Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Alemtuzumab: PEI verschärft Nebenwirkungsprofil

NACHRICHTEN

 
Alemtuzumab: PEI verschärft Nebenwirkungsprofil
 


Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat sich neue Meldungen zu Nebenwirkungen des MS-Mittels Alemtuzumab (Lemtrada®) genauer angesehen. Bei Multiple-Sklerose (MS)-Patienten, die mit dem CD52-Antikörper immunsuppressiv behandelt werden, kann es laut Fachinformation zu schwerwiegenden Thrombozytopenien kommen. Bislang ging man davon aus, dass dieser Abfall der Blutplättchen, insbesondere die autoimmunvermittelte idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP),  vor allem erst nach der zweiten Behandlungsphase auftritt, etwa 14 bis 36 Monate nach der ersten Exposition. Das Paul-Ehrlich-Institut berichtet jedoch heute im «Bulletin für Arzneimittelsicherheit» über sehr frühe und teils schwerwiegende ITP bereits innerhalb der ersten Behandlungsphase. Bei einzelnen Patienten kam es zu einem Thrombozytenabfall zeitnah zur ersten Infusion. Der Mechanismus dahinter sei bislang ungeklärt.

 

Das PEI bittet nun die Fachkreise, die Möglichkeit einer frühen Thrombozytopenie unter der Initialisierung der MS-Behandlung mit Alemtuzumab  in Betracht zu ziehen und Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen zu melden. Der Arzneistoff ist in der Europäischen Union seit September 2013 für die Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) mit aktiver Erkrankung zugelassen.

 

Bekannte Nebenwirkungen des Immunsuppressivums sind auch Infektionen. In Deutschland wurden seit der Zulassung Infektionen bei 73 Patienten erfasst, die meist harmlos waren (oraler Herpes, oberflächliche Pilzinfektionen, Harnwegsinfekte). Eine Patientin starb jedoch an einem septischen Schock mit Multiorganversagen etwa zwei Wochen nach der letzten Injektion von Alemtuzumab des ersten Behandlungszyklus. Das PEI hält einen Zusammenhang für möglich. Eine weitere Patientin starb mehrere Monate nach Ende des zweiten Behandlungszyklus ebenfalls an Multiorganversagen, allerdings fehlten hier zu viele Angaben, um über einen ursächlichen Zusammenhang zu urteilen.

 

Des Weiteren wurden zehn Fälle einer Listerien-Infektion teils mit Sepsis, Meningitis oder Enzephalitis gemeldet, die mit einer Ausnahme zwischen sechs Tagen und zwei Wochen nach Beginn der Therapie auftraten. Eventuell waren einige Patienten schon vor Therapiebeginn infiziert. In den Fachinformationen wird bereits empfohlen, dass Patienten unter Alemtuzumab-Behandlung und mindestens einen Monat im Nachgang auf rohes oder nicht durchgegartes Fleisch und Wurst, Weichkäse und nicht pasteurisierte Milchprodukte verzichten sollten. Das PEI empfiehlt nun, auch schon in der Woche vor der Behandlung auf entsprechende Lebensmittel zu verzichten. Denn Einzelberichte wiesen darauf hin, dass auch bei unmittelbar vor der Therapie konsumierten Produkten die Gefahr einer schwerwiegenden Listeriose besteht. (dh)

 

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofil Alemtuzumab|Lemtrada®|51|2013 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

29.06.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Alex White

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

Weitere Nachrichten

 


HIV-Prävention: PrEP soll Kassenleistung werden

Gesetzlich Versicherte mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko sollen Anspruch auf die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP) erhalten. Das...



Nicht mehr angesagt: Hormontherapie in den Wechseljahren

Frauen in Deutschland nehmen immer seltener Hormonpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden ein. Das geht aus Verordnungszahlen hervor, die...



Valsartan: Verunreinigte Blutdrucksenker 2017 weit verbreitet

Bis zu 900.000 Patienten bundesweit könnten einem Zeitungsbericht zufolge allein im Vorjahr Valsartan-haltigen Arzneimittel eingenommen...



