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Selbstmedikation: Evidenz ist wichtig

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Selbstmedikation: Evidenz ist wichtig
 


Eine evidenzbasierte Selbstmedikation ist für die Apothekenpraxis wichtig. Darin waren sich die Gesprächspartner einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Messe Expopharm in Düsseldorf einig. «Es gibt viele Patienten, die ihre Selbstmedikation kritisch hinterfragen, für diese ist es wichtig, dass wir in der Apotheke harte Fakten liefern können», betonte Claudia Hecker, Offizinapothekerin aus Düsseldorf. Zudem sei es auch für das Gespräch mit Ärzten von großem Wert, wenn Apotheker über die Studienlage Bescheid wüssten.

 

Aus Sicht von Dr. Tobias Mück, Industrieapotheker bei Sanofi-Aventis, muss die evidenzbasierte Selbstmedikation die Zukunft in den deutschen Apotheken sein. Das Wissen um die Evidenz ermögliche es überhaupt erst, die Therapie auszuwählen, die die größte Aussicht auf Erfolg hat. Mück fügte aber hinzu, dass zur externen Evidenz noch die interne Kompetenz der Apothekers hinzukommen muss, indem dieser einen Patienten zum Beispiel zur Anwendung eines Medikaments berät.

 

Professor Dr. Thilo Bertsche von der Universität Leipzig glaubt, dass die evidenzbasierte Selbstmedikation eine Berufsperspektive für den Apothekernachwuchs darstellen kann. «Die Selbstmedikation liegt uns in Leipzig in der Ausbildung sehr am Herzen», so der klinische Pharmazeut. Bertsche machte ferner deutlich, dass evidenzbasierte Selbstmedikation auch ein Thema für die Fortbildung ist. Er informierte ferner über den digitalen Newsletter Evi-News der Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker und der ABDA, der Apotheker in die Lage versetzen soll, Daten kritisch zu bewerten. Das Projekt wird redaktionell vom Institut für Pharmazie der Universität Leipzig in Verbindung mit dem Zentrum für Arzneimittelsicherheit der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig betreut. Laut Bertsche ist es ein weiteres Ziel des Newsletters, verfügbare Daten aus Reviews und Metaanalysen so aufzuarbeiten, dass sie in der Apothekenpraxis von den Kollegen genutzt werden können.

 

«Wir müssen uns in der Selbstmedikation profilieren und diese muss immer stärker in den Fokus rücken», sagte auch Fritz Becker, der Vorsitzende des Deuschen Apothekerverbands (DAV). Er warb dafür, auch die sogenannten Switches, also den Wechsel eines Wirkstoffs von der Rezept- in die Apothekenpflicht, weiter voranzutreiben. So sei zum Beispiel das häufig bei Harnwegsinfektionen eingesetzte Antibiotikum Trimethoprim in vielen Ländern bereits ohne Rezept erhältlich. «Das sollten wir auch in Deutschland mal anpacken», sagte Becker. Offene Türen läuft er mit diesem Vorschlag beim Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), Dr. Martin Weiser, ein. «Switches können eine große Chance für Apotheken sein», sagte Weiser. Er hatte nicht nur das Beispiel Trimethoprim parat. Weiser kann sich auch den Einsatz eines topischen Antibiotikums bei Augenentzündungen in der Selbstmedikation sehr gut vorstellen.

 

Für Becker ist die Selbstmedikation die Königsdisziplin in der Apotheke. Diese gelte es auszubauen. Der DAV-Vorsitzende erinnerte aber auch daran, dass die Selbstmedikation ihre Grenzen hat. Apotheker seien auch gefordert, rechtzeitig an den Arzt zu verweisen, wenn diese Grenze überschritten ist. (ss) 

 

Mehr zum Deutschen Apothekertag 2017

 

13.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/goodluz (Symbolbild)

 

 

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