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Eine Ampel ist ein einfaches und eindeutiges Instrument zur Orientierung. Aber was im Straßenverkehr funktioniert, funktioniert nicht als Entscheidungshilfe für Ärzte bei der Therapiewahl. Wenn es nach den Vorstellungen der Techniker Krankenkasse (TK) geht, dann soll solch ein schlichtes Instrument die Mediziner künftig über Nutzen und Wirtschaftlichkeit neuer Arzneimittel aufklären (lesen Sie dazu TK-Innovationsreport 2016: Nur wenig grün).

 

Grundsätzlich ist es gut, dass das geplante Pharmagesetz den für die frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA in die Pflicht nimmt: Ärzte sollen Bewertungen und Ergebnisse künftig schnell, einfach und verständlich über die Arztsoftware abrufen können. Aber ein Ampelsystem, wie von der TK gewünscht, greift angesichts der Komplexität der Arzneimitteltherapie dann doch zu kurz. Sicher muss ein solches Informationssystem auch die Wirtschaftlichkeit von neuen Arzneimitteln im Vergleich zu bereits etablierten Medikamenten abbilden. Aber die wirtschaftlichste Wahl ist nicht gleichbedeutend mit der besten Therapieoption für den jeweiligen Patienten. Würden Ärzte sich bei der Arzneimittelauswahl künftig nur an roten, gelben oder grünen Punkten orientieren, würde der tatsächliche individuelle Nutzen eines Medikaments in den Hintergrund rücken. Jeder Patient ist anders und jede Krankheit verläuft anders. Hier stumpf nach einer Ampelkate­gorie zu verordnen, wäre fatal.

 

Für die TK ist die Sache einfach: Wüssten die Ärzte besser über Zusatznutzen und Wirtschaftlichkeit von Arzneimittelinnovationen Bescheid, würde das die Kosten für Arzneimittel senken. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Kasse um keine Idee verlegen. So hatte TK-Vize Thomas Ballast auf dem DAV-Wirtschaftsforum im Mai dieses Jahres bereits die Idee, die Apotheker als Erfüllungsgehilfen einzusetzen. Sie sollten die Ärzte bei der Auswahl der passenden Therapien unterstützen. Stellt der Apotheker fest, dass der Arzt ein ungeeignetes Medikament verordnet hätte, soll er ihm eine Alternative vorschlagen. Der Apotheker als Ampelmännchen sozusagen. Nun kommt die Ampelsoftware.

 

In welcher Form Ärzte die Informationen des G-BA in ihr Praxissystem übermittelt bekommen, ist ein schwieriges Thema. Es gilt, jetzt eine ­Lösung zu finden, die den Nutzen des Medikaments quantifiziert. Keine leichte Aufgabe. Aber im Gesundheitswesen ist ohnehin nichts einfach.

 

Ev Tebroke 

Redakteurin Politik & Wirtschaft 



Beitrag erschienen in Ausgabe 37/2016

 

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