Notaufnahme oder Arzt? KBV will Patienten per Telefon lotsen

Patienten mit akuten Beschwerden sollen sich künftig per Telefon zum richtigen Arzt oder in eine Notaufnahme dirigieren lassen. Damit soll...

 
 

Spahn: Höhere Beiträge zur Pflegeversicherung möglich
Auf die Bürger könnten im nächsten Jahr deutlich höhere Beiträge zur Pflegeversicherung zukommen. Gesundheitsminister Jens Spahn schließt...

Skandal um Krebsmedikamente: Viele Anrufe bei Info-Hotline
Im Pharmaskandal um gestohlene Krebsmedikamente hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine umfassende Aufklärung...

«Bedenklich»: Zunehmend resistente Keime nachgewiesen
Bei einer wachsenden Zahl von Patienten in Deutschland werden Keime mit Resistenzen gegen wichtige Reserveantibiotika nachgewiesen. Das...

Biogene Drogen: Bis auf Cannabis kaum noch gefragt
Exotische Drogen aus der Natur fallen Fahndern in Hessen nur noch selten in die Hände. Lediglich 80 Gramm spezieller Pilze und 16 Kilogramm...

Elektronische Patientenakte: Ärzte pochen auf Datenschutz
Angesichts von Plänen für eine elektronische Patientenakte auch auf Handys und Tablets pochen Ärzte auf Einhaltung des Datenschutzes. Eine...

Ostsee: Bakterien im Wasser können Infektionen auslösen
Für gesundheitlich angeschlagene Menschen kann ein Bad in der Ostsee derzeit gefährlich werden. Wegen hoher Wassertemperaturen von bis zu...

China: Impfskandal weitet sich aus
Ein massiver Impfstoff-Skandal erschüttert China. Möglicherweise sind Hunderttausende Kinder betroffen. Nach Enthüllungen über die...

Ambrosia: Bayern warnt vor weiterer Ausbreitung
Ambrosia artemisiifolia gilt als Schreckgespenst für Allergiker. Ihre Pollen sind starke Allergene, die Heuschnupfen und Asthma auslösen...

Diabetes: Höheres Krebsrisiko, besonders für Frauen
Diabetiker haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken, als Stoffwechselgesunde. Das gilt vor allem für Frauen, wie eine...

Medizinisches Cannabis: Ausschreibung, zweiter Versuch
Der Bund unternimmt einen zweiten Anlauf für den Anbau von medizinischem Cannabis in Deutschland. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und...

Schmuggelskandal: Um diese Medikamente geht es
Im Fall der über die brandenburgische Firma Lunapharm in Umlauf gebrachten, vermutlich gestohlenen Krebsmedikamente ist nun bekannt...

Raubjournals: Geschäftemacherei statt Wissenschaft
Mehr als 5000 deutsche Forscher sollen Studien in unseriösen Fachzeitschriften, in sogenannten Raubzeitschriften (predatory journals),...

Hirndoping: Stimulanzien machen wacher, aber nicht klüger
Studenten, die durch Stimulanzien ihre Lernfähigkeit verbessern wollen, erreichen damit wahrscheinlich genau das Gegenteil des...

Migräne: Oraler Wirkstoff mit guten Studiendaten
Das Neuropeptid Calcitonin Gene-related Peptide (CGRP) scheint ein vielversprechendes Target für die Migränetherapie zu sein. Es ist an der...

Fahrradfahren: Kopfverletzungen durch E-Bike-Unfälle
Auch scheinbar leichte Stürze von Fahrradfahrern können zu gefährlichen Kopfverletzungen führen. Gerade Senioren sollten nach einem Sturz...

Gesundheitswesen: Spahn setzt auf Vernetzung
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt auf die Selbstverwaltung. In einem Interview mit dem «Deutschen Ärzteblatt» skizziert er...

Noch mehr Meldungen...



PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 



ARCHIV DER HEFT-PDF

 
PDF der Druckausgabe zum Download
 









DIREKT ZU