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DAC/NRF-Ergänzungslieferung: Neuer Band, neue Vorschriften

PHARMAZIE

 
DAC/NRF-Ergänzungslieferung

Neuer Band, neue Vorschriften


Von Antje Lein / In der DAC/NRF-Ergänzung 2017/1 dreht sich vieles um den Buchstaben C. Nachdem in den letzten Lieferungen bereits DAC-Monographien für Cannabisblüten und Eingestelltes, raffiniertes Cannabisölharz veröffentlicht wurden, folgen nun fünf Rezepturvorschriften. Ein Stoff mit ganz anderem Einsatz­gebiet ist Captopril, für das eine orale Lösung für die Pädiatrie standardisiert wird. Außerdem gibt es Neuigkeiten zum Coffein.

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Seit März ist in Deutschland die Rezepturverordnung von Cannabisblüten und Cannabisextrakten auf Betäubungsmittelrezept möglich. Welche Darreichungsformen sich durchsetzen werden, ist noch nicht abzusehen. Die Apotheken sind für die Versorgung der Patienten mit insgesamt neun NRF-Rezepturvorschriften zu Cannabis und den Cannabinoid-Wirkstoffen Dronabinol und Cannabidiol jedenfalls vielfältig aufgestellt (siehe dazu Kasten). Die bereits bekannten Dronabinol-Kapseln (NRF 22.7.), Dronabinol-Tropfen (NRF 22.8.) und die Cannabidiol-Lösung (NRF 22.10.) werden durch drei weitere perorale Darreichungen mit Cannabisölharz und Cannabisblüten zur Teezubereitung, sowie drei Rezepturvorschriften für die inhalative Anwendung von Cannabisblüten und Dronabinol ergänzt.




Das DAC/NRF-Loseblattwerk umfasst ­inzwischen sieben Bände.

Foto: DAC/NRF


Captopril ist als ACE-Hemmer der ersten Generation seit Jahren in der Behandlung des Bluthochdrucks und der Herzinsuffizienz etabliert. Pädiater stützen sich in der Behandlung ihrer kleinen Patienten nicht selten auf solche altbewährten Wirkstoffe, da auf einen großen Erfahrungsschatz zurück gegriffen werden kann. Die Rezepturformel der Vorschrift NRF 10.5., Captopril-­Lösung 2 mg/ml, ist im klinischen Alltag bereits etabliert. Der Wirkstoff ist in wässriger ­Lösung sehr oxidations­anfällig und wird deshalb mit Ascorbinsäure stabilisiert. Die Haltbarkeit ist dennoch stark begrenzt. Coffein ist in der Pädiatrie ebenfalls nicht neu. Es wird zur Behandlung von Apnoe-Anfällen bei Frühgeborenen angewendet. Seit 2005 enthält DAC/NRF eine Lösung zum Einnehmen (NRF 3.1.), die bislang auf Coffeincitrat basierte. Diese Rezeptursubstanz ist schon längere Zeit nicht mehr erhältlich. Da nur der Coffein-Anteil wirksam ist, wird dessen Konzentration beibehalten, auf Coffein als Substanz umgestellt und die Nennkonzentration zahlenmäßig halbiert.

 

Der Farbteil bereichert das DAC/NRF-Werk mit Detailabbildungen von Drogenbestandteilen, mikroskopischen Merkmalen und der farbigen Darstellung von Dünnschichtchromatogrammen. Er unterstützt damit vor allem visuell die Eingangsprüfung der Drogen und Drogenauszüge. Da er mit der aktuellen Ergänzungslieferung um neun Einträge wächst und auch in Zukunft kontinuierlich ergänzt werden wird, benötigt er mehr Platz im Loseblattwerk. Deshalb erweitert sich dieses auf nun sieben Ordner. Der bisher auf zwei Ordner aufgeteilte Farbteil wird im Band 5 zusammengeführt. Wer die farbigen Abbildungen benötigt, findet sie nun kompakt an einer Stelle. Gleiches gilt für die Prüfverfahren der Alternativen Identifizierung, die nach der Umsortierung ausschließlich in Band 4 enthalten sind.

 

Hinweise auf bedenkliche Rezepturarzneimittel

 

Neben der Aufnahme neuer Texte, wie der Prüfanweisung zur Alternativen Identifizierung von Hamamelis­rindenfluid­extrakt, wurden einige der Allgemeinen Hinweise, die DAC-Monographien mit dem Buchstaben S und zahlreiche NRF-Rezepturvorschriften überarbeitet. Zu nennen ist besonders die Wiederaufnahme der Empfehlungen der Arzneimittelkommission zu bedenklichen Rezepturarzneimitteln in die Allgemeinen Hinweise I.5. Bei Dexamfetaminsulfat-Tropfen (NRF 22.9.) ist die Konzentrationsangabe von Masse auf Volumen (25 mg/ml) umgestellt, verbunden mit dem Wechsel der Applikationshilfe von Tropfermontur zu Kolbenpipette. Die Entnahme eines definierten Volumens mit der Kolbenpipette ist genauer und zuverlässiger als das Abtropfen, bei dem neben der Tropfermontur auch die Flaschengröße und der Befüllungsgrad Einfluss haben.



