Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Praxen und Kliniken: Experten fordern klare Zuständigkeiten

NACHRICHTEN

 
Praxen und Kliniken: Experten fordern klare Zuständigkeiten
 


Die Konkurrenz zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken verschärft sich nach Ansicht des AOK-Bundesverbandes zusehends – oft zu Lasten der Patienten. In deutschen Krankenhäusern werde immer häufiger ambulant behandelt. Experten bemängelten heute in Berlin bei der Vorstellung des neuen Krankenhaus-Reports 2016 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) einen regelrechten «Wildwuchs» im stationären Versorgungsbereich.

 

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, kritisierte: «Die in Deutschland ausgeprägte Abschottung zwischen Kliniken und Praxen ist für Patienten zu gefährlich und für uns alle zu teuer. Die Mauer muss weg.» Die mangelnde Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen und stationär tätigen Ärzten und die damit einhergehenden Parallelstrukturen machten Behandlungen oft teurer. Zwar habe der Gesetzgeber schon einiges getan, um die Mauer durchlässiger zu machen. Kliniken könnten heute mehr ambulante Leistungen erbringen als früher. Doch von einer verzahnten, an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtete Versorgung «sind wir immer noch weit entfernt», mahnte Gerlach.

 

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, hielt der Politik vor, auf Probleme an den Schnittstellen bislang nur mit zahlreichen Einzellösungen reagiert zu haben. Ein Gesamtkonzept fehle, machte er deutlich. Die Experten forderten von der Politik, die Zuständigkeiten zwischen Arztpraxen und Kliniken klarer zu regeln.

 

In den vergangenen drei Jahrzehnten seien rund 20 verschiedene ambulante Versorgungsformen entstanden, die im Krankenhaus durchgeführt werden: von Hochschul- und Notfallambulanzen über ambulantes Operieren im Krankenhaus bis hin zur ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung. Die niedergelassenen Ärzte beklagen seit längerem, dass sie wegen dieser Verlagerung einen Teil ihrer Vergütung an die Kliniken abtreten müssen. Allerdings scheinen Kliniken in Bereichen wie der Notfallversorgung von Patienten besser aufgestellt als Praxen niedergelassener Ärzte. Andererseits kommen Patienten ins Krankenhaus und werden dort vorschnell operiert, anstatt sie zunächst ambulant zu behandeln.

 

Gerlach, der auch Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Frankfurter Universität ist, forderte eine regional vernetzte, sektorübergreifende Versorgung, in der etwa die Honorare für stationäre Kurzzeitfälle und vergleichbare ambulante Behandlungen angeglichen werden. Zudem plädierte er für eine Stärkung des Hausarztes als Lotse für die Versorgung der Patienten. Laut Report hätten 3,7 Millionen der bundesweit 18,6 Millionen Krankenhausfälle 2012 vermieden werden können, wenn der ambulante Sektor in der Lage gewesen wäre, Patienten mit chronischen Erkrankungen oder Akuterkrankungen eine hochwertige Behandlung angedeihen zu lassen. Bei Rückenschmerzen oder Hals-Nasen-Ohren-Infektionen seien mehr als 80 Prozent der Klinikaufenthalte vermeidbar, so die Experten.

 

29.02.2016 l dpa

Foto: Fotolia/PhotoCD

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


So macht Adipositas Brustkrebs aggressiver

Botenstoffe, die im Blut fettleibiger Patienten gehäuft auftreten, sind offenbar in der Lage, Brustkrebszellen gefährlicher zu machen. Das...



Millionen Tote wegen Umweltverschmutzung

Umweltverschmutzung trägt weltweit zu jedem sechsten Todesfall bei. Eine internationale Studie ergibt, dass Belastungen von Luft, Wasser...



Neue Versorgungsformen: G-BA fördert 26 Projekte

Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat heute in Berlin über weitere Förderprojekte zu neuen Versorgungsformen...



Lungenkrebs: Comeback von Osimertinib

Das Osimertinib-haltige Lungenkrebsmedikament Tagrisso® wird ab November 2017 wieder im deutschen Markt verfügbar sein. Das...

