Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Rx-Versandverbot: «Der EuGH ist das Problem»

NACHRICHTEN

 
Rx-Versandverbot: «Der EuGH ist das Problem»
 


In dieser Legislaturperiode wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen weiteren Anlauf geben, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu verbieten. Darin sind sich der Rechtsanwalt Heinz-Uwe Dettling (2. von links), der Gesundheitsökonom Uwe May (2. von rechts) und der Chef des Instituts für Handelsforschung Markus Preißner (rechts) einig. Dabei sei dies der einzig gangbare Weg gleiche Wettbewerbs-Chancen für öffentliche Apotheken und ausländische Versendern zu schaffen, sagte May am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Mitglieder­versammlung das Apothekerverbands Nordrhein in Düsseldorf.

Schuld an dieser Situation hätten ausschließlich die Richter am Europäischen Gerichtshof. «Das Problem ist der EuGH», konstatierte Dettling. Diese hätten ein weitreichendes Urteil gefällt, ohne sich ausreichend mit den Rahmenbedingungen für die Arzneimittelversorgung in Deutschland vertraut gemacht zu haben. Dettling: «Die Richter haben nicht gewusst, dass es in Deutschland ein Sachleistungsprinzip gibt und keine Niederlassungsbeschränkung.»

Einig waren sich die Experten, dass sich die aktuelle Situation nicht mit Boni lösen lasse. Auch vermeintlich geringe finanzielle Anreize bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln wären für die Apotheker desaströs. «In der Konsequenz müsste die Apothekerschaft auf 600 Millionen Euro Rohertrag verzichten», rechnete Verbands-Chef Thomas Preis (links) vor. Verteilt auf knapp 20.000 Apotheken bedeute dies für jeden Betrieb einen Rückgang des Rohertrags um 30.000 Euro pro Jahr. Großen Versendern falle es leicht, diese Summe zu investieren, für viele öffentliche Apotheken sei dies nicht möglich. Deshalb hätte die Apothekerschaft auch den Vorschlag der SPD abgelehnt, begrenzte Boni einzuführen. Dettling: «Hätten die Apotheker diesem Vorschlag zugestimmt, dann wären heute viele Apotheken unrentabel. Das Ergebnis wäre ein minimaler Vorteil kombiniert mit einem maximalen Schaden.»

Die bisherigen Überlegungen, wie mit dem EuGH-Urteil umzugehen ist, haben bislang keinen Durchbruch gebracht. Dettling und May haben sich deshalb dazu entschieden, selbst ein Gutachten zu erstellen. Dazu würden auch Gespräche mit der Politik geführt. Die beiden Autoren sind zuversichtlich, das Problem zu lösen, haben aber in Düsseldorf verständlicherweise nicht über Details gesprochen.  (dr)

 

08.06.2017 l PZ

Foto: AVNR

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Galle heizt die Fettverbrennung an

Forscher der Ecole Polytechnique Fédérale im schweizerischen Lausanne haben möglicherweise einen neuen Ansatz zur Behandlung von Adipositas...



Schweres Asthma: Zulassung für Benralizumab

Die Europäische Kommission hat den Antikörper Benralizumab (Fasenra® von Astra-Zeneca) zur Behandlung von erwachsenen Patienten...



Mundgesundheit: Parodontitis erhöht Krebsrisiko

Die Parodontitis, eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, geht mit einer erhöhten Sterblichkeit an Tumoren des Magen-Darm-Trakts...



ADHS: Fakten für junge und alte Zappelphilippe

Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene leiden unter Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Während es...

 
 

Autophagie: Die Müllabfuhr der Zelle
Als Autophagie bezeichnet man den Abbau fehlgefalteter und somit nicht funktioneller Proteine in der Zelle. Dieser Entsorgungsmechanismus...

Zytomegalie: Erstes spezifisches Virostatikum zugelassen
Die EU-Kommission hat dem US-Pharmaunternehmen MSD die Zulassung für den Arzneistoff Letermovir (Prevymis®) erteilt. Es handelt...

Luftverschmutzung: EU-Kommission setzt Deutschland Frist
Nach jahrelangem Streit über die viel zu schlechte Luft in einigen deutschen Städten setzt die Europäische Kommission der Bundesregierung...

Fachsprachenprüfung: Die meisten Apotheker bestehen
Mehr als 80 Prozent der ausländischen Apothekerinnen und Apotheker bestehen die Fachsprachenprüfung, so aktuelle Zahle aus Westfalen-Lippe....

Gesundheitsausschuss: Linke besetzt Apothekerin
Als Nachfolge für Kathrin Vogler wird die Apothekerin Sylvia Gabelmann (Foto) für die Links-Fraktion im neu zu gründenden...

Herzkrankheiten: Zahl der registrierten Todesfälle gestiegen
Die Zahl der registrierten Todesfälle in Deutschland durch besonders verbreitete Herzleiden ist einem Bericht zufolge leicht gestiegen....

Arzneitropfen: Genaues Dosieren oft schwierig
Arzneimittel in Tropfenform kommen zwar häufig vor, sie richtig zu dosieren ist jedoch alles andere als trivial. Über die korrekte...

Heilberufler wollen gemeinsame digitale Agenda
Kassenärzte, Apotheker und Zahnmediziner wollen gemeinsam eine digitale Agenda für das Gesundheitswesen entwickeln. Das geht aus einer...

Migräne-Prophylaxe: Die Antikörper kommen
Obwohl zu Akutbehandlung der Migräne einige Wirkstoffe zur Verfügung stehen, brauchen Patienten mit chronischem Migränekopfschmerz eine...

Hilfe zur Selbsttötung: Gesetz muss Klarheit schaffen
Das Bundesverfassungsgericht muss nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz dringend Klarheit schaffen, ob Behörden tatsächlich...

Über 50.000 Fälle: Genitalverstümmelung in Deutschland
In ganz Deutschland leben einer Studie des Bundesfamilienministeriums von 2017 zufolge fast 50.000 weibliche Opfer von...

Foodwatch: Gesundheit von Nutztieren per Gesetz regeln
Die Verbraucherorganisation Foodwatch dringt auf strengere Regeln für mehr Tierschutz in den Ställen. «Eine neue Bundesregierung muss per...

Sondierungen: Apotheker sehen positives Signal
Die Apotheker begrüßen die Ergebnisse der Sondierungen von Union und SPD grundsätzlich. Zum Abschluss ihrer Gespräche hatten die Parteien...

Benzodiazepine behindern beim Aufräumen im Gehirn
Benzodiazepine und Z-Substanzen sind wirksam bei Schlafstörungen, aber Ärzte sollten «extrem zurückhaltend» sein mit der Verordnung, sagte...

Pflegeheime nutzen häufiger Giftnotruf
Mitarbeiter von Pflegeheimen wählen immer häufiger den Giftnotruf, weil sie das Medikament eines Bewohners verwechselt oder falsch dosiert...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU