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IGeL-Leistungen: Oft nutzlos oder schädlich

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IGeL-Leistungen: Oft nutzlos oder schädlich
 


Patienten sollen hierzulande zu viele unnötige Untersuchungen beim Arzt selbst bezahlen. Darauf haben die Macher des IGeL-Monitors heute hingewiesen. IGeL steht für Individuelle Gesundheitsleistung und bezeichnet Untersuchungen, die nicht von den Krankenkassen übernommen, aber von vielen Ärzten als Selbstzahlerleistung angeboten werden.

 

Der IGeL-Monitor bewertet diese Untersuchungen seit 2012, indem er Studien recherchiert und laienverständlich aufbereitet. Angesiedelt ist er beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen (MDS). In den vergangenen fünf Jahren habe sich herausgestellt, dass die meisten IGeL-Leistungen keinen Nutzen haben, viele sogar schädlich seien, sagte MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Insgesamt 45 IGeL-Verfahren habe das Monitor-Team bis heute bewertet: Dabei erhielten vier eine negative und 17 eine tendenziell negative Bewertung. Bei all diesen Untersuchungen sei der Schaden erwiesenermaßen größer als der Nutzen.

 

15 weitere Verfahren erhielten das Ergebnis «Nutzen-Bilanz unklar». Nur drei IGeL-Leistungen hätten eine tendenziell positive Bewertung erlangt, so Pick – etwa Akupunktur gegen Migräne. Dennoch nehme jeder zweite Bürger eine ihm angebotene IGeL-Leistung wahr. Dies liege auch daran, dass Praxismitarbeiter die Patienten unter Druck setzten, beklagte er. Häufig würden sie schon bei der Anmeldung von einer Sprechstundenhilfe zur Unterschrift gedrängt, kein Arzt erläutere ihnen die Risiken der Untersuchung und ihnen werde nicht genügend Bedenkzeit eingeräumt. Auch eine Kostenaufstellung bekämen Patienten oft nicht. «Das ist nicht hinnehmbar», so Pick.

 

Seine MDS-Kollegin Michaela Eikermann erklärte, warum bestimmte Untersuchungen zwar bei Verdacht auf eine Krankheit nützlich seien, gesunden Menschen jedoch schaden. Auf der einen Seite könnten gesunde Patienten gut auf die Anstrengung eines Belastungs-EKGs, die Strahlen einer Röntgenuntersuchung oder die wochenlangen Sorgen nach einem falsch-positiven Untersuchungsergebnis verzichten, sagte sie. Daneben gebe es aber auch die Gefahr, dass Patienten sich nach einem erfreulichen Untersuchungsergebnis in falscher Sicherheit wiegten und etwa einen ungesunden Lebensstil beibehielten.

 

Pick zufolge gibt es bereits heute viele Ärzte, die IGeL-Leistungen kritisch sehen und die Arbeit des IGeL-Monitors schätzen. Dennoch sieht er Ärztekammern und -vereinigungen weiter in der Pflicht, ihre Mitglieder zum korrekten Umgang mit diesen Leistungen aufzuklären. Damit Patienten Informationen zu den verschiedenen IGeL-Untersuchungen künftig leichter finden, hat der Monitor seine Homepage kürzlich komplett überarbeitet. (ap)

 

Zum IGeL-Monitor (externer Link)

 

16.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/DOC RABE Media

 

 

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