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Wo das Geld hingeht

POLITIK

 
Arzneimittelausgaben

Wo das Geld hingeht

von Conny Becker, Berlin

 

Vergangene Woche war der Anstieg bei den Arzneimittelkosten erneut Thema in den Medien. Dass hier nicht die Apotheken, sondern vor allem die Industrie profitierte, machten ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seitz und ABDA-Geschäftsführer Dr. Frank Diener während eines Pressegesprächs in Berlin deutlich.

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Im vergangenen Jahr haben die Krankenkassen laut ABDA-Zahlen 23,4 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben und damit 3,3 Milliarden Euro mehr als 2004. Da jedoch jedes Jahr unterschiedliche gesetzliche Regelungen ihre Effekte bei den Arzneimittelausgaben hinterlassen, sind auch die Jahre 2004 und 2005 nicht uneingeschränkt miteinander vergleichbar, machte Seitz gegenüber Journalisten in Berlin deutlich.

 

Geringe Steigerung seit 2002

 

Nehme man stattdessen das Jahr 2002 als Referenz, ergebe sich eine Steigerung von 6 Prozent. »Das relativiert die Zahl von 16 Prozent«, so der ABDA-Hauptgeschäftsführer. Zudem seien die Zahlungen der Krankenkassen an die Apotheken 2005 niedriger gewesen als im Jahr 2002 und lägen mit weniger als 3 Prozent des Ausgabenvolumens auch unter den GKV-Verwaltungsausgaben. »Dies zeigt, dass die Einführung des Kombimodells einen nachhaltigen Effekt erzielt und die Ausgabensteigerung nicht auf Apotheken zurückgeht.«

 

Fehler in der Prognose

 

Die Detailanalyse hat ergeben, dass der Struktureffekt mit 1,488 Milliarden Euro den größten Einfluss auf die Kostensteigerung hatte, berichtete Diener. Darunter subsumieren sich etwa die Umstellung auf andere Packungsgrößen oder neue Arzneimittel, die zwar nicht immer, aber doch häufig einen Therapiefortschritt bringen. In der Gesundheitspolitik sei der Struktureffekt nie eingeplant gewesen, obwohl hier in der letzten Dekade ein Plus von 5 bis 7 Prozent üblich war, kritisierte der ABDA-Geschäftsführer. Wäre die Strukturkomponente von vornherein berücksichtigt worden, hätte das GMG sein ursprüngliches Ziel nicht so weit verfehlt. Dennoch sieht Diener das GMG nicht als Flopp. Die Vertriebskosten, also die kumulierte Wertschöpfung von Apotheken und Großhandel, lägen »im Plan«. Sie seien sogar stärker zurückgegangen als ursprünglich geplant Von 2002 bis 2005 sanken sie von 6 Milliarden Euro auf 4,9 Milliarden Euro.

 

Gewinner sind ohne Frage die Hersteller: Sie erhielten von der GKV im vergangenen Jahr 15,3 Milliarden Euro, während es 2002 noch 13,1 Milliarden gewesen waren. Der Anstieg im Vergleich zu 2004 (12,9 Milliarden Euro) war allerdings von der Politik »geplant«. Er geht auf die Senkung des Herstellerrabatts zurück, die der Industrie zusätzliche 910 Millionen Euro bescherte.

 

Als weiteren Grund für den Anstieg der Arzneimittelausgaben nannte Diener den beobachteten Verordnungszuwachs um 5 Prozent, der sich damit erklären lasse, dass immer mehr Patienten, die früher ins Krankenhaus eingewiesen worden wären, heute ambulant behandelt werden. Zudem gingen die Menschen heute offensichtllich trotz Praxisgebühr wieder häufiger zum Arzt. Zudem haben der statistische Basiseffekt und eine niedere Zuzahlungsquote bei den Patienten die GKV-Ausgaben in die Höhe getrieben. Preiserhöhungen bei Arzneimitteln ohne Festbetrag und die Absenkung des Apothekenzuschlags haben dagegen nur marginal zu Buche geschlagen. Die neuen Festbegräge haben die GKV gegenüber 2004 um 440 Millionen Euro entlastset, das ist deutlich weniger als geplant.

 

An den Arzneimittelausgaben der GKV partizipiert auch stets der Staat. Er nahm im vergangenen Jahr über die Mehrwertsteuer 3,2 Milliarden Euro ein. Wird diese im kommenden Jahr auch bei Arzneimitteln auf 19 Prozent angehoben, werde dies die GKV-Ausgaben erneut um 650 Millionen erhöhen, rechnete Seitz den Journalisten vor. Würde sie dagegen, wie von der ABDA gefordert, auf 7 Prozent gesenkt, könnten die Kassen 1,8 Milliarden Euro sparen. Für 2006 erwartet der Hauptgeschäftsführer eine deutlich geringere Steigerung der GKV-Ausgaben verglichen mit 2005. Dazu werde auch das Arzneimittelverordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz beitragen. Erhebliche zusätzliche Einsparungen wären seiner Meinung nach möglich, wenn die Aut-idem-Regelung ausgeweitet würde.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2006

 

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