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Mukoviszidose: Chinolon-Nebel gegen Problemkeim

PHARMAZIE

 
Mukoviszidose

Chinolon-Nebel gegen Problemkeim


Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Infektionen mit dem Umweltkeim Pseudomonas aeruginosa stellen eine große Herausforderung bei cystischer Fibrose (CF) dar. Die antibiotische Therapie besitzt daher einen hohen Stellenwert. Mit dem Levofloxacin-haltigen Präparat Quinsair® steht nun das erste inhalierbare Fluorchinolon für CF-Patienten zur Verfügung.

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Pseudomonas aeruginosa (PA) kann Gesunden nichts anhaben, ist aber ein Keim, der in besonderen Situationen das Leben total verändern kann. Darauf wies Dr. Christina Smaczny vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main bei einer Pressekonferenz von Quinsair-Hersteller Raptor Pharmaceuticals in der Mainmetropole hin. Die Pulmo­login betonte, dass PA bei Mukoviszidose ein prognosebestimmender Faktor ist. »Mit PA infizierte Patienten leben im Vergleich zu nicht infizierten Patienten kürzer«, so die Ärztin. Sie informierte, dass bei 70 bis 80 Prozent aller CF-Patienten im Alter von 18 Jahren der Keim in der Lunge nachweisbar ist.

 

Frühzeitig therapien




Levofloxacin hemmt sowohl die DNA-Gyrase als auch die Topoisomerase IV der Bakterien, sodass eine ordnungsgemäße Replikation nicht mehr möglich ist. Das führt zum Absterben der Bakterien.

»Je früher das Bakterium bei einem Patienten nach der Infektion erkannt wird, desto besser.« Smaczny betonte, dass man nicht abwartet, bis der Patient klinisch krank wird. Stattdessen behandle man beim Nachweis von PA sofort antibiotisch. Eine Eradikation in der chronischen Phase, wenn sich der Keim bereits in den Schleimhäuten eingenistet und mit einer schützenden Alginathülle umgeben hat, sei praktisch nicht mehr möglich.

 

Smaczny informierte, dass die antibiotische Therapie gegen PA oral, intravenös oder inhalativ erfolgen kann. Ein Vorteil der inhalativen Gabe sei die lokale Anwendung und die damit verbundene Deposition der Substanz am Ort der Infektion. »Wir können dadurch viel höhere Dosen anwenden«, so die Lungenfachärztin. Für den inhalativen Einsatz standen bisher das Amino­glykosid Tobramycin, das zu den Polymyxinen zählende Colistin und das Monobactam-Anti­biotikum Aztreonam zur Verfügung. Mit dem Levofloxacin-haltigen Medikament Quinsair gibt es nun auch eine Therapiealternative aus der Gruppe der Fluorchinolone.

 

Grundlage für die Zulassung ist eine 24-wöchige, offene und randomisierte Nicht-Unterlegenheits-Vergleichsstudie (MPEX-209) gegenüber Tobramycin. In dieser wurde gezeigt, dass Quinsair die Einsekundenkapazität (FEV1) nach ein bis drei Behandlungszyklen mindestens genauso effektiv verbesserte wie eine Tobramycin-Inhalationslösung.

 

Quinsair wird mithilfe des Zirela-Verneblers inhaliert. Dieser wandelt die in der Ampulle enthaltene Lösung in einen feinen Nebel um. Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich eine Ampulle à 240 mg, idealerweise im Abstand von zwölf Stunden, als Dauertherapie. Die Inhalationsdauer beträgt circa fünf Minuten.

 

Wichtig: Nach einer Behandlungsdauer von 28 Tagen setzt der Patient die Behandlung 28 Tage lang ab, bevor er einen weiteren 28-Tage-Behandlungszyklus beginnt. Smaczny zufolge kann diese Levofloxacin-Therapiepause durchaus mit einem anderen Antibio­tikum, zum Beispiel Tobramycin, gefüllt werden. Sie könne sich bei Bedarf auch vorstellen, zwei schnell inhalierbare Antibiotika parallel zu geben.

 

Geschmack beeinträchtigt

 

Grundsätzlich sieht Smaczny noch Schulungsbedarf bei der Anwendung von Inhalativa. Wünschenswert sei es, wenn sich auch Apotheker hier verstärkt einbrächten. Bei der Abgabe von Quinsair können Apotheker zudem da­rüber aufklären, dass in etwa 25 Prozent der Fälle Geschmacks-Missempfindungen nach der Anwendung von Quinsair auftreten. Diese halten circa ein bis zwei Stunden an und schwächen sich im Laufe der Zeit ab. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 18/2016

 

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