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Parenteralia-Herstellung: Ein hohes Maß an Flexibilität

TITEL

 
Parenteralia-Herstellung

Ein hohes Maß an Flexibilität


Von Nicole Schuster / Antibiotika-Lösungen zur parenteralen Anwendung in der Apotheke herzustellen, ist eine Herausforderung. Der Nutzen für Patienten mit Cystischer Fibrose (CF) ist jedoch groß, wenn die Individualrezeptur eine Therapie zu Hause ermöglicht. Apothekerin Alexandra Enter von der Stachus-Apotheke in München im Gespräch mit der PZ.

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PZ: Jede Rezepturherstellung im Sterillabor ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Welche speziellen Herausforderungen bestehen bei Rezepturen für CF-Patienten?

 

Enter: Die Anforderung einer intra­venösen Therapie für CF-Patienten erreicht uns oft ohne Vorlaufzeit – eben dann, wenn es der Gesundheitszustand erfordert. Wir müssen jederzeit schnell reagieren können, um einen Therapiestart innerhalb weniger Stunden zu ermöglichen. Nicht selten wird auch die Dosierung während einer laufenden Therapie geändert, zum Beispiel wenn der Talspiegel von Tobramycin zu hoch ist und dadurch das Risiko einer Ototoxizität steigt. Für die Apotheke bedeutet das, dass immer ausreichend geschultes Personal anwesend sein muss, um die aufwendige Herstellung im Sterillabor kurzfristig zu ermöglichen.

 

PZ: Werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen?

 

Enter: Ja, es handelt sich um eine normale Rezeptur. Nur die Abrechnung ist deutlich komplizierter.

 

PZ: Mit Ihrem Service ermöglichen Sie den Patienten sogar eine Therapie zu Hause. Wie läuft eine Heimtherapie ab?

 

Enter: Die Therapie wird von einem Arzt der CF-Ambulanz verordnet und in der Apotheke angefordert. Sie besteht in der Regel aus zwei synergistisch wirkenden Antibiotika, die jeweils morgens und abends 30 Minuten lang ­infundiert werden. Die Therapiedauer beträgt zwischen 14 und 21 Tagen. In der Muko-Ambulanz oder in einer spezialisierten Praxis wird der intravenöse Zugang gelegt und die erste Gabe unter Aufsicht eines Arztes infundiert. Dieser kann auf mögliche allergische Sofortreaktionen umgehend reagieren und das auslösende Antibiotikum austauschen. Die restlichen Infusionen appliziert sich der Patient zu Hause.

 

PZ: Stellen Sie Infusionsbeutel bereit?

 

Enter: Wir füllen die Antibiotika-Lösungen im Sterillabor in elastomere Pumpen, die eine gleichmäßige Infusion über 30 Minuten bei Raumtemperatur gewährleisten. Damit ist der Patient mobil und muss nicht im Bett liegen.

 

PZ: Welche Probleme können bei der Anwendung auftreten?

 

Enter: Zusätzlich zu den bekannten Nebenwirkungen jeder Antibiotika­gabe sind Venenreizungen durch die zweimal tägliche intravenöse Gabe nicht selten. Verstopft der Zugang, muss der Arzt einen neuen legen. Allergische Reaktionen treten manchmal erst verzögert auf. Daher bekommt ­jeder Patient ein Notfallset mit einem intravenösen Corticoid und einem ­Antihistaminikum mit nach Hause. Sehr selten kommt es vor, dass das Infusionssystem defekt ist. Dann muss die Pumpe schnellstmöglich ersetzt werden.

 

PZ: Wie beraten Sie die Patienten zur Anwendung?

 

Enter: Wir weisen darauf hin, dass die notwendigen Hygienemaßnahmen unbedingt einzuhalten sind, um zusätzliche Infektionen zu vermeiden. Ebenso wichtig ist die richtige Handhabung der Infusionen. Die Pumpen müssen rechtzeitig aus dem Kühlschrank genommen werden, damit sie bei der ­Applikation Zimmertemperatur haben. Da eine Therapie aus bis zu drei verschiedenen Antibiotika bestehen kann, die zum Teil zu unterschiedlichen Tageszeiten verabreicht werden, müssen die Patienten oder die Eltern darauf achten, die richtige Pumpe zum richtigen Zeitpunkt anzulegen. Daher drucken wir die Etiketten in verschiedenen Farben und packen die richtigen Pumpen in den Tagesportionen bereits im Sterillabor zusammen.

 

Vor ihrer ersten intravenösen Heimtherapie bekommen alle Patienten schrift­liche Informationen zum genauen The­rapieablauf. Bei Fragen oder Problemen können sie uns jederzeit kontaktieren.

 

PZ: Wie kommt der Service bei den Patienten an?

 

Enter: Sehr gut, denn die ambulante intravenöse Therapie hilft, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Die Patienten können zur Schule, Uni oder Arbeit gehen und ihren gewohnten Alltag weiterleben – auch an Feiertagen. Die Patienten schätzen außerdem, dass wir relativ spontan auf Therapieänderungen wie Dosisreduktion reagieren und uns bezüglich Lieferung und besonderen Bedürfnissen eng an ihren Wünschen orientieren. /

 




Beitrag erschienen in Ausgabe 10/2017

 

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