 
 

Bedarfsplanung: Psychotherapeuten kritisieren G-BA
Der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) bemängelt die gestrige Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), den Demografiefaktor...

Marburg-Fieber: WHO sieht Lage in Uganda unter Kontrolle
Nach dem Tod einer Frau durch das gefährliche Marburg-Fieber im Osten Ugandas fürchten Experten, dass Hunderte Menschen dem Virus...

Selbstverwaltung will Pflege im Krankenhaus stärken
Der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Verband...

BAH: Brexit kann zu Exportausfällen in Milliardenhöhe führen
Nach dem Brexit wird es beim Im- und Export von Arzneimitteln größere Beeinträchtigungen geben. Das betont der Bundesverband der...

Nur Mut: Neue Online-Therapie soll Stotterern helfen
Zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober werben Verbände und Organisationen um mehr Aufmerksamkeit für die Sprechstörung, von der in...

Midostaurin: Neue Option für AML-Patienten
Mit Midostaurin (Rydapt®) gibt es erstmals eine zielgerichtete Therapie für Patienten mit neu diagnostizierter akuter...

Ärzte fordern Einschränkungen für Heilpraktiker
Deutsche Ärzte halten die geplante Reform der Vorschriften für angehende Heilpraktiker für nicht weitreichend genug. Die Neuformulierung...

Morbi-RSA: Experten nehmen regionale Unterschiede ins Visier
Der Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen funktioniert nach Meinung von Experten insgesamt recht gut. Das geht aus einer Untersuchung...

Drogeriemarkt: dm setzt auf Digitalisierung
Aufrüstung des Technologiebereichs, Smartphones für alle Mitarbeiter, Kosmetik-Erklärvideos bei Youtube: Seit Beginn des Geschäftsjahres...

Wer trinkt wie viel? Neuer Alkoholatlas soll vorbeugen helfen
Riskanter Alkoholkonsum ist bei Männern und Frauen mit hohem Sozialstatus stärker verbreitet als etwa bei Arbeitslosen. Unterschiede gebe...

Husten & Co: Erkältungssalbe verbessert Schlafqualität
Erkältungssalben können bei einer Erkältung zu einer signifikanten Verbesserung des Schlafverhaltens beitragen. In einer Studie mit 100...

GLP-1-Rezeptor-Agonist: Tablette könnte Spritze ersetzen
Die erste oral verfügbare Formulierung eines GLP-1-Rezeptor-Agonisten hat erfolgreich eine Phase-II-Studie absolviert und damit einen...

Lepra-Hilfswerk setzt Hoffnungen in neuen Impfstoff
Im Kampf gegen die Infektionskrankheit Lepra will das Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfswerk DAHW einen neuen Impfstoff auf den Weg...

LAV: «Securpharm wird eine Schlüsselrolle spielen»
«Die Initiative Securpharm als deutscher Baustein für ein EU-weites Netzwerk gegen Arzneimittelfälschungen kommt zeitgerecht voran. Die...

Zeitumstellung: Besonders Frauen leiden
Am 29. Oktober ist es wieder soweit: Die Uhren werden eine Stunde zurückgestellt. Vor allem Frauen macht die Zeitumstellung zu schaffen....

Cortison verbessert die Heilung – wenn das Timing stimmt
Systemische Corticosteroide können die Heilung von verletzten Sehnen verbessern, allerdings nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt gegeben...

Herzinfarkt: Gewebeschutz durch HDL-Injektion
HDL gleich «hab dich lieb» – diese Eselsbrücke zur Abgrenzung des kardioprotektiven HDL-Cholesterins vom schädlichen LDL-Cholesterin könnte...

BGH: Almased darf keine Preise diktieren
Die Firma Almased darf Apothekern keinen Mindestpreis für den Vertrieb ihrer Produkte vorschreiben. Das hat der...

OTC-Markt: Versender festigen ihre Position
OTC-Präparate bestellen Patienten immer häufiger im Internet. Im ersten Halbjahr 2017 verschickten Versandapotheken 63 Millionen Packungen...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU