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Welt-COPD-Tag: Wenn die Luft wegbleibt

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Welt-COPD-Tag: Wenn die Luft wegbleibt
 


In Deutschland leiden geschätzt vier Millionen Menschen an COPD, der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung. Weltweit sind es etwa 400 Millionen – Tendenz steigend. Die Krankheit ist unheilbar. Auf die Situation der Betroffenen will der Welt-COPD-Tag am 15. November aufmerksam machen.

 

Je nach Stadium schränke COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) den Alltag stark ein, berichtet Norbert Griffel, Betroffener und Gruppenleiter bei der «Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland» in Frankfurt. «Bei jeder Anstrengung bleibt die Luft weg.» Schon das Reden könne für die Patienten kraftraubend sein. Zu den körperlichen Belastungen kommen die psychischen: «Wenn Sie Luftnot haben und Luft holen und keine bekommen, bedeutet das Angst und Panik», sagt Griffel. Viele Patienten litten unter Depressionen oder Angststörungen.

 

«Leider ist es überwiegend eine Erkrankung der Raucher», sagt Henrik Watz, Pneumologe und Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Zumindest in Deutschland sei der Griff zur Zigarette das größte Risiko dafür. «Deswegen ist Prävention so wichtig.» Wahrscheinlich erkranke jeder dritte bis vierte Raucher daran, so der Lungenarzt. Auch manche Berufsgruppen wie Bergleute, die Umweltfaktoren wie Feinstaub ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Krankheitsrisiko. In anderen Regionen der Welt, gerade in Schwellenländern Asiens, gelten auch das Kochen und Heizen mit offenem Feuer als Ursache.

 

Die Erkrankung schreitet langsam und oft unbemerkt voran. «Viele Menschen leben jahrelang mit den Anzeichen einer COPD, ohne zu wissen, dass es sich um diese schwere Krankheit handelt», heißt es beim «Kompetenzzentrum Asthma und COPD» im hessischen Marburg. Die Alarmzeichen sind Husten, vor allem am frühen Morgen, ausgeworfener zäher Schleim sowie Atemnot, die anfangs nur bei körperlicher Anstrengung auftritt.

 

«Ich dachte, das sei so, weil ich älter werde» – das berichteten Betroffene immer wieder, sagt Petra Knöpfle von der Kasseler Gruppe der «Patientenorganisation Lungenemphysem-COPD Deutschland». Die Erkrankung sei noch zu wenig bekannt. Die Lungenkrankheit verändert auch das Leben von Partner und Familie: «COPD bedeutet 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche Sorgen», sagt Knöpfle, deren Mann betroffen ist. Gemeinsam hat das Paar die Selbsthilfegruppe in Kassel ins Leben gerufen. «Es ist kein normaler Alltag möglich. Sie können keine Pläne schmieden.» Jederzeit könne es dem Kranken schlechter gehen, schon ein Wetterumschwung reiche aus.

 

Bestimmte Reinigungsmittel im Haus seien ebenso tabu wie Kerzen an Weihnachten. Eben alle Stoffe und Partikel, die der Lunge noch mehr zusetzen können. Die Krankheit hat auch soziale Folgen, wie Knöpfle weiter erzählt. «Es besteht die Gefahr, sich in eine Spirale der Isolation hineinzubewegen.» Aus Angst vor der Atemnot bewegten sich Betroffene immer weniger und blieben zu Hause. Zudem müssten sich Patienten mitunter gegen Vorwürfe von außen wehren: Hättest du mal nicht geraucht, hieße es dann.

 

Die Medizin unterscheidet mehrere Schweregrade der COPD, beginnend mit Husten am Morgen und Atemnot nur bei starker körperlicher Anstrengung bis hin zum Auflösen der Lungenbläschen und permanenter Atemnot. Dann kann jede Erkältung lebensgefährlich sein. Es gebe eine hohe Wahrscheinlichkeit, an der COPD oder an Begleiterkrankungen wie Lungenkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfall zu sterben, sagt Henrik Watz.

 

Weltweit betrachtet ist die COPD nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die vierthäufigste zum Tode führende Erkrankung. Zur Therapie gehört, die Lunge nicht weiter zu belasten, also das Rauchen aufzugeben oder sich von Stäuben fernzuhalten. Medikamente sollen den Patienten wieder leichteres Luftholen ermöglichen. Zudem müssen sie vor Infekten geschützt werden, denn die verschlimmern die Krankheit. Die Betroffenen brauchen einen guten Impfstatus. Ganz besonders wichtig sei aber regelmäßige Bewegung und spezieller Lungensport, sagt Pneumologe Watz. «Das ist das A und O.»

 

14.11.2017 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/psdesign1

 

 

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