem die vier- beziehungsweise achtwöchentliche Anwendung getestet, schnitt aber schlechter ab als die jetzt zugelassene zweiwöchige Dosierung.

 

Reaktionen an den Augen

 

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Reaktionen an der Injektionsstelle, Reaktionen an den Augen wie Konjunktivitis und Blepharitis sowie Lippenherpes. Sehr selten kam es zu einer sogenannten Serumkrankheit oder einer Serumkrankheit-ähnlichen Reaktion, also einer systemischen Überempfindlichkeitsreaktion. In diesen Fällen muss die Anwendung mit Dupilumab sofort abgebrochen und eine geeignete Therapie eingeleitet werden.

 

Dupixent ist im Umkarton und im Kühlschrank bei 2 bis 8 °Celsius zu lagern. Es kann einmalig für maximal 14 Tage bei Raumtemperatur (bis 25 °Celsius) gelagert werden, darf dabei aber nicht direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Damit sie Raumtemperatur annimmt, soll die Fertigspritze 45 Minuten vor der Anwendung aus dem Kühlschrank entnommen werden.

 

->> vorläufige Bewertung: Sprunginnovation

 

Guselkumab

Mit Guselkumab (Tremfya® 100 mg ­Injektionslösung, Janssen-Cilag ) kam im Dezember eine weitere Therapie­option zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis auf den Markt. Der Antikörper darf als Erstlinien-Therapie bei erwachsenen Patienten eingesetzt werden, die für eine systemische Therapie infrage kommen.

 

First in class

 

Guselkumab ist der erste zugelassene Vertreter der Substanzklasse der Interleukin (IL)-23 Hemmer. IL-23 ist ein wichtiger Botenstoff bei der Entstehung von Autoimmunkrankheiten. Er beeinflusst die Differenzierung, Proliferation und das Überleben bestimmter T-Zellen sowie von unspezifischen lympho­iden Immunzellen, die proinflammatorische Effektor-Zytokine produzieren. Guselkumab bindet selektiv an die p19-Untereinheit von IL-23 und verhindert so dessen Bindung an seinen Rezeptor. Dadurch wird der IL-23-Signalweg unter­bunden.

 

Die empfohlene Dosis beträgt 100 mg als subkutane Injektion. Zu Behandlungsbeginn werden zwei Startdosen in den Wochen 0 und 4 injiziert. In der Erhaltungsphase bekommen die Patienten die Injektionen alle acht Wochen. Nach einer entsprechenden Schulung können sich die Patienten die Fertigspritzen auch selbst verabreichen. Bei Patienten, bei denen sich die Erkrankung nach 16 Wochen nicht bessert, sollte der Arzt einen Abbruch der Therapie erwägen.


Kommentar

Überzeugendes Trio

Die drei Neulinge aus dem Dezember bringen allesamt einen Therapiefortschritt. Am höchsten ist der Innova­tionsgrad von Dupilumab einzustufen. Es ist der erste Antikörper zur ziel­gerichteten Therapie der Neurodermitis. Bei dieser Erkrankung hat es in den vergangenen Jahren keinen nennenswerten Therapiefortschritt gegeben. Das ändert sich mit der Sprung­innovation Dupilumab. Der Wirkstoff überzeugt mit sehr guten Ergebnissen im Liberty-Studienprogramm – sowohl hinsichtlich Wirksamkeit als auch hinsichtlich Sicherheit. Beispielsweise gehen Ekzemschwere und -ausdehnung bei vielen Patienten sehr deutlich zurück. Gut möglich, dass auch der Einsatz bei Kindern bald erlaubt wird und dass die doppelte Signalblockade der Interleukine 4 und 13 auch bei anderen ­Erkrankungen erfolgreich sein wird.

 

Anders als bei der atopischen Derma­titis sind bei der Psoriasis in den vergangenen Jahren zahlreiche Antikörper zur zielgerichteten Therapie auf den Markt gekommen. Guselkumab ist der nächste. Auch dieser Wirkstoff erzielte in Studien gute Ergebnisse und konnte das Hautbild vieler Patienten deutlich verbessern. Interessant ist die Blockade von Interleukin 23. Dieses regulatorische Zytokin beeinflusst Differenzierung, Proliferation und Überleben bestimmter T-Zellen sowie von Immunzellen, die pro­inflammatorische Effektor-Zytokine produzieren. Einen direkten Vergleich mit den anderen neuen Psoriasis-Antikörpern wie Brodalumab oder Secukinumab gibt es noch nicht, sodass man noch nicht ­sagen kann, dass die Blockade dieses sogenannten Masterzytokins tatsächlich einen Therapievorteil bringt. Anders als Secukinumab ist die Schritt­innovation Guselkumab bislang auch noch nicht bei der Psoriasis-Arthritis zugelassen.

