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Eisen: Auf ausreichende Versorgung achten

MEDIZIN

 
Eisen

Auf ausreichende Versorgung achten


Von Nicole Schuster / Symptome eines Eisenmangels stellen sich schleichend ein. Patienten leiden unter einer zunehmend sinkenden Leistungsfähigkeit und fallen durch eine kränkliche Blässe der Haut auf. Besonders gefährdet sind Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Sportler und Vegetarier. Vor der Einnahme von Präparaten sollte ein Arzt aufgesucht werden.

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Eisen braucht der Körper für die Blutbildung. Doch sich ausreichend mit dem essenziellen Spurenelement zu versorgen, ist nicht immer einfach: An einer Minderversorgung leiden Schätzungen zufolge weltweit 30 bis 50 Prozent der Menschen. In Europa sollen 10 bis 15 Prozent der Kinder betroffen sein.




Abgeschlagenheit ist neben Blässe und Konzentrationsschwierigkeiten ein frühes Anzeichen eines klinisch manifesten Eisenmangels.

Foto: Shutterstock/Doidam 10


Eisen ist im Körper zum größten Teil im roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu finden und zu geringeren Anteilen in Myoglobin, als Cofaktor einiger Enzyme und in Form von als Ferritin gebundenes Depoteisen. Im Hämoglobin erfüllt es die Aufgabe, die Körperzellen mit Sauerstoff zu versorgen. Besteht über längere Zeit eine Minderversorgung mit Eisen, bedient sich der Körper zunächst aus den gespeicherten Reserven. Hält der Mangelzustand längere Zeit an, resultiert eine Anämie, die durch eine Verminderung der Hämoglobinkonzentration im Blut charakterisiert ist. Die Eisen­mangelanämie ist die weltweit häufigste Form der Blutarmut.

 

Unterschiedlich gut verwertbar

 

1 bis 2 mg Eisen verliert der Mensch täglich mit abgeschilferten Epithelzellen oder durch kleinere Blutverluste. Dieser Verlust muss durch Eisen aus der Nahrung ausgeglichen werden. Da von dem in der Nahrung enthaltenen Eisen nur etwa 10 Prozent aufgenommen werden, sollten Männer 10 mg ­Eisen pro Tag zu sich nehmen, Frauen 15 mg, um Verluste durch die Regelblutung auszugleichen. Einen erhöhten Bedarf haben Schwangere, Stillende, Kinder im Wachstum, Leistungssportler, Menschen, die häufig Blut spenden oder an Krankheiten wie rheumatoider Arthritis (RA) oder Tumoren leiden. ­Besonders gut kann der Körper Eisen aus Häm, wie es in Fleisch enthalten ist, oder aus Lactoferrin in der Muttermilch verwerten (siehe Kasten).

 

Die Resorption findet hauptsächlich im Duodenum und im oberen Jejunum statt. Das in der Nahrung oft dreiwertig gebundene Eisen muss der Körper zunächst in zweiwertiges umwandeln, um es aufnehmen zu können.

 

Wird weniger Eisen aufgenommen, als der Körper braucht, stellt sich zunächst ein latenter Mangel ein, bei dem zwar vermindertes Speichereisen vorliegt, aber noch keine funktionellen Auswirkungen auftreten. Beim klinisch manifesten Eisenmangel zeigen sich Symptome infolge der mangelnden Sauerstoffversorgung von Zellen und Organen. Neben körperlicher Abgeschlagenheit und Blässe leiden Patienten oft unter eingerissenen Mundwinkeln, Haarausfall und brüchigen Nägeln. Im Verlauf können sich auch eine eingeschränkte Herzfunktion, Konzentrationsstörungen, Schwindelgefühl, Gleichgewichtsstörungen und sogar Ohnmachtsanfälle einstellen.


Lactoferrin

Das eisenbindende Glykoprotein Lactoferrin gehört zur Klasse der Transferrine. Es ist in verschiedenen Körperflüssigkeiten von Säugetieren enthalten, unter anderem in Muttermilch, Tränen, Speichel und Schweiß. Es hat antivirale und antimikrobielle Eigenschaften und kann sowohl als Protease, als Nuclease als auch als Eisentransporter fungieren.


»Bei Kindern ist eine erhöhte Infektanfälligkeit ein häufiges Anzeichen für eine Eisenminderversorgung«, sagte der Allgemeinmediziner Viktor Habermehl, der seit mehr als zehn Jahren ein sogenanntes Eisenzentrum in Tönisvorst führt, der PZ. Auch eine sinkende Leistungsfähigkeit in der Schule kann da­rauf hindeuten. »Kinderärzte führen aber oft keine Blutuntersuchung durch, sodass viele Kinder mit Eisenmangel ­undiagnostiziert bleiben.«

 

Hauptursache ist die unzureichende Eisenaufnahme über die Nahrung. Gefährdet sind neben Menschen mit einem erhöhten Bedarf auch Personen mit besonderen Ernährungsformen, wie Vegetarier oder Veganer, sowie Senioren, die mangelernährt sind. Je höher das Lebensalter, desto größer ist zudem die Wahrscheinlichkeit, dass eine krankhafte Ursache hinter dem Eisen­mangel steckt. So können etwa Krankheiten wie RA oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung zum Mangelzustand führen. Zu bedenken ist auch eine mögliche verminderte Resorption, wie es beispielsweise bei Zöliakie oder bei einer Autoimmungastritis der Fall sein kann. Eine sehr häufige Ursache sind Blutverluste, etwa bei Frauen mit starker Monatsblutung oder bei Blutungen aus oberflächlichen Schleimhautdefekten im Magen-Darm-Trakt. In sehr seltenen Fällen liegt eine genetische Ursache zugrunde, die eisenrefraktäre Eisenmangelanämie (Iron-Resistant Iron Deficiency Anemia, kurz IRIDA).

