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Biosimilars im Krankenhaus: Luft nach oben

BIOSIMILARS

 
Biosimilars im Krankenhaus

Luft nach oben


Von Stephanie Schersch, Berlin / Biosimilars kommen im Krankenhaus immer häufiger zum Einsatz. Dennoch bremsten Fehlanreize in der Klinikvergütung den Erfolg dieser Präparate aus, klagen die Hersteller. Zudem fehlten verlässliche Informationen für Ärzte und Klinikapotheker.


Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Pro Biosimilars hat das Beratungsunternehmen Simon Kucher & Partners die Potenziale von Biosmiliars im Krankenhaus untersucht. Bei einigen Wirkstoffen geht demnach inzwischen knapp jede zweite Verordnung auf ein Krankenhaus zurück. »Entscheidend dafür ist, dass Ärzte gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Biosmilars gemacht haben«, sagte Studienleiter Matthias Liefner am Montag in Berlin. Vor allem im stationären Bereich hätten zudem die kaufmännischen Abteilungen der Kliniken meist ein großes Interesse am Biosmilar-Einsatz. Für hochpreisige Arzneimittel erhalten Krankenhäuser ein sogenanntes Zusatzentgelt. Der Betrag wird je Wirkstoff gezahlt, egal ob die Klinik ein Biosimilar oder das Referenzprodukt einsetzt. Da Biosimilars meist deutlich günstiger sind, ist ihr Einsatz für die Klinik in vielen Fällen besonders wirtschaftlich.

 

Biosmiliars im Nachteil




Biosimilars spielen im Klinikalltag eine wachsende Rolle. Aus Sicht der Hersteller wird das Potenzial dieser Präparate aber nicht voll ausgeschöpft.

Foto: Imago/Jochen Tack


Anders sieht es Liefner zufolge in den Ambulanzen aus. Hier räumten die Kliniken den Kassen einen einheitlichen prozentualen Rabatt auf den Listenpreis ein. Biosimilars seien damit im Nachteil. Schließlich falle die Marge der Klinik bei einem teuren Original höher aus als beim günstigeren Nachahmerprodukt. Helfen könnten neue Vertragsmodelle, wie sie bereits in einigen Bundesländern zum Einsatz kommen, so Liefner. Dabei zahlten Kassen ähnlich wie im stationären Bereich einen einheitlichen Betrag für Original und Nachahmer. Auch die Vereinbarung unterschiedlich hoher Abschläge für beide Produktklassen könne den Biosimilar-Einsatz fördern.

 

Welches Präparat ein Patient erhält, entscheidet letztlich vor allem der Arzt. Häufig gebe es in der Ärzteschaft immer noch klinisch-pharmakologische Bedenken mit Blick auf den Biosmiliar-Einsatz, sagte Liefner. Die Hersteller wünschen sich an dieser Stelle mehr Informationen und Handlungsempfehlungen von den Fachgesellschaften. »Auch die Behörden könnten noch nachlegen«, sagte Pro-Biosmiliars-Chef Andreas Eberhorn. Die dänische Zulassungsbehörde etwa informiere Klinikärzte und -apotheker, sobald ein neues Biosimilar auf den Markt komme.

 

Chancen sieht Eberhorn mit Blick auf das gesetzlich verankerte Entlassmanagement, das in Kürze zur Pflicht werden soll. Klinken und niedergelassene Ärzte sollen dann noch besser Hand in Hand arbeiten. Im ambulanten Sektor vereinbaren Krankenkassen und Ärzte meist verschiedene Vorgaben wie Zielverordnungsanteile für Biosimilars. Die Kassen sollten Krankenhäuser über diese Absprachen informieren, damit Klinikärzte dies bereits in ihrer Verordnungsempfehlung berücksichtigen könnten, so Eberhorn. Aus Sicht der Hersteller sollten diese Steuerungsmechanismen langfristig ohnehin auch in Klinikambulanzen zum Tragen kommen. /





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