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Selbstmedikation: Verbraucherschützer fordert mehr Beratung

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Selbstmedikation: Verbraucherschützer fordert mehr Beratung
 


Um ihre Rolle als zentrale Anlaufstelle bei der Selbstmedikation zu erhalten, sollten Apotheker noch stärker auf eine gute Beratung setzen. Darauf hat heute der Verbraucherschützer Kai-Helge Vogel hingewiesen. Beim OTC-Gipfel in Düsseldorf, zu dem der Apothekerverband Nordrhein eingeladen hatte, hob der Leiter des Gesundheitsteams beim Bundesverband der Verbraucherzentralen hervor, wie wichtig der heilberufliche Gedanke im Umgang mit Apothekenkunden ist.

«Apotheker sind unverzichtbar bei pharmakologischen Fragen, daran hege ich keinen Zweifel», sagte Vogel. Zugleich stünden Apotheker aber in jedem Einzelfall vor «einer schweren grundlegenden Entscheidung bezüglich ihres Agierens: als Heilberufler oder als Verkäufer?». Um diesen Spagat auszuhalten, müssten die Apotheker sich auf die Beratungsleistung konzentrieren. «Beratung ist Ihre große Stärke, nutzen Sie sie», sagte Vogel zum Publikum.

«Selbstmedikation ist die Königsdisziplin der Apotheke, die es auszubauen gilt», zitierte Vogel ein Statement, das DAV-Chef Fritz Becker unlängst bei der Expopharm in Düsseldorf geäußert hatte. Dem könne er anstandslos zustimmen, so Vogel, zumal Statistiken zufolge mehr als die Hälfte der Patienten große Schwierigkeiten damit hätten, Gesundheitsinformationen zu begreifen. Wer einen Beipackzettel nicht verstehe, könne die Risiken der Medikation nicht abschätzen. «Deshalb sollten die immer wiederkehrenden Meldungen über den zu sorglosen Umgang mit rezeptfreien Medikamenten uns aufhorchen lassen», so Vogel. «Es gibt offensichtlich ein starkes Bedürfnis nach Information.»

 

Apotheker sollten das Vertrauen, das ihnen von vielen entgegengebracht wird, zur Aufklärung nutzen. Welche Wege würden ratlose Patienten ansonsten gehen? «Sie besuchen Internetforen und beraten sich selbst», warnte Vogel. Dort seien erfahrungsgemäß nur wenige Experten unterwegs, weshalb sich die Laien-Kommentare zum Beispiel über Paracetamol von «Teufelszeug» bis «Wundermittel» erstrecken könnten – «keine wirkliche Hilfe», wertete der Verbraucherschützer.

Aus Sicht der Verbraucher stellen sich OTC-Präparate durchaus zweischneidig dar, so Vogel weiter. Einerseits entlasteten sie die Solidargemeinschaft, weil sie privat bezahlt werden. Dass sie grundsätzlich von der Erstattung ausgeschlossen sind, sei aber auch problematisch. «Kosten für OTC sind de facto eine Belastung, gerade für sozial Benachteiligte», erklärte Vogel. In vielen Fällen werde «Verzicht geübt aus finanziellen Aspekten», gerade bei Allergie- und Schmerzmitteln. «Das ist nicht im Sinne des Verbrauchers», kritisierte Vogel.

Es gelte, diese Regelung zu prüfen, «zumal es eine politische Entscheidung war», sagte Vogel. Man müsse sich fragen, wie sinnvoll eine Entlastung der Solidargemeinschaft ist, wenn sie letzten Endes zu Lasten des einzelnen Patienten geht. «Unser Credo ist: Sinnvolle Leistungen sollten allen GKV-Versicherten zur Verfügung stehen», sagte der Verbraucherschützer. (cd)

 

12.10.2017 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller

 

 

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