 

Mit Niraparib kam zum Jahresende noch eine weitere Schrittinnova­tion auf den deutschen Markt. Der Wirkmechanismus ist nicht neu. Es ist nach Olaparib der zweite PARP-Inhibitor zur Therapie des Ovarialkarzinoms. Anders als Olaparib reicht bei Niraparib aber eine einmal tägliche Einnahme aus, was die Therapie für die ­Patientinnen erleichtert. Ferner ist bei Niraparib der Nachweis von Mutationen in den Risikogenen BRCA-1- und -2 keine Voraussetzung für die Therapie. Diese beiden Unterschiede im Vergleich zum ersten Vertreter dieser noch relativ neuen Wirkstoffklasse rechtfertigen die vorläufige Einordnung als Schrittinnovation.

 

Sven Siebenand

Stellvertretender Chefredakteur


Wie bei anderen immunmodulierenden Wirkstoffen wurden auch unter Gusellkumab sehr häufig Infektionen der oberen Atemwege registriert. Der Antikörper darf daher nicht bei klinisch relevanten aktiven Infektionen wie Tuber­kulose verwendet werden. Vor Therapiestart muss eine Tuberkulose per Test ausgeschlossen werden. Während und nach der Behandlung müssen die Patienten auf Anzeichen und Sym­ptome einer aktiven Tuberkulose überwacht werden. Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, einen Arzt aufzusuchen, wenn unter Tremfya Anzeichen einer Infektion auftreten.

 

Vor einer Behandlung mit Guselkumab sollte der Impfstatus der Pa­tienten auf den aktuellen Stand gebracht werden. Bei mit Tremfya behandelten Patienten sollten keine Lebend­impfstoffe angewendet werden. Vor einer Impfung mit Lebendimpfstoffen muss die Antikörper-Behandlung nach der letzten Gabe für mindestens zwölf Wochen ausgesetzt und kann frühestens zwei Wochen nach der Impfung wieder aufgenommen werden.

 

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während und für mindestens zwölf Wochen nach der Behandlung zuverlässig verhüten. Aus Vorsichtsgründen sollten Schwangere kein Guselkumab erhalten. In der Stillzeit muss die Mutter während der Behandlung und bis zu zwölf Wochen nach der letzten Gabe entweder auf das Stillen verzichten oder der Arzt die Tremfya-Behandlung unterbrechen.

 

Vergleich mit Adalimumab

 

Die Zulassung basiert auf den Phase-III-Studien VOYAGE 1 und VOYAGE 2. In diesen wurden die Wirksamkeit und ­Sicherheit bei erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis untersucht. In VOYAGE 1 erhielten 837 Patienten zunächst für 16 Wochen randomisiert entweder Guselkumab, Placebo oder Adalimumab. Anschließend fanden zwei Wechsel statt: Nach Woche 16 wechselten die Patienten der Placebogruppe in die Guselkumab-Gruppe; die Patienten der Adalimumab-Gruppe wurde in Woche 52 auf Guselkumab umgestellt. Koprimäre Endpunkte waren die Anteile an Patienten, die einen IGA-Score von 0 oder 1 sowie ein PASI-90-Ansprechen in Woche 16 erreichten (siehe Kasten). Diese erreichten unter Guselkumab signifikant mehr Patienten als unter Placebo und Adalimumab (IGA: 85,1 versus 6,9 versus 65,9 Prozent; PASI-90: 73,3 versus 2,9 versus 49,7 Prozent).

 

Erste Langzeit-Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung über zwei Jahre andauert. In Woche 100 erreichten 82,1 Prozent der Guselkumab-Patienten ein PASI-90-Ansprechen. Das schafften ebenfalls 82,2 Prozent der Patienten, die in Woche 16 von Placebo auf den neuen Antikörper umgestellt wurden, sowie 81,1 Prozent der Adalimumab-Patienten, die in Woche 52 umgestellt wurden. Ein klares Hautbild oder minimale Läsionen (IGA 0/1) erreichten in Woche 100 unter Guselkumab 82,4 Prozent der Patienten, 84,8 Prozent der ehemaligen Placebogruppe sowie 84 Prozent der ursprünglichen Adalimumab-Gruppe.

