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Midostaurin: Neue Option für AML-Patienten

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Midostaurin: Neue Option für AML-Patienten
 


Mit Midostaurin (Rydapt®) gibt es erstmals eine zielgerichtete Therapie für Patienten mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML), die Mutationen im FLT3-Gen aufweisen. Dies sind etwa 30 Prozent der Patienten. «FLT3-Mutationen sind mit einer schlechten Prognose verbunden», erklärte Professor Dr. Hartmut Döhner, Ulm, bei der Einführungspressekonferenz der Novartis Pharma in München.

 

Die Standard-Behandlung dieser AML-Form besteht aus einer intensiven Chemotherapie mit Anthracyclinen und Cytarabin. Midostaurin kommt nun zu diesem Therapieschema hinzu. Es gehört zur ersten Generation der FLT3-Inhibitoren, die nicht sehr selektiv diverse Tyrosinkinasen hemmen. Vorteil für die Patienten: Sie können den Multikinase-Hemmer zweimal täglich oral mit Nahrung einnehmen.

 

Die Zulassung basiert auf einer internationalen Phase-III-Studie RATIFY (Randomized AML Trial in FLT3 in patients ≤ 60 Years old), an der 717 erwachsene Patienten bis 60 Jahren teilnahmen. Eine Gruppe erhielt eine Standardchemotherapie aus Daunorubicin und Cytarabin zur Induktion, gefolgt von einer Hochdosistherapie mit Cytarabin zur Konsolidierung, jeweils plus Midostaurin. Anschließend folgte eine Monotherapie mit Midostaurin in der Erhaltung für maximal zwölf Zyklen. Die andere Gruppe erhielt die Standardchemotherapie plus Placebo zur Induktion und zur Konsolidierung sowie Placebo in der Erhaltung für ebenfalls maximal zwölf Zyklen. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (overall survival, OS). Sekundäre Endpunkte waren unter anderem das ereignisfreie Überleben (event-free survival, EFS).

 

«Das mediane Gesamtüberleben lag im Midostaurin-Arm bei 74,7 Monaten und im Placebo-Arm bei 25,6 Monaten», berichtete der Onkologe. Auch das EFS war signifikant länger. Das Vier-Jahres-Gesamtüberleben lag unter Midostaurin bei 51,4 Prozent versus 44,3 Prozent unter Placebo. Wichtig war, dass der Effekt des Kinasehemmers in allen FLT3-Subgruppen zu beobachten war, betonte Döhner. Das Nebenwirkungsspektrum sei relativ günstig.

 

Eine eigene Studie lege nahe, dass auch ältere Patienten (über 60 Jahren) von dem Kinasehemmer profitieren, berichtete der Arzt. Zudem soll in einer randomisierten Studie der Nutzen von Midostaurin bei AML-Patienten mit FLT3-Wildtyp untersucht werden.

 

Der neue Arzneistoff ist zudem die erste zugelassene Therapie für drei Formen der fortgeschrittenen systemischen Mastozytose. Die Monotherapie bewirke eine deutliche Reduktion der Beschwerden, der Mastzellkonzentration im Rückenmark und der Organdysfunktionen, erziele aber keine komplette Remission, berichtete Professor Dr. Georgia Metzgeroth, Mannheim. Als Nebenwirkungen traten Übelkeit und Erbrechen auf. Die prophylaktische Gabe von Antiemetika wie Ondansetron konnte das Übel lindern. (bmg)

  

Doi: 10.1056/NEJMoa1614359. Epub 2017 Jun 23.

 

19.10.2017 l PZ

Foto: Fotolia/crevis

 

 

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