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Schweres Erbe

EDITORIAL

 

Schweres Erbe

Adipositas bei Kindern ist ein großes Problem, das auch noch immer ­größer werden wird. Denn die Veranlagung zum Übergewicht überträgt sich auf die nächste Generation. Schon jetzt sind laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation weltweit etwa 124 Millionen Kinder und Jugend­liche adipös und weitere 213 Millionen übergewichtig. Mit jeder Generation wird sich die Problematik noch verschärfen, denn übergewichtige Kinder sind häufig auch im Erwachsenenalter noch zu dick. Wenn übergewichtige Frauen Kinder kriegen, haben diese ein zwei- bis dreifach erhöhtes ­Risiko, ebenfalls dick zu werden (lesen Sie dazu auch Adipositas: Beginn im Mutterleib).

 

Daran sind nicht oder nur in geringem Maße die Gene schuld. Vielmehr wird das Kind bereits im Mutterleib auf eine adipöse Stoffwechsellage ­geprägt. Besonders negativ scheint sich nach bisherigem Kenntnisstand ein Gestationsdiabetes auszuwirken. Noch sind die zugrundeliegenden Mechanismen nicht vollständig verstanden. Fest steht jedoch, dass Präventionsmaßnahmen schon sehr früh ansetzen müssen, quasi schon im Bauch der Mutter, und auch nach der Geburt weitergehen müssen. Dabei wäre es wünschenswert, dass das Schicksal des Kindes nicht von engagierten Ärzten und aufgeklärten Eltern abhängt, sondern dass Risiko­kinder mittels strukturierter Präventionsprogramme identifiziert und ihr Adipositasrisiko gesenkt würde.

 

Denn eine Adipositas zu verhindern ist effizienter, als sie zu therapieren. Wirksame Therapieoptionen für krankhaftes Übergewicht gibt es fast nicht. Eine Ausnahme bildet die Adipositaschirurgie, die nicht nur das Gewicht senkt, sondern auch die Stoffwechsellage des Patienten umfassend und langfristig verbessert (lesen Sie dazu auch Bariatrische Operation: Das metabolische Syndrom operieren). Das zeigen auch aktuelle Langzeitdaten einer US-Studie. Ihnen zufolge war bei der Hälfte der ehemals adipösen und diabetischen Patienten zwölf Jahre nach einer bariatrischen Operation der Diabetes in Remission.

 

Das sind zwar erfreuliche Ergebnisse, doch eine Lösung für das Adipositasproblem kann die Chirurgie wegen ihrer doch vergleichsweise hohen Risiken natürlich nicht sein. Hier braucht es andere Wege, Forschung zu neuen Pharmazeutika, aber vor allem auch präventive Ansätze.

 

Christina Hohmann-Jeddi

Ressortleitung Medizin



Beitrag erschienen in Ausgabe 45/2017

 

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