Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Das Richtige zur richtigen Zeit tun

EDITORIAL

 
Das Richtige zur richtigen Zeit tun

In diesen Tagen laufen die abschließenden Beratungen über das AVWG, das bereits zum 1. April in Kraft treten soll. Keine Frage: Das Gesetz belastet uns erheblich. Obwohl wir Verständnis für die Finanzierungsprobleme im Gesundheitssystem haben, leuchten manche Inhalte und Ziele dieses Gesetzes nicht ein.

 

Das AVWG steht in einer Reihe mit all den anderen Spargesetzen, die in den vergangenen Jahren immer nur die Vorstufe sein sollten für die unbedingt nötige Reform der Finanzierungsseite der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Was kam, war keine Reform, sondern eine Flut von weiteren Spargesetzen.

 

Die ABDA, aber auch die Landesorganisationen, die Kammern und Verbände, haben in den vergangenen Wochen und Monaten Einfluss genommen und Kritik geübt. Wir haben mit Parteien, Fraktionen und Abgeordneten gesprochen und Überzeugungsarbeit geleistet. Dies praktizieren wir nicht mit Posaunen und Trommelwirbel. Das mag kurzfristige Aufmerksamkeit erzeugen, wird aber den Hauch des Populismus nicht los.

 

Manche Kollegen sind der Ansicht, man solle jetzt noch schnell den Lautstärkeregler nach oben ziehen. Sie fordern, wir sollten auf die Straße gehen, sollten demonstrieren, unsere Apotheken dicht machen, der Öffentlichkeit Wut und Frust nahe bringen.

 

Man kann dieser Meinung sein. Man kann und sollte aber anders vorgehen. Überlegter, besonnener und auch strategischer. Was spricht dagegen? Wir sollten sorgsam abwägen, was wir mit Demonstrationen, lautstark vorgetragenen Forderungen, öffentlichen Klagen bewegen. Natürlich stellt sich die Frage, ob die jüngsten Aktionen von Ärztinnen und Ärzten ein Beispiel für uns sind. Dass von Ärzteverbänden in Auftrag gegebene Umfragen vor den Demonstrationen eine Sympathie für die Streiks ergaben, war wenig überraschend. Allerdings haben Umfragen von Medien nach den Streiks ergeben, dass, jenseits der Sympathie, die Menschen der Ansicht waren, Mediziner seien ausreichend honoriert.

 

In einer Zeit, in der Streiks wieder in Mode kommen, wird der öffentliche und auch der politische Zuspruch für Streikende nicht weiter zunehmen. Die politische und gesellschaftliche Realität sieht anders aus. Bei allem Ärger über das Gesetz und diejenigen, die es durchsetzen wollen: Diese und andere Fragestellungen müssen wir abwägen. Trotzdem haben wir alle die Chance, täglich zu demonstrieren. Die Demo beginnt in unseren Apotheken morgens mit dem ersten Kunden, entwickelt sich über den letzten Kunden und erreicht ihren Höhepunkt zum Beispiel im Nacht- oder Notdienst. Hier haben wir die Chance, unseren Patientinnen und Patienten deutlich zu machen, wie wichtig die freiberufliche, unabhängige Apotheke ist; aber eben auch, wie wichtig uns Zuspruch, Nähe und Beratung sind.

 

Im Übrigen müssen wir uns fragen, wann wir gezielt welche Mittel der Kritik, auch des Protests nutzen wollen. Eine Demonstration, gar ein Streik, sind als Mittel des Protests kaum steigerbar. Der Ärger über die Belastungen dieses neuen, inhaltlich unsinnigen Spargesetzes steckt in uns allen. Es gilt jetzt, diesem Ärger Luft zu machen, aber eben den derzeit richtigen Weg zu wählen. Wir müssen den Wert unserer Arbeit, deren Sinn, unsere Leistungsbereitschaft und auch unsere Ideen in die Diskussion einbringen. Dabei sollten wir nicht der Illusion erliegen, dass ein Übermaß an Druck automatisch zu Erfolg führt.

 

Heinz-Günter Wolf

Präsident der ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2006

 

Das könnte Sie auch interessieren

 




PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 




ARCHIV DER HEFT-PDF

 
PDF der Druckausgabe zum Download
 







DIREKT ZU