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Beratung: Fragen statt Dozieren

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Beratung: Fragen statt Dozieren
 


Wer nicht fragt, bleibt dumm. Diese schöne Regel aus dem Titelsong der «Sesamstraße» gilt einer aktuellen Studie zufolge beim Beratungsgespräch nicht nur für Patienten, sondern auch für Apotheker. Im «Journal of the American Pharmacists Association» legen die Autoren um Dr. Naomi Lam dar, dass Pharmazeuten mithilfe eingestreuter Fragen viel mehr Wissen über das Medikament an den Mann bringen als mittels Beratung im üblichen Vortragsstil. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nur so lässt sich in Erfahrung bringen, was der Patient noch nicht verstanden hat.

 

Die Wissenschaftler verglichen konkret das Maß der Wissensvermittlung mittels des standardisierten Beratungsverfahrens Indian Health Service (IHS) mit dem durch die übliche, vortragsmäßige Information des Kunden. Das IHS-System war in den 1990er-Jahren speziell für amerikanische Ureinwohner entwickelt worden und beinhaltet im Wesentlichen drei Fragen, die der Pharmazeut dem Patienten stellen und die er im Verlauf des Gesprächs beantworten soll: Zu welchem Zweck hat Ihnen Ihr Arzt dieses Arzneimittel verordnet? Wie sollen Sie es einnehmen? Welche Wirkung(en) erwarten Sie?

 

Im Rahmen der Studie wurden 500 Patienten in öffentlichen Apotheken in Oregon zu neu verordneten Arzneimitteln entweder IHS-basiert oder standardmäßig beraten. Eine unmittelbar anschließende Befragung ergab, dass sich in der IHS-Gruppe 71 Prozent der Patienten die wesentlichen Punkte hatten merken können, in der Standardberatungsgruppe dagegen nur 33 Prozent. Die Beratung im Frage-Antwort-Stil dauerte dabei mit durchschnittlich 2 Minuten und 8 Sekunden zwar etwas länger – Frontalberatung nahm nur 1 Minute und 15 Sekunden in Anspruch –, doch dieser zusätzliche Zeitaufwand lohnt sich, wie Seniorautor Dr. Robert W. Boyce betont: «Vergleicht man das mit den Risiken, die entstehen, wenn ein Patient die spezifischen Anweisungen nicht versteht oder nicht weiß, was er von der Behandlung zu erwarten hat, erscheint der zusätzliche Aufwand minimal.» (am)

 

DOI: 10.1331/JAPhA.2015.14093

 

06.01.2016 l PZ

Foto: Barmer-GEK

 

 

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