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Gesundheit digital: Handy & Co. als medizinische Geräte

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Gesundheit digital: Handy & Co. als medizinische Geräte
 


Internet und Smartphone bieten Ärzten und Psychotherapeuten viele neue Möglichkeiten, ihre Patienten zu behandeln. Doch hinke die Wissenschaft der rasanten technologischen Entwicklung hinterher, sagt Thomas Kubiak, Professor für Gesundheitspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU): «Es gibt einige Gesundheitsapps, die nicht wissenschaftlich fundiert sind.» Für Patienten, die gesundheitsrelevante Daten sammeln möchten, sei es schwierig, «die Spreu vom Weizen zu trennen».

 

Kubiak ist einer der Organisatoren des Kongresses «Verhaltensmedizin 2.0 – von eHealth zu mHealth», der heute an der JGU beginnt. Das Schlagwort «eHealth» steht für «electronic health», die Internet-Unterstützung von Diagnosen und Therapien, «mHealth» bedeutet «mobile health», meint also die Unterstützung mit mobilen Geräten. Bis Samstag diskutieren Verhaltensforscher, Ärzte, Informatiker und Unternehmer, wie Smartphone und Internet Menschen mit Stress, Diabetes, Herzkreislauferkrankungen oder anderen chronischen Erkrankungen helfen können, gesünder zu leben. Ziel ist stets, so Kubiak, Patienten zu befähigen, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

 

«Programme und Apps sollen und können Ärzte und Psychotherapeuten aber nicht ersetzen.» Wie viele Menschen in Deutschland Apps und Programme nutzen, um sich gesünder zu verhalten, ist schwer zu sagen. Die sogenannte «Selbstoptimierer-Szene» wächst Kubiak zufolge jedoch. Hieran müsse die Wissenschaft Anschluss finden. Die JGU sei führend in Deutschland im «mHealth»-Bereich.

 

Inzwischen gibt es zum Beispiel das Projekt «mySugr», eine Applikation, die Diabetiker bei der Behandlung unterstützt. Ein weiterer Ansatz ist, Elemente aus Computerspielen zu nutzen. Patienten könnten mit virtuellen Trophäen und Punkten belohnt werden, wenn sie joggen, sich gesund ernähren oder meditieren, erklärt Kubiak.

 

Die Digitalisierung der Verhaltensmedizin birgt allerdings auch Risiken, Stichwort: «gläserner Patient». Wie soll sichergestellt werden, dass persönliche Gesundheitsdaten nicht in die falschen Hände geraten und missbraucht werden? Kubiak hat diesbezüglich aber weniger Bedenken: «Wir haben in Deutschland und weiten Teilen Europas glücklicherweise gute und strikte Datenschutzgesetze.»       

 

25.02.2016 l dpa

Foto: Fotolia/Milles Studio

 

 

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