Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Der Weg zum Master

CAMPUS

 
Zusatzqualifikation

Der Weg zum Master

von Sven Siebenand, Eschborn

 

Während viele Pharmaziestudenten froh sind, wenn sie die Approbation in der Tasche haben, können andere vom Studieren gar nicht genug bekommen. An vielen Universitäten im In- und Ausland werden Aufbaustudiengänge für Pharmazeuten zum Erwerb von Zusatzkenntnissen in anderen Fachrichtungen angeboten.

ANZEIGE

 

Grundsätzlich können diese Angebote berufsbegleitend oder in Vollzeit als Zweit- oder Postgraduiertenstudium absolviert werden. Der Abschluss »Master of Business Administration« (MBA) hat sowohl in Deutschland als auch im Ausland einen guten Ruf. Zum Beispiel schließt der Studiengang »Management ambulanter und integrierter medizinischer Versorgung« an der Universität Lübeck mit diesem Titel ab. In dem berufsbegleitenden Studium werden über vier Semester medizinische, ökonomische und organisatorische Prozesse im Gesundheitswesen gelehrt. Die Teilnehmer qualifizieren sich für die Übernahme von Management- und Controllingfunktionen. Vor allem in Bereichen, in denen sowohl wissenschaftliche als auch wirtschaftliche Kompetenzen gefragt sind, haben Absolventen gute Beschäftigungschancen, zum Beispiel bei Krankenkassen, Versicherungen, Krankenhäusern oder in der pharmazeutischen Industrie.

 

Gesundheitsmanagement

 

Ebenso gute Aussichten verspricht die Ausbildung zum Health-Care-Manager. Viele Universitäten bieten einen entsprechenden MBA-Studiengang an. So bietet das Institute of Management and Technology in Stuttgart den berufsbegleitenden Masterstudiengang »MBA Health Care Managemen« an. Studenten erlernen Methoden aus Betriebswirtschaft, Gesundheitsökonomie und -recht. Zum »Praktischen Betriebswirt für die Pharmazie« bildet die Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker GmbH an der Universität Bayreuth aus.

 

Einen anderen Schwerpunkt setzt die Fachhochschule Magdeburg-Stendal im Studiengang »Health Promotion - Gesundheitsförderung«. Die Teilnehmer lernen deutsche und europäische Konzepte der Gesundheitsförderung kennen.

 

Consumer-Health-Care

 

Die Humboldt-Universität Berlin bietet das berufsbegleitende, dreisemestrige Teilzeitstudium »Consumer-Health-Care« an. Neben interdisziplinärem Basiswissen berücksichtigt dieser Studiengang vor allem das Zusammenspiel aller Gesundheitspartner, die an der Arzneimittelversorgung beteiligt sind. Im Mittelpunkt stehen Wandlungsprozesse auf den Gesundheitsmärkten und die Konsequenzen, die sich daraus für die Patienten ergeben. Absolventen qualifizieren sich für Aufgaben in der Arzneimittelindustrie oder in der Gesundheitsversorgung.

 

Arzneimittelentwicklung

 

Wem betriebswirtschaftlich geprägte Studiengänge nicht zusagen, der kann beispielsweise den Masterstudiengang »Pharmaceutical Medicine« an der Universität Duisburg-Essen belegen. Die Studenten erwerben die Qualifikation, an der Erforschung, Entwicklung und Überwachung von Arzneimitteln und Medizinprodukten mitzuwirken. Der Postgraduierten-Studiengang deckt das breite Spektrum der bei der Arzneimittelentwicklung anfallenden Aktivitäten ab. Zulassungsbedingung ist wie bei den meisten anderen Aufbaustudiengängen ein naturwissenschaftliches oder medizinisches Studium und mindestens ein Jahr Berufspraxis. Das Studium endet nach zwei Jahren mit einer Abschlussarbeit. Erfolgreiche Absolventen können zum Beispiel bei Arzneimittelherstellern oder in Gesundheitsministerien Beraterposten übernehmen.

 

Auf ins Ausland

 

Die Universität Tübingen bietet einen Kurs für Krankenhaus- und Offizinapotheker an, die ihre Patienten stärker klinisch-pharmazeutisch betreuen wollen. Mit Unterstützung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg werden pro Jahr maximal 20 Teilnehmer zum Kurs »Clinical Pharmacy« zugelassen. Nach erfolgreichem Abschluss verleihen die Universität Tübingen und die School of Pharmacy in London das »Certificate in Pharmacy Practice«. Dieses wird als Teilnahmevoraussetzung für das Postgraduiertenprogramm der London School of Pharmacy anerkannt.

