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Froese: Versandhandel zerstört mühsam etablierte AMTS

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Froese: Versandhandel zerstört mühsam etablierte AMTS
 


Die Digitalisierung wird zunehmend als Pseudo- und Totschlagargument missbraucht und zur Gefahr für das bewährte deutsche Gesundheits- und Apothekenwesen, sofern nicht entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Das konstatierte der Vorsitzende des Landesapothekerverbands Schleswig-Holstein, Dr. Peter Froese, bei der LAV-Mitgliederversammlung am 11. Oktober 2017 in Kiel.

«Was einst als nutzbringende Technik begonnen hat, wird von interessierten Kreisen immer öfter als Feigenblatt für banale Geschäftsmodelle und den disruptiven Umbau bestehender Versorgungs-Systeme benutzt», warnte er mit Verweis unter anderem auf den «pharmazeutisch höchst problematischen Versand» von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.

«Fernversorgungsgeschäftsmodelle zerstören die sich in Deutschland gerade mühsam etablierende Arzneimitteltherapiesicherheit», kritisierte der Verbandschef. «Aus rein pekuniären Interessen werden Patienten durch Gewährung von fragwürdigen Geldvorteilen dazu verführt, die hier sicheren Pfade der Arzneimittel-Versorgung zu verlassen.»

Nicht zufällig, so Froese, hat der deutsche Gesetzgeber vorgegeben, dass der Versand gerade von Rx-Medikamenten nur aus Ländern mit vergleichbaren Sicherheitsstandards erfolgen darf. Nicht nur, dass diese Vorgabe ganz offensichtlich nicht erfüllt wird. Auch seien die diversen Versorgungssysteme so unterschiedlich, dass ein Vergleich von vornherein unmöglich ist.

Froese betonte, dass das deutsche Arzneimittelversorgungssystem auf dem sogenannten Ad-nunc-, sprich: «Hier und jetzt»-Prinzip, also der sofortigen Abgabe der ärztlich verordneten Medikamente seitens der Apotheke bei Vorlage des Rezepts beruht. Obwohl die Einnahme indizierter Medikamente bei spezifischen Krankheiten und Symptomen oftmals ohne Zeitverzug erfolgen muss, da es anderenfalls zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann, sei dieses Prinzip in vielen Ländern durchaus nicht immer gängig.

Auch und gerade die verzögerte Arzneimittel-Belieferung als spezifisches Charakteristikum des Versandhandels sei mit Blick auf die in Deutschland gängige Arzneimittel-Versorgung «systemfremd» und dürfe nur als absolute Ausnahme gelten. Ein Festhalten an dem von Bundesgesundheitsminister Gröhe geforderten Rx-Versandverbot sei somit unumgänglich.  

Froese zeigte im weiteren Verlauf seiner Ausführungen auf, dass sich die Digitalisierung im Gesundheits- und Apothekenwesen grundsätzlich am Wohl und Nutzen für den Patienten orientieren muss. Der Patientenschutz sowie die informelle Selbstbestimmung und die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen müssten stets gewährleistet sein.

«Allen Gegenkräften zum Trotz betrachten wir Apotheker es daher als unsere oberste Aufgabe, für absolute Sicherheit in der Datenkommunikation zu sorgen», machte der LAV-Vorsitzende deutlich. Die Pharmazeuten seien auf einem guten Weg, da sie mit einheitlichen Datenbanken und prozessidentischen Warenwirtschaftssystemen arbeiten und somit einem Datenmissbrauch von vornherein entgegenwirken, sagte er. «Wir wollen und werden diesen Weg weitergehen und verfolgen nicht etwa Digitalisierung um jeden Preis.»

Froese betonte des Weiteren, dass vor diesem Hintergrund auch die drängende Frage nach der Fortentwicklung der Honorierung der Apotheker zu betrachten sei. Der schleichende Prozess der Konzentration im Apothekenmarkt habe nichts von seiner Dramatik verloren. Die chronische Unterfinanzierung und Abkopplung der Apotheke von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung sei ungebrochen, auch wenn einzelne kleine Schritte wie Einführung des Nacht- und Notdienst-Fonds, der Rezepturvergütung oder der Dokumentationspauschalen in die richtige Richtung weisen.

«Wir Apotheker stehen vor großen Herausforderungen», so der LAV-Vorsitzende abschließend mit Blick auch auf Zukunftsaufgaben wie Gewährleistung des pharmazeutischen Nachwuchses beziehungsweise Erhalt der Freiberuflichkeit trotz des steten Gegendrucks der EU-Kommission. Vor allem gelte es, das Gesundheits- und Apothekenwesen aus den Zwängen des «bürokratischen, motivationszerstörenden und fast schon pathologischen Sparwahns» der Krankenkassen zu befreien. (cb)

12.10.2017 l PZ

Foto: PZ/Christiane Berg

 

 

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