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Meldonium: So wirkt «Scharadopas» Liebling

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Meldonium: So wirkt «Scharadopas» Liebling
 


Einige Sportler, allen voran die weltbekannte Tennisspielerin Marija Scharapowa, sind in jüngster Zeit des Dopings mit Meldonium überführt worden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA setzte den Wirkstoff auf die neue Liste der verbotenen Substanzen, die am 1. Januar 2016 wirksam wurde.

 

Wann wird Meldonium, das unter anderem im Präparat Mildronat® des lettischen Herstellers Grindeks, aber auch in Produkten mehrerer russischer und ukrainischer Firmen enthalten ist, abgesehen vom Doping eingesetzt und wie wirkt es? Angewendet wird der in Deutschland nicht zugelassene, aber in osteuropäischen Ländern bekannte Stoff zur Behandlung von mangelnder Durchblutung und Sauerstoffversorgung bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder stabiler Angina Pectoris.

 

Wie Mildronat-Hersteller Grindeks in einer Pressemeldung erklärt, handelt es sich bei Meldonium um eine zellprotektive Substanz, die verhindert, dass ischämische Zellen absterben. Meldonium nimmt dem Organismus verstärkt die Chance, Fettsäuren als Energiequelle zu nutzen. Denn die Substanz hemmt die Oxidation von Fettsäuren, welche zu toxischen Ablagerungen im Körper führen kann, und aktiviert stattdessen die Energiegewinnung per Glykolyse. So ist der Sauerstoffbedarf der Zellen niedriger und es fallen weniger giftige Stoffwechselprodukte an.

 

Grindeks ist der Überzeugung, dass Meldonium den durch eine Ischämie hervorgerufenen Gewebeschaden stoppen kann, sich aber nicht auf normale gesunde Zellen auswirkt und damit auch nicht die sportliche Leistung verbessern kann. Die Firma meint daher, dass Meldonium nicht auf die WADA-Dopingliste gehört. Auch Meldonium-Erfinder Ivars Kalvins schreibt der Substanz keine leistungssteigernde Wirkung zu. Der Biochemiker aus Riga betont laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa, dass Meldonium Athleten bei starker physischer Belastung vor Herzerkrankungen schützen und die Durchblutung verbessern könne. Dies sei «nicht das Gleiche wie Leistungssteigerung».

 

Die WADA dagegen hatte das Verbot damit begründet, dass es Hinweise darauf gebe, dass das Mittel «von Athleten mit der Absicht der Leistungssteigerung» genutzt wird. «Bei Sportlern führt Meldonium zu einer allgemeinen Leistungssteigerung, die Erholungsphase wird verkürzt und die Motivation gesteigert», erläutert Professor Dr. Mario Thevis von der Deutschen Sporthochschule Köln gegenüber der dpa. (ss)

 

10.03.2016 l PZ

Foto: Fotolia/fovivafoto (Symbolbild)

 

 

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