Als Diuretikum für die Anwendung in der Pädiatrie ist Furosemid mit zwei ­Rezepturvorschriften in DAC/NRF enthalten. Es handelt sich um eine unkonservierte (NRF 26.1.) und eine konservierte (NRF 26.2.) Lösung. Die Konservierung wird nicht mehr in Form des Konservierten Wassers realisiert, sondern mit einer Methyl-4-hydroxybenzoat-Lösung 0,2 %. Im Gegensatz zu Propylparaben gilt die Methylverbindung als unkritisch hinsichtlich einer etwaigen Hormonwirkung der Para­bene.

 

Glatte statt rauer Schale

 

Die Allgemeinen Hinweise I.9. in DAC/NRF beschäftigen sich mit der Kapselherstellung. Seit 2016 ist darin die massenbasierte Herstellungstechnik im Detail beschrieben, einige Passagen werden zum besseren Verständnis überarbeitet. Zu den in der Praxis bereits lange etablierten volumenbasierten Verfahren zählen die jetzt neu beschriebene »Ergänzungsmethode« und die Kalibriermethode mit Mess­zylinder, die wiederum die Methoden A und B beinhaltet. Beim Kalibrierverfahren wurde der Wirkstoff seit Jahrzehnten in einer rauen Reibschale mit dem Füllmittel verrieben und so gleichzeitig zerkleinert und gemischt. Im Ausland werden die definiert vorbereiteten Bestandteile dagegen in einer glatten Schale gemischt. Dieses Vorgehen wird hierzulande auch in Krankenhausapotheken praktiziert, wie eine Nachfrage ergab. Die raue Schale kann die Pulverbeschaffenheit verändern und erhöht die Wirkstoffverluste. Deshalb ist nun, unabhängig von der Herstellungstechnik, die Mischung des Pulvers immer in der glatten Schale vorgeschrieben.


Übersicht der NRF-Rezepturvorschriften zu

Cannabis, Cannabidiol und Dronabinol

Dronabinol-Kapseln 2,5 mg / 5 mg / 10 mg (NRF 22.7.)

Ölige Dronabinol-Tropfen 25 mg/ml (NRF 22.8.)

Ölige Cannabidiol-Lösung 50 mg/ml (NRF 22.10.)

Ölige Cannabisölharz-Lösung 25 mg/ml Dronabinol (NRF 22.11.)

Cannabisblüten zur Inhalation nach Verdampfung (NRF 22.12.)

Cannabisblüten in Einzeldosen zur Inhalation nach Verdampfung (NRF 22.13.)

Cannabisblüten zur Teezubereitung (NRF 22.14.)

Cannabisblüten in Einzeldosen zu 0,25/0,5/0,75/1 g zur Teezubereitung (NRF 22.15.)

Ethanolische Dronabinol-Lösung 10 mg/ml zur Inhalation (NRF 22.16.)


Inprozessprüfungen bei der Kapselherstellung werden nicht nur sensorisch, sondern auch mithilfe verschiedener Wägungen von Kapselhüllen und befüllten Kapseln ausgeführt. Sie dienen der Berechnung von Masseneinheitlichkeit (Standardabweichung) und Masseverlust. Die bereits im vergangenen Jahr dazu eingeführte Rechenhilfe bei den DAC/NRF-Tools ist jetzt um die Prüfung auf Masserichtigkeit erweitert und enthält zusätzlich ein Arbeitsblatt zur Ansatzberechnung für die massenbasierte Herstellung. Das Arbeitsblatt »Vorgehen« bildet die Herstellungstechnik Schritt für Schritt ab. Es verweist außerdem jeweils auf diejenigen Angaben, die zu protokollieren und für die Berechnung weiterzuverwenden sind.

 

Die vollständige Übersicht über Neuaufnahmen, Änderungen und Streichungen ist im Vorwort der Ergänzung 2017/1 enthalten. Für online registrierte Abonnenten besteht die Möglichkeit, das DAC/NRF-Werk und weitere informative Dokumente zum Thema Rezeptur und Prüfung auf www.dac-nrf.de zu nutzen. Die Anmeldung lohnt sich, wie das Beispiel der neuen Cannabisvorschriften zeigt. Sie wurden rechtzeitig mit der Gesetzesänderung bereits lange vor der Fertigstellung der Ergänzungslieferung im Internetauftritt von DAC/NRF zur Verfügung gestellt. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 29/2017

 

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