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»One size fits all« oder »regional first«?

EDITORIAL

 

»One size fits all« oder »regional first«?


Mitte Januar beginnt der Pharmacon in Schladming. Der Fortbildungs­kongress hat sich längst am neuen Ort etabliert und wir freuen uns, dass immer mehr Apothekerinnen und Apotheker diese kompakte Form der Fortbildung nutzen. Der Pharmacon bietet wieder ein breites Spektrum an Themen, denn wir wollen, dass unser Kongress allen Apothekerinnen und Apothekern mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen einen Mehrwert bietet. Also kein »one size fits all«, wo es für alle Problemstellungen die immer gleiche Lösung gibt.

 

So wenig wie beim Pharmacon funktioniert das Motto »one size fits all« auch in der Arzneimittelversorgung. Denn wir müssen unterscheiden zwischen Zielen und Wegen. Das Ziel ist für alle gleich: Eine flächen­deckende, barrierefreie, schnelle und auf Wunsch des Patienten auch persönliche Arzneimittelversorgung durch die Apotheken. Aber die Wege zu diesem Ziel sind so unterschiedlich wie die Lebensbedingungen in länd­lichen oder urbanen Regionen. Beispiel Rezeptsammelstellen: In Berlin gibt es keine einzige Rezeptsammelstelle. Dafür gibt es keinen Bedarf, denn die nächste Apotheke ist nie weit entfernt und der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut. Im ländlichen Nordhessen sieht das anders aus; dort haben manche Dörfer gar keine Busanbindung. Deshalb gibt es in Hessen auch mehr als 200 Rezeptsammelstellen. Dieses Beispiel zeigt, dass wir bei vielen Fragen der Arzneimittelversorgung regionale Lösungen finden müssen. Um im Zeitgeist zu sprechen: »regional first«.

 

Bundesweit betrachtet ist die Arzneimittelversorgung gesichert. Was wir haben, sind örtliche Probleme hie und da. Diese auf Bundesebene anzu­gehen wäre deshalb nicht zielführend. Die Apothekerkammern der Länder haben für viele lokale Probleme bereits lokale Lösungen gefunden. Bei der Weiterentwicklung des Systems der Apothekenversorgung ­können die Apothekerkammern viel voneinander lernen. Die Bundesapothekerkammer als Arbeitsgemeinschaft bietet hier eine Plattform für den kollegialen Austausch. Aber nicht nur das: Es ist auch die Aufgabe der Bundes­apothekerkammer, die gefundenen Lösungen dem Gesetzgeber zu präsen­tieren, damit das »regional first«-Prinzip auch in Gesetze und Verordnun­gen einfließen kann.

 

Die Bürger müssen sich auf uns verlassen können. Voraussetzung dafür ist, dass einerseits die Strukturen und andererseits die Qualität der Berufsausübung stimmen. Beide sind und bleiben Schwerpunkte der Arbeit der Bundesapothekerkammer. Ich freue mich, Sie in Schladming zu begrüßen.

 

Dr. Andreas Kiefer

Präsident der Bundesapothekerkammer



Beitrag erschienen in Ausgabe 49/2017

 

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