 

Die Universität Gainesville in Florida kooperiert mit den Apothekerkammern Bayern und Nordrhein. In der Klinischen Pharmazie bietet die US-Universität für deutsche Apotheker einen berufsbegleitenden Working-Professional-PharmD-Studiengang (WPPD) an. In dem dreijährigen, englischsprachigen Studium werden arzneimittelbezogene Probleme analysiert und patientenorientierte Interventionen und Lösungsvorschläge erarbeitet. Das Studium setzt sich zusammen aus Präsenzveranstaltungen in den USA und Deutschland, E-Learning und Telefonkonferenzen. Die Prüfungen finden sowohl theoretisch als auch praktisch (Clinical Practice Assessements) statt.

 

»Der PharmD-Abschluss erhöht die Chancen, im Bereich Klinische Pharmazie zu arbeiten«, sagt Dr. Sonja Mayer, die das Pilotprojekt in den Jahren 2002 bis 2005 von Seiten der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK) betreute. »In erster Linie qualifizieren sich die Studenten für das Krankenhaus, aber auch ein Job an der Universität, in einer auf Pharmazeutische Betreuung spezialisierten Apotheken oder als Lehrkraft sind denkbar«, so Mayer weiter. »Der Titel PharmD ist gerade bei international arbeitenden Unternehmen der Pharmaindustrie bekannt und erhöht meines Erachtens die Einstellungschancen«, fügt Apothekerin Monika Trojan, die den Studiengang bereits erfolgreich abgeschlossen hat, hinzu. Den durchschnittlichen Arbeitsaufwand für das Studium schätzt sie auf circa 15 Stunden pro Woche. Am 25. Februar findet in München das nächste Orientierungstreffen zum WPPD-Programm statt. Interessierte können sich bei Dr. Sonja Mayer von der BLAK unter sonja.mayer(at)blak.aponet.de anmelden.

 

Epidemiologie

 

Seit dem Wintersemester 2004/2005 bietet das Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universität Mainz ein Aufbaustudium »Epidemiologie« mit dem Abschluss »Master of Science« an. Ziel ist es, den Absolventen detaillierte Kenntnisse analytisch-epidemiologischer Methoden zu vermitteln und neue Beschäftigungsperspektiven im Gesundheitswesen zu eröffnen. Der Studiengang setzt sich aus Modulen zusammen (fünf neuntägige Pflichtmodule und mindestens vier fünftägige Wahlmodule), dauert in der Regel zwei Jahre und kann berufsbegleitend absolviert werden. Auch die kooperierenden Hochschulen Bielefeld, Berlin und München bieten den »Master of Science in Epidemiology« an.

 

Drug Regulatory Affairs

 

An Apotheker, die eine Tätigkeit in der Zulassung anstreben oder ausüben, richtet sich der international ausgerichtete Studiengang »Master of Regulatory Affairs« an der Universität Bonn. Know-how zu Zulassungs-Dokumentation, Zulassungsstrategien und pharmazeutischem Recht werden darin vermittelt. Die Ausbildung dauert mindestens ein Jahr und gliedert sich in zwölf Module. Unter anderem beinhaltet es ein sechsmonatiges Praktikum in der Zulassungsabteilung eines Pharmaunternehmens.

 

Pharmaziegeschichte

 

Historisch Interessierte können zum Beispiel in Marburg, Heidelberg und Braunschweig ein Aufbaustudium »Pharmaziegeschichte« beginnen. Im Anschluß an das dreisemestrige Aufbaustudium besteht die Möglichkeit, eine pharmazie- oder naturwissenschaftshistorische Dissertation zu erarbeiten und diese mit der Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften abzuschließen. Das Studium vermittelt geisteswissenschaftliche Methoden und gibt einen Überblick über die Geschichte der Pharmazie. An der Universität Marburg sind die Unterrichtszeiten so günstig gelegt, dass auch berufstätige Apotheker daran teilnehmen können.

 

Radiopharmazie

 

In der Schweiz bietet das Zentrum für Weiterbildung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ein Nachdiplomstudium »Humanernährung« und einen Zertifikatslehrgang »Radiopharmazie« an. Im Blockunterricht erlernen die Teilnehmer vertiefte Kenntnisse in Herstellung und Qualitätskontrolle radioaktiver Arzneimittel.

 

Links zu diesen und weiteren Aufbau- und Ergänzungsstudiengängen finden Sie unter www.apothekenberufe.de/apotheker/links.htm.


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2006

 

Das könnte Sie auch interessieren

 




PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 




ARCHIV DER HEFT-PDF

 
PDF der Druckausgabe zum Download
 







DIREKT ZU