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Ab in die Tonne?

EDITORIAL

 

Ab in die Tonne?


Lange haben die Apotheker auf das Gutachten des Bundeswirtschafts­ministeriums gewartet. Kurz vor Weihnachten erblickte dann die finale Version das Licht der Welt (lesen Sie dazu auch Honorargutachten: Das sind die finalen Details). Jetzt müssen Apotheker, Politiker und Gesundheitsökonomen aus dem Werk ihre Schlüsse ziehen. Besser man hätte es in die Tonne gekloppt. Aber wer traut sich das schon, nachdem der Dienstleister 2hm und die Experten des BMWi satte zwei Jahre daran gebastelt haben. Natürlich ist es gut, dass die Fakten aus dem Ministerium nach einem in der Sache unwürdigen Kasperletheater endlich auf dem Tisch liegen. Mit der Vorabveröffentlichung zahlreicher Details aus dem Gutachten hat das Ministerium den Anspruch, eine seriöse Untersuchung zu präsentieren, deutlich verfehlt. Wenn eine staatliche Institution in einer Angelegenheit die Bild-Zeitung besser informiert als die am Verfahren beteiligten Apotheker, dann ist das eine Gewichtung, die zumindest überrascht.

 

Und jetzt? Wie geht es nun weiter? Ganz offensichtlich ist das BMWi-Gutachten in der Tat vor allem ein Gutachten des BMWi. Das ebenfalls involvierte Bundesgesundheitsministerium soll in vielen Punkten die BMWi-Position nicht gestützt haben. Der Sachverhalt, dass derzeit nur eine geschäftsführende Bundesregierung existiert, macht eine Konsensfindung in dieser Sache auch nicht einfacher.

 

Absolut desaströs wäre es, wenn den Apotheken in Deutschland wie im Gutachten addiert tatsächlich 1,24 Milliarden Euro jährlich verloren gingen. Wer glaubt, dass es möglich wäre, die Branche um mehr als 1 Milliarde Euro zu schröpfen, ohne dabei die flächendeckende Versorgung zu gefährden, der kann nicht rechnen.

 

In der aktuellen Situation ist es aber vielleicht auch gar nicht so schlecht, dass die Politik so sehr mit sich selbst und der Regierungsbildung beschäftigt ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Union und SPD dabei an den Apothekern abarbeiten werden, ist gering. Wenn dann – vielleicht im zweiten Quartal 2018 – die neue Regierung im Amt ist, haben sich die Wogen womöglich geglättet und Ratio ist wieder gefragt. Und wenn auch das nicht hilft, dann bleibt immer noch eine Option: Das Gutachten doch in die Tonne zu werfen und mit mehr Sachverstand von vorne zu beginnen.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur



Beitrag erschienen in Ausgabe 01/02/2018

 

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