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Forscher: Grippeimpfung auch für Kinder sinnvoll

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Forscher: Grippeimpfung auch für Kinder sinnvoll
 


Bei der Übertragung der Krankheit spielen Kinder eine Schlüsselrolle. Deshalb sollten sie nach Ansicht eines Grippeforschers geimpft werden. «Kinder sind in besonderem Maße von der Grippe betroffen. Deshalb ist es wichtig, sie zu impfen», erklärte Timo Vesikari von der Universität Tampere der Deutschen Presse-Agentur dpa am Rande einer internationalen Grippekonferenz in Riga. Nur so könnten sie vor verschiedenen möglichen Komplikationen geschützt werden. Zudem würden damit auch andere geschützt. «Kinder sind die Hauptüberträger des Virus innerhalb der Gesellschaft», sagte Vesikari.

 

Der Wissenschaftler stellte bei der Konferenz in Riga das Ergebnis einer Studie mit gut 10.000 Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren vor. Davon bekam eine Hälfte einen herkömmlichen Impfstoff und die andere einen Impfstoff mit dem Adjuvans MF59 verabreicht. «Das Ergebnis war, kurz gesagt, dass der adjuvantierte Impfstoff für die Altersgruppe 6 bis 24 Monate besser war. Für ältere Kinder ergab er jedoch keinen zusätzlichen Vorteil», sagte Vesikari über die von ihm gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Finnland, den USA, den Philippinen und des Impfstoffherstellers Seqirus durchgeführten Studie. Die Phase-III-Studie wurde während der Grippesaison 2013/2014 und 2014/2015 in neun Ländern durchgeführt. Dabei zeigten beide Impfstoffe ein ähnliches Sicherheitsprofil. Für die Kleinkinder zeigte das Vakzin mit Verstärker den Ergebnissen zufolge aber eine höhere Wirksamkeit.

 

Grippe-Schutzimpfungen für Kinder sind international umstritten. Einige Länder wie Lettland und Vesikaris Heimatland Finnland empfehlen, Kleinkinder generell zu impfen. In Deutschland wird eine Impfung für Kinder und Jugendliche nur dann empfohlen, wenn sie erhöhte Risiken aufweisen, etwa aufgrund chronischer Krankheiten. «Eine flächendeckende Grippe-Schutzimpfung von Kindern kann über den individuellen Schutz hinaus auch die Ansteckungsgefahr für Erwachsene reduzieren», so Gerhard Falkenhorst vom Robert-Koch-Institut. Dafür müssten aber weniger die bis Fünfjährigen, sondern vor allem Schulkinder geimpft werden, weil diese die Viren besonders stark verbreiteten.

 

Für gezielte Impfkampagnen, wie sie beispielsweise an britischen Schulen durchgeführt würden, seien Lebendimpfstoffe mit abgeschwächten Viren besonders vorteilhaft, erklärte der RKI-Experte. Man könne sie als Nasenspray verabreichen, während der neue adjuvantierte Impfstoff wie andere herkömmliche Impfstoffe gespritzt werden müsse. Allerdings gebe es bei den Lebendimpfstoffen zur Zeit noch offene Fragen zur Wirksamkeit gegen den besonders häufigen Virustyp A/H1N1, der zusammen mit A/H3N2 der häufigste Virustyp sei.
 

11.10.2017 l dpa

Foto: Fotolia/kerkezz

 

 

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