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Fluorchinolone: FDA warnt vor leichtfertigem Einsatz

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Fluorchinolone: FDA warnt vor leichtfertigem Einsatz
 


In den USA sollen Fluorochinolon-Antibiotika (Gyrasehemmer) bei banalen Infekten wie Sinusitis, Bronchitis oder unkomplizierten Harnwegsinfekten in Zukunft nur noch dann eingesetzt werden, wenn keine wirksame Alternative vorhanden ist. Darüber informiert die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA in einer aktuellen Sicherheitswarnung.

 

Das Risiko von relevanten Nebenwirkungen, die Sehnen, Muskeln, Gelenke oder das Nervensystem betreffen, sei höher als der Nutzen. Daher sei ein Einsatz bei solchen Infektionen nicht zu rechtfertigen, so die Behörde. Betroffen sind Gemifloxacin sowie die auch in Deutschland verfügbaren Wirkstoffe Moxifloxacin, Ciprofloxacin, Levofloxacin und Ofloxacin. Ärzte und Patienten werden aufgefordert, auf mögliche Symptome dieser schwerwiegenden und möglicherweise dauerhaften Nebenwirkungen zu achten, wie Halluzinationen, Verwirrtheit, Missempfindungen («Ameisenlaufen»), Muskel-, Gelenk und Sehnenschmerzen. Besonders gefürchtet sind Rupturen der Achillessehne. Falls Patienten über diese schwerwiegenden Nebenwirkungen klagen, sollte das Medikament sofort abgesetzt werden und der Arzt sollte Alternativantibiotika einsetzen. Zudem sollten die Nebenwirkungen unmittelbar den Behörden gemeldet werden. Die Packungsbeilagen müssen hinsichtlich der schwerwiegenden Nebenwirkungen aktualisiert und die entsprechenden Sicherheitshinweise erneuert werden.

 

Entsprechende aktuelle Sicherheitswarnungen der deutschen (BfArM) oder europäischen Überwachungsbehörden (EMA) existieren derzeit nicht. Allerdings sind auch hier die Gyrasehemmer unter besonderer Beobachtung: So hatte die EMA vor einiger Zeit auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Fluorchinolon-Anwendung und einer Netzhautablösung hingewiesen. Seit Mitte 2014 muss in die Fach- und Gebrauchsinformationen aller Fluorchinolon-haltigen Arzneimitteln zur systemischen  Anwendung ein Hinweis eingefügt werden, dass Patienten, die während der Einnahme entsprechender Medikamente Beeinträchtigungen des Sehens oder der Augen spüren, sich umgehend an einen Augenarzt wenden sollten. (rt)

 

Lesen Sie dazu auch

Wirkstoffprofil Moxifloxacin|Avalox®|10|1999Levofloxacin|Tavanic®|10|1998 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

30.05.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Genius Minus

 

 

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