 

In VOYAGE 2 erhielten 994 Patienten zunächst randomisiert Guselkumab, Placebo oder Adalimumab. Ab Woche 28 wurde ein Auslassversuch vorgenommen, das heißt, die PASI-90-Responder der Guselkumab-Gruppe wurden erneut randomisiert und erhielten entweder weiter Guselkumab oder Placebo. Des Weiteren wurden die PASI-90-Non-Responder der Adalimumab-Gruppe ab Woche 28 auf Guselkumab umgestellt. Die Nachbeobachtungszeit betrug 48 Wochen. Koprimäre Endpunkte waren dieselben wie in VOYAGE 1.

 

Diese erreichten wie in der ersten Studie nach 16 Wochen unter Guselkumab signifikant mehr Patienten als unter Placebo und Adalimumab (IGA: 84,1 versus 8,5 versus 67,7 Prozent; PASI-90: 70 versus 2,4 versus 46,8 Prozent). Nach 48 Wochen lag das PASI-90-Ansprechen mit der Guselkumab-Erhaltungstherapie bei 88,6 Prozent, in der Placebogruppe 36,8 Prozent (Auslassversuch). Die durchschnittliche Zeitdauer bis zum Verlust des PASI-90-Ansprechens lag bei 15,2 Wochen. Von den Patienten, die unter Adalimumab kein PASI-90-Ansprechen erreichten, erzielten 66,1 Prozent selbiges unter Guselkumab (Woche 48).

 

Häufigste unerwünschte Nebenwirkungen waren Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege und Kopfschmerzen. Schwere unerwünschte Ereignisse wie schwere Infektionen oder schwere kardiovaskuläre Ereignisse traten unter Guselkumab und Adalimumab vergleichbar häufig auf.

 

Tremfya wird im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C gelagert. Die Fertigspritze muss nach der Entnahme aus dem Kühlschrank vor der Injektion noch für eine halbe Stunde im Umkarton verbleiben. Patienten dürfen das Mittel erst bei Raumtemperatur injizieren und die Fertigspritze keinesfalls schütteln.

 

->> vorläufige Bewertung: Schrittinnovation

 

Niraparib

Mit Niraparib (Zejula® 100 mg Hartkapseln, Tesaro Bio Germany) kam im Dezember ein neuer PARP-Inhibitor für Frauen mit rezidiviertem Ovarialkarzinom in den Handel. Das Medikament ist zugelassen als Monotherapie zur Erhaltungstherapie bei Frauen mit Rezidiv eines Platin-sensiblen serösen Karzinoms der Eierstöcke, der Eileiter oder des Bauchfells, die sich nach einer ­Platin-basierten Chemotherapie in kompletter oder partieller Remission befinden. Es handelt sich also um eine Zweit- oder Drittlinientherapie, wenn der Tumor vorher auf eine Therapie mit Platinderivaten angesprochen hat.




Niraparib

Die Patientinnen nehmen einmal pro Tag 300 mg, das heißt drei 100-mg-Hartkapseln unabhängig von der Nahrung ein. Die Einnahme soll jeden Tag etwa zur gleichen Zeit erfolgen, zum Beispiel unmittelbar vor dem Schlafengehen. Dies kann zugleich helfen, Übelkeit zu vermeiden. Wenn die Patientin eine Einnahme vergessen hat, sollte sie ihre nächste Dosis zum vorgesehenen Zeitpunkt einnehmen Es wird empfohlen, die Behandlung bis zur Krebs­progression fortzusetzen.




Wasserstoff: hellblau Sauerstoff: rot Stickstoff: dunkelblau

Grafiken: Wurglics


Bei geringfügig oder moderat eingeschränkter Leber- oder Nierenfunk­tion ist keine Dosisanpassung erforderlich. Eine Therapiepause oder Dosis­reduktion kann aber aufgrund von Neben­wirkungen angezeigt sein. Dann wird die Tagesdosis zunächst auf 200 mg und falls erforderlich auf 100 mg abgesenkt.

 

Niraparib ist wie das 2015 zugelassene Olaparib (Lynparza™) ein Inhibitor der PARP-Enzyme 1 und 2; das Kürzel steht für Poly-(ADP-Ribose-)Polymerase. Diese Enzyme tragen zur DNA-Reparatur von Zellen bei. Die Enzymhemmung und eine vermehrte Bildung von PARP-DNA-Komplexen führen letztlich zu DNA-Schäden, Apoptose und Zelltod.

