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«Geschönt»: Diabetes-Gesellschaft kritisiert Ernährungsreport

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«Geschönt»: Diabetes-Gesellschaft kritisiert Ernährungsreport
 


Der Ernährungsreport 2016, den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Anfang Januar vorgelegt hat, stößt bei der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) auf heftige Kritik. Das Papier sei ein «Dokument der Beschönigung und der politisch gewollten Untätigkeit», bilanziert DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs jetzt in einer Mitteilung. Vor allem die Aussage, dass sich die Mehrheit der Bundesbürger im Alltag gesund und ausgewogen ernähre, widerspreche «fundamental der Ernährungsrealität in Deutschland», ergänzt DDG-Präsident Baptist Gallwitz.

 

So würden der deutlich überhöhte Verbrauch von Zucker, Fett und Salz sowie die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Frauen und zwei Drittel der Männer in Deutschland übergewichtig seien, in dem Report schlichtweg übersehen. «Offensichtlich versucht das Ministerium mit dieser geschönten Darstellung dem dringenden politischen Handlungsbedarf auszuweichen», so Garlichs. Zudem seien mit suggestiven Fragestellungen erwünschte Ergebnisse bei der Befragung produziert worden. Ähnliche Kritik hatte zuvor auch die Verbraucherorganisation Foodwatch geäußert.

 

Nach Ansicht der DDG ignoriert der Bericht grundlegende Aspekte der aktuellen Ernährungsdiskussion. Etwa sei in der Umfrage die häufig geforderte Einschränkung von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet, überhaupt nicht thematisiert worden. «Dies ist um so erstaunlicher, als aus verschiedenen Untersuchungen bekannt ist, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich dafür ausspricht», heißt es in der Mitteilung. In einem anderen Punkt schieße Minister Schmidt wiederum über das Ziel hinaus: Dessen Hauptforderung, ein Schulfach für Ernährung einzuführen, liege naturgemäß nicht in der Kompetenz eines Bundesministers, sondern bei den Bundesländern. Diese lehnten ein solches Anliegen allerdings mehrheitlich ab. Sehr wohl in den Aufgabenbereich der Bundesregierung fielen hingegen Forderungen etwa nach der Einführung einer klaren Lebensmittelkennzeichnung nach dem Ampelprinzip oder der Erhebung einer Zucker-/Fettsteuer. Dem widersetze sich der Minister jedoch.

 

Mit dem aktuellen Ernährungsreport kopple Schmidt sich von der internationalen Diskussion ab, wie sie etwa von der Weltgesundheitsorganisation WHO, der OECD oder der World Obesity Federation geführt werde. Dies sei um so gravierender, als Übergewicht und Adipositas bei Kindern sowie bei Erwachsenen inzwischen als das größte Gesundheitsrisiko weltweit eingestuft würden, heißt es in der Mitteilung. Sowohl die WHO als auch die OECD sprächen in diesem Zusammenhang von einer globalen «Adipositas-Krise».

 

Für die Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 13. bis 28. Oktober 2015 insgesamt 1000 Bundesbürger ab 14 Jahre mit computergestützten Telefoninterviews befragt. Auszüge des Reports wurden am 5. Januar der Öffentlichkeit vorgestellt. (com)

 

15.01.2016 l PZ

Foto: Fotolia/PictureP.

 

 

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