 

Verschiedene Blutwerte berücksichtigen

 

Bei der Diagnose muss der Arzt die vom Patienten beschriebenen Beschwerden mit den Ergebnissen einer Blutanalyse in Verbindung bringen. Das Früh­stadium eines Mangels lässt sich an verringerten Ferritin-Mengen erkennen. Das Eiweißmolekül Ferritin speichert etwa ein Fünftel der im Körper vorhandenen Eisenmenge. »Es gibt jedoch keinen definierten Ferritinwert, unter dem klinische Symptome auf­treten«, sagt Habermehl. Er rät bereits bei einem Wert unter 50 ng/ml zur Substitutionsbehandlung. Zu beachten ist, dass der Ferritin-Wert etwa bei chronischen Leberkrankheiten oder systemischen Entzündungsreaktionen falsch erhöht ist und somit einen Eisenmangel verdecken kann.




Bei einer Eisenmangelanämie ist die Zahl der Erythrozyten reduziert, die Zellen sind zudem kleiner und weniger rot als normal.

Foto: Fotolia/psdesign1


Bei fortgeschrittenem Eisenmangel kommt es zu einer mikrozytären, hypochromen Anämie. Sie äußert sich im Blutbild durch eine verringerte Anzahl an roten Blutzellen. Die vorhandenen Erythrozyten sind kleiner als gewöhnlich, variieren in der Größe stark und enthalten nur wenig Hämoglobin. MCV (mittlere Volumen eines einzelnen Erythrozyten), MCH (durchschnittlicher Hämoglobin-Gehalt eines einzelnen Erythrozyten) und der Hb-Wert sind entsprechend erniedrigt. Ein weiteres Indiz ist das vermehrt frei im Blut nachweisbare Transporteiweiß Transferrin. Transferrin bindet freies Eisen im Serum und befördert es zu den Zellen.

 

Zur Behandlung kommen eine Anpassung der Ernährung beziehungsweise eine medikamentöse Supplementierung infrage. Mittel der Wahl zur oralen Substitution ist Eisen(II)-sulfat. Die Einnahme sollte nüchtern und nicht zusammen mit Milch, Tee oder Kaffee erfolgen. Als unerwünschte ­Begleiterscheinungen können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Völle­gefühl und Verstopfung auftreten. Bei Resorptionsstörungen kann der Arzt das Spurenelement auch parenteral bei Kindern als Eisen(III)-hydroxid-Sucrose-Wasser-Komplex oder als Eisen­carboxymaltose für Erwachsene zuführen. Mittel der letzten Wahl bei sehr schwerem, lebensbedrohlichem Eisenmangel ist die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten.

 

Bei einem durch Mangelernährung bedingten Eisenmangel zeigen sich dann bereits nach einer Woche Veränderungen im Blutbild, so steigt die Zahl der unreifen roten Blutkörperchen, der Retikulozyten, wieder an. Kann er einen alimentären Mangel ausschließen, beginnt für den Arzt eine oft aufwendige Suche nach der Grunderkrankung.

 

Von Selbstbehandlung absehen

 

Um einem Mangel vorzubeugen, sollte man auf Speisen mit hohem Eisen­gehalt achten und diese nicht zusammen mit Nahrungsmitteln einnehmen, deren Inhaltstoffe resorptionshemmend wirken. Letztere sind etwa Phytate, zum Beispiel aus Getreide, Nüssen und Hülsenfrüchten, Polyphenole aus Gemüse oder Tee sowie Galactane und Calcium. Ein ausreichender Abstand zur eisenreichen Mahlzeit ist wichtig. Förderstoffe der Resorption wie Vitamin C sollten Patienten in Verbindung mit eisen­haltiger Nahrung aufnehmen. In Präparaten ist das Spurenelement zur verbesserten Verwertbarkeit oft bereits mit Vitamin C kombiniert.

 

Eine prophylaktische Versorgung ist bei vielen Schwangeren angezeigt, da bei einem Mangel kindliche Entwicklungsstörungen drohen. Kinder und Erwachsene mit Symptomen, die auf einen Eisenmangel hindeuten könnten, sollten indes ohne Rücksprache mit dem Arzt von der Einnahme der freiverkäuflichen Präparate absehen. »Schwäche und nachlassende körper­liche Leistungsfähigkeit können auch Folge einer Schilddrüsenfehlfunktion oder eines Vitamin-B12-Mangels sein«, sagt Habermehl. Eine Überdosierung infolge einer nicht indizierten Substitution kann schlimmstenfalls zur Eisenüberladung und Organschäden führen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 49/2017

 

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