 

BRCA-Mutation keine Voraussetzung

 

Eine erhöhte Zytotoxizität von Niraparib wurde in Tumorzell-Linien sowohl mit als auch ohne Defizienz der Breast Cancer (BRCA)-1- und -2-Tumorsuppressorgene beobachtet. Anders als bei Olaparib und dem in den USA zugelassenen Rucaparib ist der Nachweis von Muta­tionen in den BRCA-Genen keine Voraussetzung für die Therapie mit Nira­parib.




Reparaturmechanismen für DNA-Einzelstrangbrüche. Die normale Zelle (links) verfügt über die Korrekturmechanismen Nukleotid-Exzisionsreparatur (NER) und homologe Rekombina­tion (HR); fällt einer aus, kann der DNA-Fehler dennoch korrigiert werden. Fallen beide aus (rechts), stirbt die Zelle ab. Darauf beruht der Einsatz von PARP-Inhibitoren wie Niraparib.

In der Phase-III-Doppelblindstudie AGO-OVAR 2.22/ENGOT-OV16/NOVA erhielten 553 Frauen mit rezidiviertem Ovarialkarzinom mit und ohne BRCA-Keimbahnmutationen das neue Medikament oder Placebo. Bei allen Frauen hatte der Tumor zuvor auf Platin angesprochen (komplette oder partielle Remission). Die Patientin sollte sich nach Abschluss der letzten Platin-basierten Chemotherapie in Remission befinden. Startdosis waren 300 mg Niraparib einmal täglich. Allerdings lag die während der Studie am häufigsten angewendete Dosis bei 200 mg.

 

Primärer Wirksamkeitsparameter war das progressionsfreie Überleben (PFS). Frauen, bei denen BRCA-Mutationen nachgewiesen wurden, erreichten median ein PFS von 21 Monaten unter Niraparib versus 5,5 Monaten unter Placebo, also fast eine Vervierfachung. In der Gruppe ohne BRCA-Mutation lag das PFS bei 9,3 versus 3,9 Monaten.




Der Nachweis einer Mutation in einem BRCA-Gen ist normalerweise Voraussetzung für eine Therapie mit einem PARP-Inhibitor. Nicht so bei Niraparib: Von dessen Einsatz profitieren auch Frauen ohne diese Mutation.

Foto: Imago/Science Photo Library


Vor der Entblindung der Studie wurden der Tumor daraufhin untersucht, ob Zellen vorhanden sind, bei denen ein zweiter Reparaturmechanismus, die homologe Rekombination, nicht funktioniert (HR-Defizienz). Anhand der Analyse war aber nicht abschätzbar, welche Patientin von einer Niraparib-Gabe profitieren würde und welche nicht. Daher ist auch dieser genetische Test keine Voraussetzung für den Einsatz des PARP-Inhibitors.

 

Die häufigsten schweren Nebenwirkungen in der Studie waren Thrombozytopenie, Anämie und Neutropenie, die meist eine Dosisreduktion erforderten.

 

Die Liste der Nebenwirkungen, die bei mehr als 10 Prozent der Patientinnen auftraten, ist lang: Blutbildstörungen wie Anämie, Thrombozytopenie und Neutropenie, Ermüdung und Asthenie, Magen-Darm-Probleme, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, Nasopharyngitis, Dyspnoe, Hypertonie, Rückenschmerzen, Schwindel, Husten, Harnwegsinfektion, Arthralgie, Palpitationen und Geschmacksstörung.

 

Niraparib wird nach der Resorption primär durch Carboxyl-Esterasen zu seinem inaktiven Hauptmetaboliten M1 metabolisiert. Weder der Wirkstoff noch sein Metabolit beeinflussen CYP-Enzyme. Dennoch ist Vorsicht angezeigt, wenn Niraparib kombiniert wird mit Arzneistoffen, deren Stoffwechsel von CYP-Enzymen abhängt.

 

Frauen sollten zu Behandlungsbeginn nicht schwanger sein und während der Therapie mit Niraparib sowie für einen Monat nach der letzten Dosis nicht schwanger werden. Sie müssen eine Empfängnis wirksam verhüten. Das Krebsmedikament ist kontraindiziert in der Stillzeit. /

 

->> vorläufige Bewertung: Schrittinnovation



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/02/2018

 

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