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Reizdarm-Patienten: Darmnerven nicht immer überreizt

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Reizdarm-Patienten: Darmnerven nicht immer überreizt
 


Die Nerven in der Darmwand von Reizdarm-Patienten reagieren deutlich vermindert auf einen Entzündungscocktail. Dies haben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) in Kooperation mit mehreren deutschen Kliniken an Biopsien nachgewiesen. Mit ihrer Studie, veröffentlicht in «Frontiers in Neuroscience», widerlegen sie die These, Reizdarm-Patienten hätten einen besonders sensiblen Darm.

 

«Eine mögliche Ursache der Symptome bei einer Gruppe von Reizdarm-Patienten ist die erhöhte Ausschüttung von Botenstoffen, die bei entzündlichen Prozessen eine Rolle spielen», erklärt Professor Dr. Michael Schemann vom Lehrstuhl für Humanbiologie in einer Pressemeldung der TUM. Daher postulierten die Forscher eine Sensibilisierung der Nerven in der erkrankten Darmwand. An Biopsien von Reizdarm-Patienten sowie von gesunden Probanden prüften sie, wie die Darmnerven auf elektrische Stimulation sowie auf Nikotin reagieren. Beides sind etablierte Methoden, um deren Ansprechbarkeit zu testen. Erstaunlicherweise reagierten die Nerven beider Gruppen vergleichbar, sodass eine generelle Nervensensibilisierung ausgeschlossen werden kann.

 

Gaben sie jedoch einen Entzündungscocktail mit Histamin, Proteasen, Serotonin und TNF-α zu den Proben, erhielten sie verblüffende Ergebnisse. Die Nerven der Reizdarm-Patienten hätten signifikant schwächer auf die Cocktails reagiert als die der gesunden Probanden, heißt es in der Pressemeldung. Schemann dazu: «Die Darmwand der Patienten ist offenbar desensibilisiert durch eine ursprünglich zu starke Aktivierung. Das kann eine Schutzmaßnahme sein, um eine Überreizung zu vermeiden.» Um dies zu verifizieren, wurden Darmnerven für mehrere Stunden einer Reizung ausgesetzt. In der Folge regelten sie die Reaktion herunter. Laut Schemann ist offen, ob dieses Phänomen neue Therapieoptionen eröffnen kann.

 

Das Reizdarmsyndrom quält rund 10 bis 15 Prozent der Menschen in den Industrieländern. Typische Symptome sind Bauchweh, Blähungen oder Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang. Eine eindeutige Therapie gibt es bislang nicht, lediglich für einzelne Symptome. Unumstritten ist inzwischen, dass es sich um eine organische Erkrankung handelt. (bmg)

 

04.01.2016 l PZ

Foto: Fotolia/ALDECAstudio

 

 

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