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HIV-Infektionsrate bleibt stabil

16.11.2016  09:06 Uhr

Von Annette Mende / Etwa 3200 Menschen in Deutschland haben sich im Jahr 2015 neu mit HIV infiziert, rund 460 HIV-Infizierte starben. Somit lebten Ende des vergangenen Jahres rund 84 700 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland, von denen etwa 11 750 aus dem Ausland stammen und sich auch dort infiziert haben.

 

Die Neuinfektionsrate in Deutschland blieb im Vergleich zu den Vorjahren unverändert. Die meisten derjenigen, die sich neu mit dem HI- Virus ansteckten, waren Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Diese aktuellen Schätzungen legte das Robert-Koch-Institut (RKI) im Vorfeld des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember vor.

Trotz eines bereits seit einigen Jahren zu verzeichnenden leichten Rückgangs der HIV-Neuinfektionen bei MSM entfiel mit 2200 Fällen erneut der Löwen­anteil auf diese Bevölkerungsgruppe. Geschätzte 750 Neuinfektionen wurden auf heterosexuellem Weg übertragen, 250 bei intravenösem Drogenkonsum. Das RKI nimmt an, dass 12 600 HIV-Infizierte nichts von ihrer Infektion wissen, was bekanntlich die Gefahr der Weitergabe der Infektion erhöht. Zudem sind bei HIV-Patienten, deren Infektion spät diagnostiziert wird, die Sterblichkeit und die Behandlungskosten erhöht. Barrieren für die Testung auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen müssten daher identifiziert und abgebaut werden, so das RKI.

 

Dasselbe gilt für Faktoren, die verhindern, dass Personen mit bekannter HIV-Infektion antiretroviral therapiert werden. Dies betrifft in Deutschland etwa 11 000 Menschen. Als Hinderungsgründe kommen etwa fehlender Versicherungsschutz oder bei Ausländern unklarer Aufenthaltsstatus infrage.

 

Grundpfeiler der HIV-Prävention ist laut RKI unverändert die Verwendung von Kondomen. Dem pflichtet die Deutsche Aids-Hilfe in einer Mitteilung bei. Für schwule Männer mit besonders hohem Risiko sei jedoch die medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (PrEP) eine unverzichtbare Ergänzung der Schutzmöglichkeiten. Die PrEP mit dem Emtricitabin- und Tenofovirdiso­proxil-haltigen Kombipräparat Truvada® ist zwar seit diesem Jahr in Deutschland zugelassen, doch »für die Finanzierung gibt es bisher keine Lösung«, kritisiert die Aids-Hilfe. Der Gemeinsame Bundesausschuss äußere sich nicht und Hersteller Gilead beharre auf dem hohen Preis von mehr als 800 Euro pro Monat. Als weitere Präventionsmaßnahmen fordert die Aids-Hilfe saubere Spritzen für drogen­abhängigen Häftlinge sowie freiwillige und anonyme HIV-Tests für alle. /

Detaillierte Informationen zum HIV-Infektionsgeschehen in Deutschland finden sich auf www.rki.de/hiv. Dort sind auch die Zahlen der einzelnen Bundesländer abrufbar.

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