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Bittersüße Wahrheit

EDITORIAL

 

Bittersüße Wahrheit

Süß gleich gut: Das lernt der Mensch gleich nach seiner Geburt mit dem ersten Schluck Muttermilch. Diese Prägung hat lange Bestand, und Kinder lassen sich meist nur widerstrebend davon überzeugen, dass auch weniger Süßes, Salat zum Beispiel, gegessen werden sollte. Gut, wenn ­Eltern diese mühevolle Überzeugungsarbeit leisten, denn eine ungebremste Vorliebe für Süßes führt auf Dauer fast zwangsläufig zu Über­gewicht, Lipidstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus. Die Kalibrierung des Geschmacks auf ein Normalmaß an Süße fällt jedoch schwer, wenn sehr viele Nahrungsmittel süßer schmecken, als sie eigentlich ­sollten.

 

Der hohe Zuckergehalt vieler Lebensmittel ist zweifelsohne ein Grund dafür, dass die Bewohner der westlichen Welt immer dicker werden. Die physiologischen Zusammenhänge erklären wir in diesem Schwerpunktheft in dem Beitrag Zuckerkonsum: Wie Fructose den Stoffwechsel stört. Den Zucker einfach durch einen Süßstoff zu ersetzen, löst das Problem allerdings nicht, denn ob die kalorienfreien Süßungsmittel tatsäch­lich beim Abnehmen helfen, ist umstritten (Lesen Sie dazu auch Gewichtsreduktion: Süßstoff als Helfer oder Hindernis?). Mit den ­Folgen jahrelanger Fehlernährung haben sich Apotheker häufig ausein­anderzusetzen, nämlich immer dann, wenn sie Typ-2-Diabetiker zu ihrer Medikation beraten (Lesen Sie dazu auch Diabetes-Medikamente: Große Auswahl an Wirkstoffen).

 

Ein hoher Zuckerverbrauch ist ein wichtiger, aber nicht der einzige ­Faktor, der zur Entwicklung von Übergewicht beiträgt. Die Bundes­regierung hat deshalb einen Entwurf einer Nationalen Strategie für die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten entwickelt (Lesen Sie dazu auch Zuckerreduktion: Süßes bekommt Saures). Dieser ist jedoch umstritten – den einen geht er nicht weit genug, weil er keine Sanktionen vorsieht, andere bemängeln eine ungerechtfertig­te Verteufelung einzelner Nahrungsbestandteile. Die Schwierigkeit besteht darin, dass es bei diesem komplexen Thema keine einfachen Antworten gibt. Ob die individuelle Energiebilanz positiv ausfällt, hängt schließlich nicht nur von der Ernährung, sondern auch von der Bewegung ab. Wer sich grundsätzlich ausgewogen ernährt und viel bewegt, kann sich auch ab und zu einen Ausrutscher erlauben. Die bitter­süße Wahrheit ist jedoch, dass dieses Konzept für viele Menschen zu unbe­quem, zu komplex oder sogar beides ist.

 

Annette Mende 

Redakteurin Pharmazie 


  • Außerdem in dieser Ausgabe...


Beitrag erschienen in Ausgabe 41/2017

 

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